Elegante Damen im Park

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Diese Damen hätten dem Dichterfürsten gefallen: „Hingucker“ im Schlossgarten.

Dieburg -  Da hob es Hugo Martin, der nichts ahnend am Trapezteich vorbei radelte, fast aus dem Sattel: Kamen ihm doch vier elegant gekleidete Damen entgegen, die eher der Goethezeit als dem Jahr 2009 anzugehören schienen: Mitglieder des Fördervereins des Museums hatten die Auftaktveranstaltung zum Projekt „GartenRheinMain bittet zu Tisch“ am Sonntag anschaulich gestaltet. Von Lisa Hager

Mit kleinen Spielszenen bereicherten beispielsweise Christian Eidenschink als Karl Friedrich Willibald von Groschlag und Peter Maack als Gärtner Johann die Schlossgarten-Führungen (wir berichteten). Während Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith und Landschaftsarchitekt Peter Jordan (Aschaffenburg) die Besucher in zwei Gruppen durch die heute vier Hektar umfassende Anlage führten, zeigten die Beiden, wie ein Dialog zwischen dem Freiherrn und seinem Hofgärtner hätte aussehen können. Schon damals gab es anscheinend Unstimmigkeiten wegen des richtigen Schnitts der Linden. „Herr, die Taler haben nicht gereicht“, versuchte sich Johann mit der Sense in der Hand zu verteidigen.

Impressionen von der Auftaktveranstaltung

Freiherrliche Begegnungen

Groschlag, mit Dreispitz und Gehrock, gab sich den Besuchern als aufklärerischer Freigeist zu erkennen. Allerdings sei er froh, dass seine „beiden Töchter noch nicht im heiratsfähigen Alter sind“ - schließlich war zu Silvester der Schwerenöter Goethe zu Besuch.

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„Freiherrliche Begegnungen“

Die Gäste des Jahres 2009 finden allerdings nicht mehr vor, was den illustren Kreis philosophischer Geister, der den „Musenhof der Groschlags“ im ausgehenden 18. Jahrhunderts besuchte, hier faszinierte. Von der französischen Parkanlage nach dem Vorbild Versailles ist nur noch der barocke Mittelteil erhalten, wie Rohde-Reith erläuterte. Das Schloss gibt es seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr - genauso wenig wie das ländliche Lusthäuschen oder den weißen Rundtempel und die „damals beliebte Ruine nach römischem Vorbild“.

Immer noch führt aber die schattige Allee auf den Trapezteich zu, der 1751 angelegt wurde. Wo sich heute das Freibad und die Sportanlagen befinden, lag ein Areal, das den Einfluss englischer Landschaftsgärten widerspiegelte. „Hier ließ sich ohne Etikette im Verborgenen lustwandeln“, zeigte Rohde-Reith die Vorzüge dieses Stils.

Zu Groschlags Zeiten umfasste der Garten übrigens 25,5 Hektar, neun Hektar waren reine Nutzfläche. Und im Gewächshaus gedieh sogar Exotisches - Ananas, frisch aus Dieburg beispielsweise.

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