Erle und Ahorn sind gefragt

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Rund 80 wetterfeste Bürger lauschten den Ausführungen von Revierförster Peter Sturm.

Dieburg ‐ Rund 80 unerschrockene Bürger trotzten am Samstagmorgen beim Waldrundgang der Stadt Dieburg Wind und Regen. Revierförster Peter Sturm erläuterte an sieben Stationen im „Dieburger Markwald“ nördlich der Bahnlinie wichtige Punkte der Forstwirtschaft, wobei in diesem Jahr der Schwerpunkt auf den Folgen des globalen Klimawandels lag. Von Matthias Grimm

Die Durchschnittstemperatur steige in den nächsten 40 Jahren um zwei Grad, eine Erwärmung, die normalerweise Jahrtausende dauere. Ziel sei es deshalb, so Sturm, „den Wald fit zu machen für den Klimawandel.“

An mehreren Stellen zeigte Sturm Flächen, die nach dem Sturm Wiebke 1992 wieder aufgeforstet worden sind. Damals hielten vorwiegend Fichtenbestände dem Wind nicht stand, auf den Windwurfflächen wurden vorwiegend Laubhölzer wie Ahorn, Kirsche, Esche oder Erlen gepflanzt. Für derlei „Edellaubhölzer“ besteht immer eine hohe Nachfrage, sodass diese ökologisch ausgerichtete Strategie auch von wirtschaftlichem Nutzen ist. Sturm: „Nur ein ökologisch bewirtschafteter Wald kann auch wirtschaftlich betrieben werden“. Die Forstwirtschaft sei heutzutage „multifunktional“ und müsse die Aspekte „Erholung, Natur und Wirtschaft“ gleichermaßen berücksichtigen.

Duftzäune sollen Ausfall durch Wildverbiss regulieren

Anhand eines im Herbst 2007 gepflanzten Bestandes erläuterte Sturm, dass Eichenkulturen ohne Zaunschutz gegen Rehwildverbiss zurzeit nicht möglich sind.

Schon 2008 war durch Trockenheit und Wildverbiss ein Ausfall von 45 Prozent zu beklagen, zwei Jahre und eine Nachpflanzung später waren nochmals 44 Prozent der Jungbäume ausgefallen. Diese Kultur kann nun nicht nachträglich eingezäunt werden, der Förster versucht jetzt in Zusammenarbeit mit dem Jagdpächter das Problem mithilfe eines Duftzaunes und mit Verbissschutzmitteln einzudämmen.

Holzabbau beschert der Stadt satte Gewinne

Die Holzpreise sind derzeit stabil, sind zuletzt sogar um zehn Prozent gestiegen. In Dieburg wurden 4 000 Festmeter Holz eingeschlagen, wobei stets mehr Holz nachwächst als geerntet wird. Der Stadtwald beschert der Stadt Dieburg für das laufende Jahr einen satten Gewinn von 40 000 Euro, für 2011 rechnet Peter Sturm mit einem Plus von 20 000 Euro.

Mitte der 90er Jahre wurden im Stadtwald zur Förderung der seltenen Gelbbauchunken und Laubfrösche 20 Tümpel und Teiche angelegt, die mittlerweile teilweise zugewachsen, verschlammt und verlandet sind. Im Rahmen des Naturschutzprojektes „Messeler Hügelland“ werden diese Biotope nun von Baumwuchs befreit, ausgebaggert und neue Flachuferbereiche angelegt. Hierzu stellt die Naturschutzbehörde 8 000 Euro bereit. Einen Landeszuschuss von 5 000 Euro erhielt die Stadt für die Instandsetzung der Pflanzgartenschneise, die insgesamt 9 300 Euro gekostet hat. Ziel ist es, in diesem Bereich die Holzabfuhr für die Brennholzselbstwerbung und eine bessere Erschließung zu Erholungszwecken zu erreichen.

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