Elegantes auf dem Kopf, Pokerface auf Nägeln

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Kreativität ist Trumpf: Irina Bobkova (links) mit ihrem Model und dem Thema „Pokerface“.

Dieburg (mj) ‐  „Das ist die letzte Gesellenprüfung unter den alten Bedingungen“, sagt Marita Irmer, Vorsitzende der Prüfungskommission bei den Friseuren an der Landrat-Gruber-Schule.

Zukünftig gliedert sich diese in zwei zeitlich voneinander getrennte Teile. Einer ersetzt die Zwischenprüfung, die bislang für die Endnote unrelevant war. Das wird sich ändern, das heißt, die darin erzielten Ergebnisse fließen fortan ebenfalls in das Abschlusszeugnis ein. Diese Woche traten 15 angehende Friseure zur praktischen Prüfung an. Nach dem Theorieteil vor wenigen Tagen stand jetzt unter anderem ein Damen- und ein Herrenschnitt, eine Dauerwelle, eine kosmetische Gesichtsbehandlung und ein Beratungsgespräch auf dem Programm.

Kritischer Blick: Bei der praktischen Gesellenprüfung der Friseure begutachtet die Prüfungskommission sehr genau, was auf den Köpfen vor sich geht.

Besonders legten sich die „Noch-Lehrlinge“ bei ihrem persönlichen „Prüfungsstück“ ins Zeug. Dabei durften sie ein Model mitbringen und dieses unter einem selbst ausgedachten Thema „stylen“. Vorgegeben sind diverse Rahmenbedingungen wie etwa das Auftragen einer Colorierung. Vor allem Hochsteckfrisuren sind bei diesem Prüfungsabschnitt, der mit der Kür beim Eiskunstlaufen zu vergleichen ist, sehr beliebt. „Wir haben regelmäßig das Thema Braut, es gab aber auch schon Punk, Meerjungfrau oder Domina“, lacht der selbständige Friseurmeister Andreas Koch. Die Prüfer beurteilen anschließend den Schwierigkeitsgrad und die Kreativität. Um die Frisur zu untermalen und die Prüfer mit einem stimmigen Gesamtbild zu beeindrucken, wird sogar die Kleidung dem Thema angepasst. Das bedeutet, dass nur scheinbar heiratswillige Damen in leuchtend weißen Brautkleidern regelmäßig zur Szenerie gehören.

Friseurberuf nach wie vor sehr beliebt

Modelliert werden auch die Fingernägel, die ebenfalls in die Note einfließen. Die Fingernagel-Modellage, die früher noch bloße Maniküre war, ist ein Indikator für den Wandel der Zeit. Was alleine in diesem Bereich möglich ist, zeigte die Groß-Zimmnerin Irina Bobkova: Unter dem Titel „Pokerface“ malte die 21-jährige ihrem Model kleine Spielkarten auf die Nägel.

Wie Berufschullehrerin Ulrike Schüttler sagt, gebe es beim Friseur-Nachwuchs keinen Mangel. Der Beruf sei mit seinen drei Lehrjahren nach wie vor sehr beliebt, was die Zahl der Praktikanten beweise. Nicht halt macht vor den zukünftigen Friseuren der allgemeine Trend zur Spezialisierung. So wird es bei den neuen Gesellenprüfungen diverse „Module“ geben, die unter anderem die Themen Colorierung oder Haarverlängerung („Extensions“) beinhalten. Ein Weg, der nicht die uneingeschränkte Zustimmung aller findet. Andreas Koch hält bei den Friseuren zu viel Spezialisierung für unangemessen: „Das ist nur für die großen Friseurläden interessant. In der Mehrzahl gibt es aber kleine Geschäfte und dort muss man eben alles können.“

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