„Eine tickende Zeitbombe“

Dieburg: Katzenquäler aus Groß-Zimmern muss hinter Gitter

Der Angeklagte Sven B. aus Groß-Zimmern musste sich wegen Misshandlung einer kleinen Katze vor dem Amtsgericht in Dieburg verantworten.
+
Der Angeklagte Sven B. aus Groß-Zimmern musste sich wegen Misshandlung einer kleinen Katze vor dem Amtsgericht in Dieburg verantworten.

Ein Kätzchen wird brutal misshandelt: Der Täter aus Groß-Zimmern wirft es gegen eine Wand und anschließend in die Toilette. Jetzt wurde das Urteil am Amtsgericht Dieburg verhängt.

Dieburg/Groß-Zimmern – Es ist eine Tat, die sprachlos macht: Der 29-jährige Sven B. aus Groß-Zimmern misshandelt am 30. September 2020 die 16 Wochen alte Katze seiner Freundin, Kimberly S., in deren Wohnung in Groß-Umstadt auf brutale Weise. Das wehrlose Tier erleidet dabei laut Aussage der behandelnden Tierärztin Vanessa Tänzer eine Schwellung auf der rechten Seite des Gesichts sowie Einblutungen in den Augen – es besteht sogar der Verdacht eines Schädel-Hirn-Traumas.

Nun musste sich der Angeklagte für seine Tat vor dem Amtsgericht Dieburg in einer Verhandlung unter Strafrichter Christian Meisinger verantworten, nachdem Kimberly S. ihren Lebenspartner am 1. Oktober 2020 angezeigt hatte. Die Anklage für Sven B. lautete: Begehen einer Straftat gemäß Paragraf 17 2a des Tierschutzgesetzes (einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügen). Dafür landet der 29-Jährige, der gerade erst eine Bewährungszeit absolviert hatte, nun für vier Monate hinter Gittern.

Dieburg: Angeklagter aus Groß-Zimmern bestreitet Misshandlung der Katze

Im Zuge der Verhandlung beteuerte der Angeklagte, der bereits durch mehrere Vergehen – darunter auch Körperverletzung und Sachbeschädigung – auffällig wurde und aufgrund einer psychischen Erkrankung sowie Drogenabhängigkeit eine Therapie absolvierte, jedoch seine Unschuld. „Ich habe seit 30 Jahren Haustiere. Ich habe meiner Freundin die Katze sogar geschenkt – warum sollte ich dann so etwas tun?“ Laut dem 29-jährigen Arbeitssuchenden befand er sich am Tag der Tat mit seiner Freundin in deren Wohnung in Groß-Umstadt – gegen 14 Uhr sei Kimberly S. dann zur Arbeit gegangen. Zu diesem Zeitpunkt sei mit dem Kätzchen alles in Ordnung gewesen. „Ich bin für das Tier eine Bezugsperson“, erklärte Sven B. im Laufe der Verhandlung. Zwischen 19 und 20 Uhr habe er dann ebenfalls das Haus verlassen und traf sich mit einem Freund in einer Bar in Groß-Zimmern. Kurz vor 22 Uhr sei er nach Hause gekommen und habe sich zunächst in die Küche gesetzt. Wenig später sei die Freundin dazugestoßen – ihr fiel laut Sven B. auf, dass die Katze verschwunden sei. Nach gemeinsamer Suche soll das Paar das Tier schließlich in schlechtem Zustand in der Toilette gefunden haben.

„Die Katze ist normalerweise immer im Wohnzimmer. Ich habe mich ja erst mal in die Küche gesetzt und mir nichts dabei gedacht“, antwortete der Angeklagte auf die Frage von Staatsanwalt Alessandro Di Maria, warum er das Verschwinden des Tieres nicht eher bemerkte. Die Erklärung des Angeklagten für die Verletzungen der Katze: Jemand sei während seiner Abwesenheit in die Wohnung eingebrochen und habe das Tier misshandelt.

Amtsgericht Dieburg: Katze durch die Wohnung geschleudert

Doch die Fakten sprachen klar gegen diese Version. Die Polizei führte im Zuge der Ermittlungen Untersuchungen am Tatort durch – an der Tür konnten keinerlei Einbruchsspuren gefunden werden, es wurde nichts aus der Wohnung entwendet. Das bestätigte auch Polizeioberkommissar Gehron, der als Zeuge in dem Fall geladen war. Darüber hinaus befanden sich zur Tatzeit lediglich der Angeklagte und seine Freundin in Besitz eines Schlüssels. Bei der Untersuchung stellten die Beamten zudem kleine Blutspritzer an mehreren Wänden fest – dies lasse laut Richter Meisinger und Staatsanwalt Di Maria den Schluss zu, die Katze sei regelrecht durch die gesamte Wohnung geworfen worden.

Nachdem es das Kätzchen in der Toilette fand, fuhr das Paar laut Sven B. zusammen mit seiner Mutter in die Tierklinik in Obertshausen. Dort behandelte Vanessa Tänzer den Vierbeiner, der am darauffolgenden Tag mit Schmerzmitteln wieder nach Hause durfte. Mittlerweile geht es dem Tier nach seiner Tortur wieder besser. Gegenüber der Ärztin habe die Lebenspartnerin dann auch erwähnt, dass ihr Freund unter Alkohol- und Drogeneinfluss stünde und für die Tat verantwortlich sei. „Meine Freundin hat eine Borderline-Störung. An allem, was passiert, bin immer gleich ich schuld“, erklärte der Angeklagte.

Urteil gegen Groß-Zimmerner vor Amtsgericht Dieburg: „Rohheit und Empathielosigkeit“

Nach Betrachtung der Beweise, Anhörung der Zeugen sowie eingehender Befragung des Angeklagten erhob sich Staatsanwalt Alessandro Di Maria zu seinem Schlussplädoyer. Er forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung, ein Tierhaltungsverbot für fünf Jahre sowie eine Zahlung von 1 000 Euro an eine gemeinnützige Tier-Organisation aus der Region. Den Angeklagten Sven B. bezeichnete er zudem als „tickende Zeitbombe“. 15 Minuten später verkündete Richter Christian Meisinger dann das Urteil. Vier Monate Freiheitsstrafe, keine Bewährung und ein Tierhaltungsverbot von fünf Jahren. „Die Tat zeugt von Rohheit und Empathielosigkeit. Da der Angeklagte bisher nicht mit Geld- oder Bewährungsstrafen erreichbar war, sehen wir hier mangels positiver Sozialprognose keinen Raum für eine Bewährung“, erklärte Meisinger das Urteil.

Kimberly S. selbst konnte als Zeugin in dem Prozess nicht aussagen. Der Grund dafür war auch für die Verhandlung relevant. Am Mittwoch, 21. Juli wurde der Polizei gemeldet, dass der Angeklagte gegen Mittag die Wohnung seiner Lebenspartnerin verwüstet und Kimberly S. zudem körperlichen Schaden zugefügt habe. Das bestritt der 29-jährige Groß-Zimmerner: „Ja, wir haben uns gestritten. Danach bin ich aber wieder nach hause gegangen.“ Im Zuge der mutmaßlichen Auseinandersetzung wurde gegen den Angeklagten auch ein Annäherungsverbot verhängt. (Jan Lucas Frenger)

Erst Anfang des Jahres wurde ein Messerangriff aus Eppertshausen in einer spektakulären Verhandlung vor dem Amtsgericht in Dieburg aufgearbeitet.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion