Energieexperte Thomas Wolf

Schon mal zum kompletten Hausabriss geraten

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Energieberater Thomas Wolf kommt jeden ersten Mittwoch im Monat nach Dieburg.

Dieburg - Jeden ersten Mittwoch im Monat steht der neutrale Energieexperte der Verbraucherzentrale Hessen, Thomas Wolf, hilfesuchenden Bürgern Rede und Antwort. Der 56-jährige Architekt aus Darmstadt hat Redaktionsmitglied Sabrina Kristen erzählt, wie es auch im Winter innen kuschelig warm bleibt.

Herr Wolf, wo geht im Winter die meiste Energie verloren? 

Etwa 50 Prozent der Heizungsluft geht durch Lüftung verloren. Das kann zum einen an veralteten Fenster liegen, zum anderen an dem falschen Nutzungsverhalten. Die jeweilige Zimmertür sollte immer geschlossen bleiben, damit so eine interne Klimazone errichtet wird.  Häufig stellen Rollädenkasten eine weitere Schwachstelle dar. Wenn diese abgewickelt werden, bleiben Luftlöcher, wodurch die meiste Energie abfließt. 

Was sind denn die größten Stromfresser im Haushalt? 

Alle Geräte, die Wärme erzeugen, wie Wasserkocher, Toaster oder Waschmaschine, benötigen eine Menge Strom. Aber die schlimmsten Fallen lauern bei Wasserbetten und Heizdecken, da diese permanent heizen.

Und wo kann am meisten Strom gespart werden? 

Neue Kühlschränke und Gefriertruhen verbrauchen weniger Strom gegenüber ihrer alten Vorgänger. Ansonsten bringen bereits Kleinigkeiten, wie das Entkalken eines Wasserkochers, schon Einsparungen. Auch sollten Fernseher- und Audiogeräte nicht im Stand-by-Modus laufen, sondern lieber komplett abgeschaltet werden. Das bringt im Jahr eine Ersparnis zwischen 30 und 50 Euro.

Wie kann Schimmel entgegengewirkt werden?

Das A und O ist dabei richtig zu lüften und zu heizen. Dabei gilt: Je kühler es draußen ist, umso kürzer sollte man lüften. Bei Minusgraden reichen dabei zwei bis drei Minuten vollkommen aus. Bei zehn Grad Außentemperatur kann das Fenster ruhig bis zu zehn Minuten offen bleiben. Generell sollte im Winter das Fenster nicht gekippt werden. So entsteht Kondensat, was wieder Schimmel entstehen lassen kann. Außerdem ermöglicht die ideale Wohnung Querlüftung, das heißt, das man nach Nord und Süd gelegene Fenster hat.

Ist die Investition in eine neue Fassadendämmung ratsam oder nicht?

Dafür gibt es leider keine pauschale Antwort, es hängt immer von der jeweiligen Beschaffenheit des Hauses ab. Aber ich würde immer zum Austausch von Fenstern raten. Außerdem muss in punkto Fassadendämmung immer der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt werden. Ich habe schon in einigen Fällen zum kompletten Abriss des Hauses geraten, anstatt das Geld in die Fassaden- und Dachdämmung zu stecken.

Ist Efeu am Haus auch zur Dämmung geeignet?

Die Begrünung der Außenanlage empfiehlt sich durchaus. So dient sie im Sommer als Verschattungselement und im Winter zum Dämmen. Jedoch kann ich von Efeu nur dringend abraten. Das schaut schön aus, frisst sich jedoch in Fugen und Putz und kann die Mauer im Laufe der Zeit, etwa 30 Jahre, sprengen. Eine Alternative ist Wilder Wein. Er haftet nur an der Mauer.

Und worauf sollte beim Neubau geachtet werden?

Eine kontrollierte Raumbelüftung ist beim Neubau sehr sinnvoll. So gehen nur bis zu fünf Prozent der Energie verloren. Außerdem würde ich bei einer thermischen Solaranlage immer auf ein Röhrensystem und nicht auf Flachkollektoren setzen. Letztere sind nur bei direkter Sonneneinstrahlung sinnvoll. Eine Röhre kann selbst diffuses Licht sammeln.

Für die Beratung jeden ersten Mittwoch im Monat im Kreishaus, Schlossgasse 17, Raum 6, von 15 bis 18 Uhr ist eine Anmeldung erforderlich: 06151/881-1503 oder -1506, E-mail: r.flemming@ladadi.de.

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