Engpass wegen Hitze und WM

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Viele Mehrfachspender hatten sich zur Blutabnahme eingefunden.

Dieburg ‐ Bereits eine halbe Stunde vor Beginn hatten sich die ersten Blutspender vor der Gutenberghalle eingefunden, um an dem Termin des Deutschen Roten Kreuzes teilzu- nehmen. „Viele der Spender in Dieburg sind Mehrfachspender“, erzählt der ehemalige Ortsvereinsvorsteher Helmut Ostheimer, der das Amt von 1960 bis 1987 inne hatte. Von Verena Scholze

Blutspende hat in Dieburg eine lange Tradition. Bereits seit 55 Jahren werden hier durch das DRK Blutspenden organisiert. Am 5. Mai 1955 fand in Dieburg im Gemeinschaftsraum der Justizvollzugsanstalt der erste Blutspendetermin mit insgesamt 36 Spendern statt. Bei diesen Spendern handelte es sich größtenteils um Bedienstete der JVA und anderer Dieburger Behörden. Bereits 1960 konnten bei zwei Terminen 244 Blutspenden entnommen werden. In den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde das Spendenaufkommen kontinuierlich gesteigert. Zum Jahresende 2009 betrug die Zahl der Blutspenden seit Beginn in Dieburg bei 211 durchgeführten Terminen 31 140 Blutkonserven.

In Dieburg leben dreizehn erfolgreiche Blutspender, die mit der Ehrenmedaille des Blutspendedienstes ausgezeichnet wurden. „Blutspender sind Lebensretter“, sagt Ostheimer überzeugt und freut sich über Teilnahme an den Terminen, die viermal jährlich in Dieburg durchgeführt werden. „In der Regel kommen wir auf rund 900 Spender im Jahr“, berichtet er weiter. Beim Termin am Donnerstag stehen für die Spender drei Teams bereit, die 18 Entnahmen vornehmen können.

Jeder erfährt die gleiche Prozedur

Gleichgültig, ob Mehrfachspender oder Erstspender, alle Teilnehmer müssen fast die gleiche Prozedur durchlaufen. Nach der Anmeldung oder Vorlage des Spenderausweises ist das Ausfüllen eines aktuellen Gesundheitsfragebogens erforderlich.

Danach erfolgt zunächst eine ärztliche Untersuchung, bei der der Arzt Blutdruck, Kreislauf und Puls misst und auf etwaige Krankheiten wie Erkältung untersucht. Erst nach seiner ärztlichen Freigabe ermittelt das Labor im nächsten Schritt durch eine kurze Blutentnahme die Hämoglobinwerte oder nimmt bei Erstspendern eine Blutgruppenbestimmung vor.

Danach geht es ans Blutspenden, das von erfahrenen Ärzten oder Sanitätern vorgenommen wird. Pro Spender werden 500 Milliliter Blut entnommen. Diese Prozedur dauert rund fünf bis zehn Minuten, danach erfolgt eine Erholungsphase. Zum Abschluss bekommt jeder Spender eine Stärkung, damit sich der Körper schnell wieder erholen kann. Das entnommene Blut wird vom Körper innerhalb weniger Tage wieder neu gebildet.

Altersgrenze auf 72 Jahre erhöht

Wir hatten im Sommer über einen Zeitraum von 14 Wochen zu wenig Blutkonserven“, blickt Eric Max, Werbereferent vom DRK Blutspendedienst aus Frankfurt zurück. Schuld an den rückläufigen Spenderzahlen waren unter anderem die anhaltende Hitzewelle sowie die Fußball WM, andere Spender fallen durch Abwesenheit wegen Urlaubs aus. So stand den Kliniken durch diesen Versorgungsengpass teilweise nur noch ein Vorrat, der für anderthalb bis zwei Werktage ausreicht, zur Verfügung. Normal sei ein Vorrat von drei bis fünf Werktagen.

Eine weitere Ursache für die allgemein rückläufige Anzahl von Blutspendern ist beispielsweise auch das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung sowie eine geringe Spendebereitschaft bei den 20- bis 35-Jährigen, wie Max zu berichten weiß. Allein 20 Prozent der vorhandenen Konserven werden für die Behandlung von Krebserkrankungen benötigt. Weitere 20 Prozent fallen bei stark blutenden Operationen wie beispielsweise Eingriffe im Magen-Darm-Bereich an. So werden vom DRK Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen in Frankfurt täglich 143 Krankenhäuser mit rund 1150 Blutkonserven beliefert.

Ab kommendem Jahr wird diese Menge aufgrund steigender OP-Zahlen noch um 200 Konserven angehoben. Die fehlenden jungen Spender sind auch der Grund, weshalb das Blutspendealter von 68 Jahren auf 72 Jahre hochgesetzt wurde. Mit einer Einverständniserklärung des Arztes können auch Ältere über 72 Jahre noch Blut spenden.

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