Maler und Bildhauer Martin Konietschke hat in Groß-Umstadt ein Atelier gefunden

Endlich Platz für die Kunst

An einem großflächigen Relief arbeitet Martin Konietschke zurzeit. Es wird der „Gedankenstein“ zur Erinnerung an die vertriebenen jüdischen Mitbürger Dieburgs. Fotos: Bernauer

Groß-Umstadt/Dieburg - „Ich hatte großes Glück“, sagt Martin Konietschke. „Ich suche schon seit Jahren ein entsprechendes Atelier, in dem ich all meine Arbeitsbereiche, die Malerei, die Bildhauerei, die Druckgrafik und die Zeichnung ausüben kann. Von Ulrike Bernauer

“ Im Groß-Umstädter Gewerbegebiet hat der Dieburger Künstler nun Räumlichkeiten gefunden, in denen er alle Bereiche seines künstlerischen Schaffens verwirklichen kann. Eine Halle von 200 Quadratmetern steht nun zur Verfügung. Im Dieburger Atelier, das sich in der Scheune seines Wohnhauses befand, hatte der Künstler nur 50 Quadratmeter Platz, um seine Werke herzustellen.

Konietschke genießt die neuen Möglichkeiten, und so manches Werk kann nun erst so richtig entstehen. „Ich arbeite zurzeit an einem Denkmal für die vertriebenen Dieburger Juden“, erklärt Konietschke. „Das Relief, das 2,30 Meter hoch ist, hätte ich in meiner alten Werkstatt überhaupt nicht herstellen können“. Auch Skulpturen benötigen eine gewisse Höhe, um lebensecht zu wirken.

Viele Jahre hat der mittlerweile über den Landkreis hinaus bekannte Maler und Bildhauer nach einem Atelier gesucht. Denn in seiner Scheune konnte er nur im Sommer arbeiten, im Winter beschäftigte er sich in seinem Wohnhaus mit kleineren Arbeiten.

„Die Stadt Babenhausen war sehr bemüht, mir Arbeitsräume zu verschaffen“, erinnert sich der Künstler, der beispielsweise auch den Lichtenberg-Preis des Landkreises erhielt, aber auch das Engagement von Bürgermeisterin Gabriele Coutandin führte nicht zu einem neuen Atelier. Mit Maklern war der Künstler in Kontakt oder er klapperte mit dem Fahrrad die Industriegebiete der Umgebung ab, alles ohne Erfolg. Der Tipp eines Freundes brachte ihn auf die Halle im Groß-Umstädter Gewerbegebiet, von der Konietschke gleich wusste, „die ist es“.

Viel Arbeit wartet noch auf den Dieburger, der seinen Wohnsitz beibehalten wird. Einige Umbauten sind vorzunehmen, aber auch die hohen Wände neu zu streichen. „Ein Freund wird mir helfen, aber ich komme nur zum Streichen, wenn ich zwischen der Arbeit an meinen Werken mal Zeit habe“. So wird sich die Renovierung noch ein wenig hinziehen. Denn: Die künstlerischen Arbeiten gehen vor.

Schön ist die Umgebung nicht, aber auch das stört den Künstler nicht. „Ich brauche keine Romantik um das Atelier, am Außenbereich ist mir wichtig, dass auch mal ein Lkw herfahren kann und ich Skulpturen ebenerdig und bequem nach einer Ausstellung wieder in mein Atelier bekomme.“

Zurzeit arbeitet Konietschke außer an dem Denkmal für die Juden Dieburgs, einer Auftragsarbeit für eine private Initiative, auch für den Landkreis. Eine Kassette mit zwölf Radierungen steht kurz vor der Fertigstellung. Musiker, Sänger und Tänzer sind auf den Zeichnungen zu sehen. Die Kassetten sollen ein Geschenk des Landkreises für die verschwisterte Region Florenz sein. „Wir haben mit Europa sozusagen ein gemeinsames Orchester, jedes Land hat sein Instrument, einen gemeinsamen Kammerton haben wir schon, nun müssen wir noch einen gemeinsamen Rhythmus finden“, so begründet Konietschke die Auswahl seiner Bilder für das Geschenk an die Partnerregion.

Auch wenn der Dieburger vorerst kaum zum Renovieren kommt, er hat ganz klare Vorstellungen für sein neues Atelier. Der größere Bereich bleibt der Arbeit an den Skulpturen vorbehalten, von denen er nun auch welche mit umfangreicheren Ausmaßen fertigen kann.

Im kleineren, künftig abgetrennten Bereich will er malen. „Dann kann ich mit meinen Skulpturen so viel Dreck und Staub machen, wie ich will, die Malerei wird davon nicht behelligt“, frohlockt er.

Am meisten freut ihn, dass er nun jahreszeitunabhängig arbeiten kann. „Ich bin unendlich froh, dass ich endlich angekommen bin“, sagt Konietschke über sein neues künstlerisches Domizil.

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