Erstes Dieburger Tanzdreieck kommt super an

„Fast krasser als bei Musiknacht“

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Die Band Watertight spielte im M22. Dort gab es ein Wiedersehen mit verschiedenen Bandmitgliedern, die noch aus Zeiten von Bee Flat in Erinnerung sind.

Dieburg - Das erste Dieburger Tanzdreieck zog am Sonntagabend die Massen an. Mit Rock ging´s in den 1. Mai. Von Michael Just

„Entschuldigung“, ruft Svenja und versucht, ihr voll beladenes Getränketablett mit ausgestrecktem Arm gegen Rempler zu schützen. Besonders schwierig wird es für die junge Bedienung immer dann, wenn ihr die Leute den Rücken zugewandt haben. Am Sonntagabend ist im M22 fast kein Durchkommen, so eng stehen die Leute. „Chaos“, stöhnt Svenja und bewegt sich mit lediglich kleinem Raumgewinn vorwärts. Im Hof von Getränke Braunwarth und der Petermann-Stube das gleiche Bild: Auch hier ist Platz absolute Mangelware. Der guten Laune tut das keinen Abbruch: Zur Musik wird mitgesungen und mitgetanzt, dazu mit den Freunden im Schlepptau oder den Bekannten, die man unterwegs trifft, geplauscht.

Das erste Dieburger Tanzdreieck zog am Sonntagabend die Massen an. Im Vorfeld dieser Premiere hatten sich die Inhaber der drei Lokationen – Svenja Fink, Jasmin Sauerwein, und Dennis Braunwarth – zusammengetan und ein Event zum Tanz in den Mai kreiert. Alle drei wollten sich damit gegen das regelmäßig aufkommende Vorurteil wehren, dass im „Städtche“ nichts los ist. Der Name Tanzdreieck kam dadurch zustande, dass alle Angebote nur wenige Fußmeter auseinanderliegen und sich per Luftlinie zum Dreieck verbinden lassen. An zwei Orten traten Live-Bands auf, beim Petermann, der sonst vor allem für die Öffnung seiner Tore zur Äla-Zeit bekannt ist, legte ein DJ auf. Wer wollte, konnte die Runde laufen. Überall herrschte freier Eintritt.

Schon am Eingang zur Fußgängerzone ließ sich aus dem Braunwarth-Gehöft hören, dass hier Rock-Klassiker mit gutem Sound von der Bühne kommen. Mit von der Partie war auch eine ältere Gruppe aus Groß-Zimmern. „80 Prozent Zimmner hier, 20 Prozent Dibbojer“, lautete die etwas überzogene, aber mit viel Humor verpackte, Einschätzung von Reiner Hirsch. Mit seiner Frau und einer Gruppe von rund einem halben Dutzend Personen war er über die Brücke gekommen. Plötzlich begann er von 1 bis 15 zu zählen. „Soviel Zimmner stehen auf drei Quadratmetern. Wir bringen die Party!“, verbreitete er zwar nicht ganz glaubhaft, dafür aber mit umso mehr Lokalpatriotismus. Etwas kleinlauter wurde der 57-Jährige bei der Frage, ob heute Abend in Zimmern, manchmal gerne als „Klein-Paris“ bezeichnet, nichts los ist. „Da ist auch was. Wir wollen aber den Nachbarn helfen, dass das erste Tanzdreieck klappt und nächstes Jahr wieder stattfinden kann“, sagte er keck. Wenn sich die Dieburger müde abgelegt hätten, würde man im Zimmner Dorfbrunnen noch einen Absacker trinken. Wie Hirsch anhand von Resonanz und Ausdauer in der Gersprenzstadt bald merkte, wollten die lieber feiern und Spaß haben, anstatt beizeiten ins Bett zu gehen.

Damit das klappte, musste Dennis Braunwarth in den letzten Tagen improvisieren. Die eigentlich gebuchte Band, K-Maniac, sagte ihm aufgrund des Unfalls eines Band-Mitglieds ab. Braunwarth bat danach den bekannten Dieburger Musiker Heiko Elger um Hilfe, welcher den kurzfristigen Auftritt der Gruppe S.A.L. einfädelte. Der Abend war daraufhin nicht nur gerettet, sondern kam bestens an. „Wir werden wohl nicht wechseln und bleiben den ganzen Abend hier“, sagte eine junge Frau begeistert über das Open-Air-Feeling, das bei nicht warmen, aber doch milden Temperaturen aufkam.

Gute Stimmung durchzog das erste Tanzdreieck in allen drei teilnehmenden Lokationen.

Egal wen man am Sonntagabend fragte, die Antworten über das erste Dieburger Tanzdreieck fielen durchweg positiv aus. Kritisiert wurde lediglich, dass die Happy-Hour fast ausschließlich Rabatt beim Kauf größerer Mengen bot. Davon profitierten allenfalls Gruppen. Ansonsten war das Fazit voll des Lobes: „Eine Super-Idee. Es wäre wünschenswert, dass sich noch mehr Bars beteiligen“, sagten Silke Spahn (50) und Joachim Ott (50) mit Blick auf die riesige Zahl an Feierwilligen, die die drei Lokationen in dieser Menge kaum aufnehmen konnten. Nicht nur einmal kam der Wunsch nach einem „Fünf- oder Sechseck“ auf. So verlagerten sich immer wieder kleine Stehpartys vor die Eingänge.

„Der Ansturm ist fast noch krasser als bei der Musiknacht. Voll unerwartet, sozusagen sensationell“, resümierte Jasmin Sauerwein vom M22, wo die Gruppe Watertight die Bude rockte. Hier wartete ein Wiedersehen mit verschiedenen Bandmitgliedern, die noch aus Zeiten von Bee Flat in bester Erinnerung sind. Sauerweins Vergleich mit der Musiknacht (hier traten im letzten Herbst in zehn Lokationen 14 Bands und DJ‘s auf) passte, denn das erste Dieburger Tanzdreieck kam als kleine Musiknacht daher. In beiden Fällen passte der Erfolg und die Akzeptanz beim Publikum. So dürfte es auch 2018 ein Tanzdreieck – oder ein anderes „Mehreck“ – geben. Das bestätigte indirekt Jasmin Sauerwein: „Es besteht eindeutig Wiederholungsgefahr.“

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