Schadensursache klar, Sanierungsaufwand noch nicht

Gutenbergschule: Eventuell muss Estrich raus

Dieburg - Schnell und mit unfassender Information haben Schulleitung und Kreisverwaltung auf die Wasserschäden in der neuen Gutenbergschule reagiert.

In einer Elternversammlung wurden nicht nur Details zur Schadensursache mitgeteilt, sondern auch andere Kritikpunkte am Neubau erörtert. Erstmals wurde eine genaue Analyse der Schadensursache geliefert. So wie es Holger Gehbauer, technischer Betriebsleiter des fürs Schulbauprogramm zuständigen DaDi-Werks, darstellte, hat es ein einzelner Bauhandwerker bewerkstelligt, die Voraussetzungen für einen möglicherweise in die Millionen gehenden Schaden zu schaffen.

Versierte „Häuslebauer“ wissen: Metallene Rohre und Zement sollen nicht in Berührung kommen, da letzterer erstere so stark angreift, dass diese sich tendenziell auflösen. Die Gutenbergschule hat zwar nach Passivhausstandard eine in die Lüftung integrierte Heizung, zum frühmorgendlichen Aufheizen aber auch noch ein konventionelles Heizungssystem. Die Rohre sind unterm Estrich verlegt.

Nun kommt ein Bodenleger ins Spiel. Der bringt auf den Estrich eine dünne Schicht Ausgleichsmasse auf, bevor er den Boden verlegt. Es handelt sich um einen Spezialbeton, der mit chemischen Substanzen durchsetzt ist - die alles noch schlimmer machen, wenn passiert, was im Neubau passiert ist: Die Heizungsrohre erhalten temporäre Dichtungen an den Eintrittsstellen in den Estrichboden, die normalerweise erst entfernt werden, wenn die Ausgleichsmasse gehärtet ist. Hier aber sind Dichtungen vorab entfernt worden, wodurch die Ausgleichsmasse bis zu eineinhalb Meter an den Rohren entlang geflossen ist und sie umhüllt hat. Folge: Nach weniger als zwei Jahren ist ein Teil dieser Stahlrohre durchgerostet, der Estrich durchnässt. Es hat aber den Anschein, dass nicht alle Bereiche der Schule betroffen sind. Andere Handwerker haben sachgemäß gearbeitet. Wie die betroffenen Bereiche zu sanieren sind, ist nach einer Untersuchung mit Elektronenstrahltechnik noch offen. Auf jeden Fall muss das Rohrsystem der Heizung erneuert werden, ließe sich aber grundsätzlich auch „auf Putz“ verlegen.

Durch Trocknungsmaßnahmen zu retten?

Entscheidend ist die Frage, ob der durchnässte Estrich durch Trocknungsmaßnahmen zu retten ist oder raus muss. Gehbauer hat vergangene Woche eine erste Prognose hin zum Schlimmeren abgegeben und dies mit dem Hinweis auf Dreck, Krach und Kosten verbunden. Mit neuem Estrich wird die Sanierung auf jeden Fall bis zum Beginn des neuen Schuljahres dauern und einen siebenstelligen Betrag erfordern. Die Versicherung des Kreises habe bereits eine Kostenübernahme zugesagt. Wer letztlich haftet, steht am Ende eines Beweissicherungsverfahrens, das Teil der aktuellen Arbeiten im Gebäude ist.

Der oberste Schulbaumeister des Landkreises, bei der Elternversammlung auf dem Podium flankiert von Schulleiterin Silke Werner-Lehr und Kreisdezernent Christel Fleischmann, kündigte an, dass im Zuge der Sanierungsmaßnahmen auch andere offensichtliche Mängel des Neubaus angegangen werden: die Akustik. Dass zur Verbesserung Deckenplatten ins Auge gefasst sind, gefiel nicht allen Eltern. Es kamen zudem Klagen über eine viel zu trockene Raumluft, über spröde Hände und rissige Lippen, „die heilen, seit wir in den Altbau umgezogen sind“, so eine Lehrerin. Gehbauer hatte dafür keine technische Erklärung, sondern wunderte sich, weil die Luftfeuchtigkeit in den Räumen eher höher sei als in der Außenluft.

sr

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

Kommentare