Hilfseinsatz des Landes Hessen

„Enorme körperliche Belastung“: Dieburger Feuerwehrleute in der Flammenhölle Griechenlands

Marco Gerbershagen löschte in Griechenland gemeinsam mit seinen Dieburger Kameraden zahlreiche Glutnester.
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Marco Gerbershagen löschte in Griechenland gemeinsam mit seinen Dieburger Kameraden zahlreiche Glutnester.

Die Dieburger Feuerwehrleute sind zurück und berichten von ihrem Griechenlandeinsatz. Das nächste Engagement ist bereits in vollem Gange.

Dieburg – „Es war einfach surreal. Dort sieht es aus wie auf einer Mondlandschaft“, beschreibt Bernd Becker seine Eindrücke. Er ist einer von fünf Dieburger Kameraden, die sich nach dem Hilfsgesuch Griechenlands auf den Weg in die Feuerhölle machten. Insgesamt brachen vergangene Woche 57 Einsatzkräfte aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg (über 160 aus Hessen) in Richtung der Brandherde auf.

Als Zugführer leitete Becker bei seinem ersten Auslandseinsatz eine „zusammengewürfelte Gruppe“ aus dem gesamten Kreis. „Wir waren in der Nähe von Lalas auf dem Gelände einer ehemalige Schule stationiert“, erklärt er. Dort hieß es für die Dieburger Feuerwehrleute dann: Waldstücke durchkämmen, Glutnester aufspüren und löschen, was das Zeug hält. Laut dem Dieburger Zugführer lag das Hauptaugenmerk bei den Einsätzen darauf, die umliegenden Ortschaften vor den Flammen zu schützen. „An zwei Tagen sind wir von Lalas aus zu Einsätzen nach Olympia gefahren“, sagt Becker. „Dort haben wir mehrere Wachposten übernommen und von Bergen aus das gesamte Gebiet mit Ferngläsern überwacht.“ Doch auch zu Fuß und mit speziellen Einsatzfahrzeugen habe der Zug die Situation vor Ort kontrolliert. Das sei aufgrund des teils schwierigen Terrains jedoch nicht immer einfach gewesen. „Die Wälder sind dort viel dichter bewachsen als bei uns, was es für uns schwieriger gemacht hat. Auch die Platzierung der Fahrzeuge war aufgrund der Steigungen teils problematisch“, erklärt Becker.

Einsatzkräfte der Feuerwehr Dieburg in Griechenland: „Alles verbrannt“

Nicht zuletzt stellten auch die extremen Temperaturen (38 bis 40 Grad Celsius) eine große körperliche Belastung für die Einsatzkräfte dar. „Wir haben in vier Schichten gearbeitet und uns mit dem anderen Zug abgewechselt, damit sich die Leute erholen können“, sagt Becker und ergänzt: „Trotzdem war das eine enorme körperliche Belastung.“ Psychisch habe die Arbeit den Feuerwehrleuten ebenfalls einiges abverlangt. „Wir haben Familien kennengelernt, die ihr Haus verloren haben. Man fährt durch Gebiete, in denen alles noch ganz normal aussieht - dann plötzlich hinter einem Hang, sieht man, dass außer den Ortschaften wirklich alles verbrannt ist.“ Trotz der Widrigkeiten beschreibt Becker die Erfahrungen in Griechenlands Feuerhölle als „äußerst lehrreich“ und „wertvoll“ für seine weitere Arbeit als Feuerwehrmann in Dieburg.

Die verheerenden Brände in den betroffenen Teilen Griechenlands hinterließen auch nach den Löscharbeiten der Feuerwehren ein Bild der Zerstörung.

Nachdem die Europäische Union in Absprache mit Griechenland vor Kurzem den ursprünglich für zwei Wochen angesetzten Einsatz aufgrund der veränderten Wetterlage vorzeitig für beendet erklärt hatte, ging es für Bernd Becker und seine Dieburger Kollegen nach nur drei Tagen (Freitag bis Sonntag) am vergangenen Montag schon wieder zurück in die Heimat. Gelohnt habe sich der weite Weg, quer durch Europa, trotzdem: „Alleine dafür, dass wir vor Ort helfen konnten, war es das schon Wert – wir haben gute Dienste geleistet“, erklärt Becker, der zusammen mit seiner Tochter Leonie am gestrigen Abend mit dem Reisebus an der Dieburger Wache ankam.

Feuerwehr Dieburg: Griechenlandeinsatz kam nicht zu spät

Bleibt trotzdem die Frage: Kam der Hilfseinsatz der hessischen Feuerwehrleute, der auf Anweisung des Landes in Bewegung gebracht wurde, vielleicht zu spät? Bernd Becker hat darauf eine klare Antwort: „Hinter einer solchen Aktion steckt ein riesiger logistischer Aufwand. Und dann benötigen auch die Einsatzkräfte eine gewisse Vorlaufzeit – denn neben der Organisation müssen auch bürokratische Schritte erledigt werden.“

Hierzulande will sich die Dieburger Feuerwehr ebenfalls im Katastrophenschutz engagieren und entsandte bereits am vergangenen Wochenende Einsatzkräfte in den vom Hochwasser gebeutelten Ort Dernau an der Ahr. Dort soll fortan langfristige Hilfe geleistet werden. (Jan Lucas Frenger)

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