„Eulenspiegel“ Vogl krönt die Sitzung

Dieburg ‐ Wo wohl wird Angela Merkel zukünftig ihre Kleidung einkaufen – nun, da Quelle pleite ist? Diese und viele weitere Fragen, die sich so mancher sicher noch nie gestellt hatte, beantwortete Pfarrer Alexander Vogl bei der Sitzung zur diesjährigen Pfarrfastnacht am Freitagabend in der Halle des ASV Dieburg. Von Jens Dörr

Besser gesagt: Schelm Alexander Vogl, denn seine Berufskleidung tauschte er für seinen halbstündigen Auftritt gegen die von Till Eulenspiegel ein. Eben diesen Spiegel hielt er vor allem der Politik vor – und landete als letzter Programmpunkt der mehr als vierstündigen Sitzung damit zweifellos den Höhepunkt des Abends.

Was sind denn das für hektische Zeiten, man soll doch eigentlich Stress vermeiden“, leitete Vogl seine formidabel gereimte Rede ein. Einerseits sehne er sich zurück nach den Zeiten, in denen die Leute noch den Ratschlag des Pfarrers angenommen hätten – bis hin zur Frage, wem in der Wahlkabine denn nun das Kreuzchen gebühre. Andererseits sparte er auch nicht am Blick auf das aktuelle Weltgeschehen, beschäftigte sich gar mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, den er einen „Testosteron-Bomber im Handtaschen-Format“ nannte.

„Meister-Arena“ ausverkauft

Doch nicht nur Vogl unterhielt die mehr als 200 Personen in der ausverkauften „Meister-Arena“, wie ASV-Chef Hubert Hiemenz die Halle angesichts des Ringer-Aufstiegs augenzwinkernd nannte, bestens. Den schwungvollen Auftakt gestaltete der Fanfarenzug Dieburg und brachte sogleich Stimmung ins Haus. Die ließen sich die Gäste auch nicht durch kleine akustische Anlaufschwierigkeiten nehmen – und zum Auftakt-Schlager „Fliegerlied“ flog tatsächlich auch gleich mal das erste Glas zu Boden inmitten der munteren Runde.

Während junge Teufelchen bedienten, führten drei Engelchen durch das Programm: Rosemarie Müllens und Christiane Bubach taten dies ebenso gut gelaunt wie Claudia Schöning, die Gemeindereferentin der Pfarrgruppe Dieburg.

Namensvorschlag „St. Peter und der Wolf“ wurde abgelehnt

Die Fusion der Pfarreien St. Wolfgang und St. Peter und Paul tauchte sogleich auch im Protokoll von Harald Schöning auf, der als Sensenmann daherkam. „St. Peter und der Wolf“ sei als Kompromiss bei der Namensfindung abgelehnt worden, witzelte Schöning – entsprechend bleibe es bei der Entscheidung für „St. Peter und Paul“.

Als jüngste Rednerin des Abends unterhielt Bea Blank die Zuschauer und machte das mit ihrem Bericht über peinliche Eltern ausgezeichnet. Bei Josef „Seppel“ Hach ging’s musikalisch „um die Worscht“, was die Zuschauer zu heftigem Applaus animierte. Bei den musikalischen Darbietungen unterstützten stets Werner Utmelleki und Walter Blank (am Klavier).

Drei Engelchen als Sitzungspräsidentinnen

Barbara Dirbs Vortrag erheiterte die Gäste kurz und knapp – drei Minuten reichten ihr aus. Die Dieburger Pfarrfastnacht ähnelt der des KVD, ist in manchen Punkten aber dennoch anders. Von der Größenordnung und der Zahl der Aktiven einmal abgesehen, spart man sich bei der Pfarrfastnacht allzu derbe Zoten – und begrüßt anstatt der Promis und Sponsoren lieber „alle ehrenamtlich Tätigen“, wie es die drei Engelchen als „Sitzungspräsidentinnen“ und ohne Elferrat taten.

Einen Höhepunkt im zweiten Abschnitt bot Philipp Hiemenz’ gelungener Vortrag, bei dem ihn Klaus Mann gestenreich unterstützte. Margot Schwarz hatte sich auf eine „falsche Wallfahrt“ begeben, Maria Bauer und Claudia Schöning spielten zwei Sekretärinnen. Klaus Hiemenz wiederum traf als Israel-Reisender und des Englischen Mächtigen auf „Fremdenführer Mister Wisse“, Willi Kern bot eine kurze Gesangs-Einlage.

Pfarrer Vogl sorgte für krönenden Abschluss

Karin Schulmayer präsentierte sich als „Amalie, die Sitzegebliwwene“, deren Suche nach einem „richtigen Mann“ bisher nicht von Erfolg gekrönt wurde.

Mit Pfarrer Alexander Vogls überaus starkem Vortrag endete der offizielle Teil des gelungenen Abends. Die Zugabe – das zumindest kündigte Vogl an – gebe es bei den Gottesdiensten in der Kirche.

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