Christdemokraten ziehen sich zurück

Entscheidung kurz nach Bürgermeisterwahl

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Renée Exner

Dieburg - „Meine Entscheidung ist die Konsequenz aus dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl sowie den persönlichen Belastungen, die die vergangenen Jahre als Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender sowie als Spitzenkandidat für die Bürgermeisterwahl mit sich gebracht haben. Von Stefan Scharkopf

“  So begründet Renée Exner in einem Schreiben an die Presse seinen Entschluss, sein Amt als Stadtverbandsvorsitzender der CDU Dieburg zur Verfügung zu stellen (DA vom Donnerstag). Die Entscheidung sei bereits kurz nach der Bürgermeisterwahl gefallen.

Bei einer Versammlung der CDU in der Römerhalle am 27. April mit rund 60 Teilnehmern, gab Exner seine Entscheidung bekannt. Für ihn ein normaler Vorgang: „Dass nach Wahlen generell Mitgliederversammlungen abgehalten werden, ist üblich. Insofern war dieses Treffen nicht allein den Rücktrittserklärungen geschuldet, sondern Teil der allgemeinen Parteiarbeit.“ Sein Entschluss, nicht mehr als Stadtverbands-Chef zur Verfügung zu stehen, sei von den Anwesenden mit Bedauern aufgefasst, aber auch als nachvollziehbar bezeichnet worden.

Ebenso ihre Ämter aufgeben werde die stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtverbands, Wolfgang Schupp und Frederik Schikora, sowie die Vorstandsmitglieder Marc Hiltrop und Dominik Preußner. Das Quintett hat sich bereiterklärt, zunächst kommissarisch weiterzumachen. Für den 16. Mai ist eine Vorstandssitzung anberaumt, auf der ein Termin für die Neuwahlen bestimmt werden soll.

Exner hatte den Stadtverbandsvorsitz 2015 auf Wunsch des damaligen, aus persönlichen Gründen ausgeschiedenen Verbandsvorsitzenden Torsten Winkler übernommen.

In Zukunft will sich Exner wieder verstärkt seinen Physiotherapiepraxen, den Mitarbeitern, seinen Aufgaben als Therapeut und nicht zuletzt der Familie widmen.

Den Fraktionsvorsitz will Exner jedoch beibehalten: „Dies bin ich meiner Partei – die sich genauso wenig in einer Krise befindet wie nach den Bürgermeisterwahlen 2005 und 2011 – und meinen Wählern schuldig. Für mich war das politische Engagement nie nur ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum Bürgermeister, im Gegenteil: Die Kandidatur war Konsequenz aus meinem politischen Wirken. Bestärkt darin wurde ich, als ich bei der Kommunalwahl die meisten personenbezogenen Stimmen erhielt.“

Diesen „klaren Auftrag aus der Bevölkerung“ gelte es zu erfüllen, auch wenn das Scheitern bei der Bürgermeisterwahl enttäuschend für ihn gewesen sei: „Aber hinzuwerfen, nur weil es mal nicht so läuft wie erhofft, war noch nie meine Art. Zudem haben mich nicht nur die Mitglieder meiner Partei bestärkt, den Fraktionsvorsitz weiterhin auszuüben. Auch parteiübergreifend war ich darauf angesprochen worden. Dieses aus verschiedenen Richtungen in mich gesetzte Vertrauen möchte ich nicht enttäuschen, deswegen bleibe ich Fraktionsvorsitzender.“

Ziel sei es nun, wie bisher Politik im Sinne der Stadt und seiner Bewohner zu betreiben. Dabei werde die CDU – wie alle anderen Parteien auch – konstruktiv mit dem neuen Bürgermeister zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen und Konzepte erarbeiten, Dieburg weiter voranbringen zu können. „Frank Haus hat sich bewusst entschieden, ohne Partei zu agieren und somit auf wechselnde Mehrheiten gesetzt. Für die Dieburger Parteien heißt das, ungeachtet von persönlichen Abneigungen oder Vorlieben den Wunsch der Wähler zu respektieren, Probleme anzupacken und über Parteigrenzen hinweg nachhaltige Entwicklungen auf den Weg zu bringen“, so Exner. Als Fraktionsvorsitzender der CDU könne er dies für seine Partei garantieren. Bei Differenzen müssten Lösungen gefunden werden.

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