Eine Schule als Geschenk zum 200. Geburtstag

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Eine Zweigstelle der Bischof-Ketteler-Schule in Klein-Zimmern will das Bistum im Konvikt einrichten.

Dieburg ‐ „Wir haben uns überlegt, was wir Bischof Ketteler zum 200. Geburtstag schenken könnten“, erklärte der Generalvikar des Bistums Mainz, Domkapitular Prälat Dietmar Giebelmann gestern Nachmittag im Dieburger Rathaus. Er und andere Vertreter des Bistums sowie zum Bistum gehöriger sozialer Einrichtungen waren gestern eigens zur Pressekonferenz angereist. Von Laura Hombach

Wie von Bürgermeister Dr. Werner Thomas schon vor zwei Wochen im Parlament angekündigt, ging es dabei um eine schulische Nutzung des Konvikts. Nach acht Jahren des Leerstands und so manch gescheitertem Nutzungskonzept scheint nun eine Verwendung des Hauses ganz im Sinne des einstigen Gründers des Bischöflichen Knabenkonvikts gefunden zu sein. Denn der sozial engagierte Bischof Ketteler gründete in Klein-Zimmern auch das St. Josephshaus. Dort sollten Waisenjungen eine Schul- und Berufsausbildung erfahren. Ein Ansinnen, dass auch aktuell noch Bestand hat. Heute ist das St. Josephshaus ein Jugendhilfezentrum mit stationären, teilstationären und ambulanten Jugendhilfemaßnahmen für Mädchen und Jungen. 41 Schüler besuchen derzeit die angegliederte Bischof-Ketteler-Schule für Erziehungshilfe.

Künftig sollen den Bischof-Ketteler-Schülern ergänzende erzieherische Angebote in Dieburg gemacht werden, wo eine Zweigstelle der Klein-Zimmerner Schule entstehen soll. Dabei ist eine Kooperation mit dem Theresien-Kinder- und Jugendhilfezentrum in Offenbach angedacht. Beschult und betreut werden sollen hier zum einen Schüler mit hoher Begabung, die aber nicht normal beschult werden können, zum anderen sogenannte „Lückenkinder“ - Kinder die schon mehrfach schulisch gescheitert oder vom Scheitern bedroht sind. Die bereits im Konvikt vorhandenen 34 Einzelzimmer mit Sanitäranlagen sollen es einem Teil der Schüler ermöglichen, auch in Dieburg zu wohnen.

Park soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

In Klein-Zimmern wird derzeit Unterricht für die Klassen eins bis zehn angeboten. Durch die Kooperation mit der dem Theresien-Kinder- und Jugendhilfezentrum Offenbach angeschlossenen Oswald von Nell-Breuning Schule könnten eventuell aber auch externe Realschul- und Abitursabschlüsse ermöglicht werden.

Als wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts wird bei den neuen Planungen des Bistums auch der weitläufige Park des Konvikts angesehen, der besondere Sport- und Freizeitangebote ermöglicht. Gleichzeitig soll der Park aber auch wieder der Dieburger Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, erklärte Giebelmann.

Aber: Finanzierung noch nicht klar

Einziges Manko des Projekts, dass nach Aussagen des Bistums bis Ende 2011 realisiert sein könnte: Die Finanzierung des Geburtstagsgeschenks für Bischof Ketteler ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Schadensaufnahme im von Grund auf sanierungsbedürftigen Konvikt sei noch nicht ganz abgeschlossen, erklärte Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt. Erste Schätzungen für die Sanierungskosten liegen bei zirka fünf Millionen Euro.

Zusagen über öffentliche Gelder für das Projekt gäbe es noch keine, so Eberhardt. Das Finanzierungskonzept sei in Arbeit. Erste Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt und dem Jugendamt des Landkreises hätten allerdings bereits stattgefunden und die zuständigen Stellen hätten ihr Wohlwollen signalisiert. Man gehe mit den Planungen jetzt schon an die Öffentlichkeit, um die Bevölkerung darüber zu informieren, was sich derzeit auf dem Konviktsgelände tue, so Giebelmann.

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