Endlich wieder ruhig schlafen?

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Überall wird gebaut: Nicht nur auf der B 26 wird gebaut, sondern auch an der „Sauer-Kreuzung“. Ein Nadelöhr ist durch die angelaufenen Bauarbeiten für den Kreisel am Knotenpunkt K128/Groß-Zimmerner Straße entstanden.

Dieburg - Lärm ist alles andere als Manfred Kaufmanns Lieblingsthema, auch wenn er immer wieder darüber spricht. Vor allem in der Nacht - weil er und seine Frau dann sowieso oft kein Auge zumachen. Seit Jahren, sagt der Rentner, gehe das so. Von Barbara Hoven

Nur Felder und Wiesen trennen das Domizil der Kaufmanns im Lärchenweg von der viel befahrenen B 26. „Die Lärmbelästigung ist nicht abhängig von Uhrzeiten. Es kommt vor allem aufs Wetter an“, erklärt Kaufmann. „Wenn es regnet oder der Wind aus südlicher Richtung kommt, hört man die Straße besonders gut. Dann ist es hier oft so laut, dass wir nicht mal mehr bei geschlossenem Fenster richtig schlafen können.“ Und das Fenster sei nachts schon lange zu.

Doch momentan wagen die Kaufmanns und andere lärmgeplagte Anwohner etwas Hoffnung: Anfang Mai hat das Darmstädter Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) auf der B 26 zwischen den Anschlussstellen Roßdorf-Ost und Groß-Umstadt/Dieburg-Mitte mit umfangreichen Arbeiten begonnen. Weil die Betonplatten gerissen, teilweise Kanten und Ecken abgebrochen sind, wird die Fahrbahndecke auf einem acht Kilometer langen Teilabschnitt in Fahrtrichtung Babenhausen saniert. Nach dem Ausbau der Schutzplanken im Mittelstreifen und der Erneuerung des Entwässerungskanals werden 22 Zentimeter Asphalt in mehreren Schichten auf die vorhandene Betonfahrbahn gegossen - so berichtete unsere Zeitung vor knapp zwei Wochen.

„Das ist ja schön und gut, aber wird bei den Bauarbeiten auch die Lärmbelästigung für die Anwohner reduziert?“, fragt sich Manfred Kaufmann. ASV-Pressesprecher Markus Schmitt: „Der Lärm entsteht vor allem durch die Fugen, die sich mit der Zeit zwischen den alten Betonplatten gebildet haben.“ Das Klack-Geräusch, das entsteht, wenn Autoreifen diese Fugen passieren, soll dank der neuen Decke künftig entfallen. So ergebe sich für die Anwohner der glückliche Umstand, dass - sozusagen als angenehmer Nebeneffekt - der Lärm reduziert werde. Die Hoffnung auf Flüsterasphalt muss Schmitt den Anwohnern jedoch nehmen. „Dieser spezielle Belag ist sehr teuer und unterhaltungsintensiv und kommt daher nur in Sonderfällen zum Einsatz.“ Auf der B 26 werde Splittmastixasphalt verwendet, „ein gängiges Material“.

Immerhin ein kleiner Trost für Familie Kaufmann, für die das Thema Lärm ein besonders sensibles ist. Denn bei der Wahl ihres Wohnortes hatte das Ehepaar schon einmal kein glückliches Händchen. „Wir haben damals unser Haus in Frankfurt verkaufen müssen, weil wenige Jahre nach der Fertigstellung die Startbahn 18 West des Flughafens in unmittelbarer Nähe gebaut wurde - was uns beim Grundstückskauf niemand gesagt hatte.“

Seit 20 Jahren wohnen sie nun im Dieburger Lärchenweg. „Hier haben wir den großen Fehler gemacht, dass wir nicht gleich beim Bau der B  26 Einspruch erhoben oder wenigstens für den Bau einer Lärmschutzwand gekämpft haben“, bereut das Ehepaar heute. Vielleicht können sie ja ab September - dann sollen die Bauarbeiten auf der B 26 fertig sein - trotzdem wieder ruhiger schlafen.

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