Endzeitstimmung rund um Haus 8

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THW auf dem Weg ins Haus 8: Bei der Explosion, die zur Großübung gehörte, geriet eine Dämmung in Brand. Das Feuer konnte aber schnell wieder gelöscht werden.

Dieburg - Düster, kalt und schmutzig. Gesprungene Türen, Glasscherben auf dem Boden. Stromkabel baumeln lose von der Decke. Von Fabian Sell

Ein Hinweisschild: „Bitte fassen Sie die Kabel nicht an, wir wissen nicht, wo noch Strom drauf ist!“ Betritt man „Haus 7“ auf dem Campus, ist es schwer zu glauben, dass hier einst hunderte Studenten gelebt haben. Doch ein Blick nach rechts bringt die Gewissheit: Ein Ausstellungskasten - darin ein gelb-schwarzes Papier und die Aufschrift: „Christliche Gewerkschaft Post. “ Hier lebten sie also: Die Studenten der Post-Fachhochschule.

Doch dies ist lange vorbei - derzeit befinden sich die Abrissarbeiten der Türme im vollen Gange. Nur am Wochenende kehrt Ruhe ein.

Gebäude zum Üben ein Leckerli

Für das Technische Hilfswerk (THW) ein gefundenes Fressen: „Für uns ist das Gebäude zum Üben natürlich ein Leckerli“, sagte Hans Georg-Schaub, Fachberater des THW Groß-Umstadt. Zusammen mit dem THW Ober-Ramstadt übten am Samstag zahlreiche Hilfswerkmitglieder das „Retten und Bergen“ ziviler Opfer. Die Opfer sind so genannte Dummys, rund 60 bis 70 Kilo schwere Nachbildungen des Menschen, die, um das hohe Gewicht zu erreichen, oft mit Sand gefüllt sind.

Einer dieser Dummys liegt am Samstagmorgen einsam und verlassen in der Ecke eines großflächigen Erdgeschossraumes. Ein Bein fehlt und liegt rechts neben ihm - laut Szenario verkörpert er einen Schwerverletzten mit abgerissenem Bein. Doch Rettung naht - von oben. Im ersten Geschoss stehen zwei Hilfskräfte. In ihren Händen zwei schwere Bohrer, so genannte Aufbrechhämmer, mit denen sie den Boden bearbeiten. Ihr Ziel: Einen Deckendurchbruch zu erreichen, um sich anschließend abzuseilen und den Beinamputierten zu bergen. Keine leichte Aufgabe: Der Lärm ist ohrenbetäubend, der Boden widerstandsfähig. Etwa zwei Stunden Arbeitszeit vergehen, dann ist es geschafft. Ein großes Loch klafft in der Decke, die Bergung beginnt.

Einsatzkräfte vor einem engen Schacht nahe „Haus 7“

Szenenwechsel: Einige Einsatzkräfte stehen vor einem engen Schacht nahe „Haus 7“. Sie tragen schweren Atemschutz. Vorsichtig klettern sie in das dunkle Loch und sind kurze Zeit später verschwunden. Eine Atemschutzübung ist ihre Aufgabe inklusive der Rettung eines Dummys. Doch zuvor kämpfen sie sich durch den Schacht, der durch schweren Trümmerteile versperrt ist. An deren Ende wartet eine Bunkertür - verschlossen - und dahinter liegt schließlich der Verletzte. Erschwerend kommt hinzu: Die Luft in den Flaschen ist begrenzt; es ist Eile geboten. Als sie zurückkehren, zeigt die Uhr des Einsatzleiters 29 Minuten. Eine gute Zeit, denn das piepsende Geräusch, das auf drohenden Luftmangel hinweist, ertönt erst beim Ausstieg.

Dummy und Bein müssen mit Hilfe des Seilzuges gerettet werden.

Vergleichsweise unspekaktulär geht es im Hochschulturm, Haus 8, zu. Hier sind die Einsatzkräfte der „Fachgruppe Sprengen“ des THW Landesverbandes Hessen-Rheinlandpfalz-Saarland“ im Einsatz. Gerade laufen die Vorbereitungen. Johann Auer, Sprengberechtigter des THW Groß-Umstadt, erklärt in schnellen Sätzen das Vorgehen. In einem kleinen Raum sitzen mehrere Einsatzkräfte und umhüllen Sprengkabel mit Lehm, um sie anschließend in kleinen Löchern in der Wand zu befestigen. „Das ist die Bohrlochladung. Es wird bis in die Mitte gebohrt und danach wird die Ladung angebracht“, erklärt Auer. Der Nachteil: Das Öffnen der Löcher ist als manuelle Vorarbeit notwendig. Dass es auch schneller geht, offenbart der nächste Raum. Auf einer kleinen Tür ist eine ringförmige Sprengladung angebracht. Um den Splitt der späteren Sprengung einzudämmen, liegt die Tür auf einem Strohballen. Doch auch diese Sprengung hat einen Nachteil: „Dadurch, dass die Ladung aufliegt, verpufft viel in der Luft“, erklärt Auer.

Sprengung für 13 Uhr vorgesehen

Die Sprengung ist für 13 Uhr vorgesehen. Obgliatorisch: Das Einhalten der Sicherheitsvorkehrungen. So sammeln sich die Einsatzkräfte beim Eingang nebem dem Hallenbad. „Könnt ihr euch bitte in Zweierreihen aufstellen, damit ich durchzählen kann!“, lautet die Anweisung. Danach geht es auf die andere Straßenseite.

Man setzt sich auf den Bordstein - den Blick Richtung „Haus 8“. Ein THWler steht mit einem Funkgerät auf der Straße und bittet Autofahrer, auf dem Parkplatz zu warten, bis die Sprengung vorüber ist. Eine Frau vermutet, die Hochschultürme würden in die Luft gejagt. Ein THWler klärt sie auf: Es ist nur eine kleine Sprengung, bei der man wohl auch nicht viel sehen wird. Eine korrekte Einschätzung: Kurze Zeit später ertönt das Warnsignal, dann ein lauter Knall und eine leichte Rauchwolke, die seitlich aus dem Turm weht.

Das Mittagessen auf der Freifläche hinterm Hallenbad unterbricht etwas Unvorhergesehenes: Auf einmal herrscht Aufruhr: Einsatzkräfte rennen zu den Fahrzeugen, greifen sich Löschausrüstung und hasten zu „Haus 8“. Feuer! Rauch dringt aus den Fenstern des ersten Stocks. Die Ursache steht bald fest: „Das Stroh zur Zwischendämmung hat Feuer gefangen“, erklärt Auer. Durch Anfeuchten hätte man dies verhindern können.

Nach der Verzögerung lassen sich die Einsatzkräfte das Essen schmecken. Die Energiedepots gilt es aufzuladen, schließlich warten noch einige Dummys auf ihre Rettung.

Quelle: op-online.de

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