Orthopädische Gemeinschaftspraxis

Facharzt-Standort gestärkt

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Machen ab Juli dieses Jahres gemeinsame Sache im Ärztehaus am „Gottwald-Kreisel“: Gerald Grohe, Zugang Ingo Saliger und Michael Hartmann (von links).

Dieburg - Für Facharztpraxen ist Dieburg weiterhin ein attraktiver Standort. Zwar hat eine orthopädische Praxis ihre Schließung angekündigt, dafür wird eine andere bald deutlich erweitert. Von Jens Dörr 

Zuletzt waren die Nachrichten zur medizinischen Versorgung in Dieburg eher negativer Natur. Das Zentrum für Orthopädie und Chirurgie der Ärzte Thomas Basting, Ingo Saliger und Frank-Michael Pelka in der Steinstraße schließt Ende Juni, auch das benachbarte OP-Zentrum im ehemaligen Krankenhaus St. Rochus steht dann vor dem Aus (wir berichteten). Nun gibt es erfreulichere Neuigkeiten: Die Orthopädische Gemeinschaftspraxis Dieburg der Mediziner Gerald Grohe und Michael Hartmann im Ärztehaus am „Gottwald-Kreisel“ erweitert sich im Sommer.

Dann wird Ingo Saliger als gleichberechtigter Gesellschafter neben Grohe und Hartmann in die Praxis einsteigen. „Ich kenne Ingo Saliger seit Jahren“, sagt Grohe. „Er ist zwar ein klassischer Unfallchirurg, hat aber auch ein großes orthopädisches operatives Spektrum. Entsprechend haben wir eine große Schnittmenge in unseren Arbeitsbereichen.“ Damit passe er gut zu den weiter im gewohnten Ausmaß praktizierenden Ärzten der Gemeinschaftspraxis. Grohe ist Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie, Chirotherapie (Behandlung von Funktionsstörungen besonders der Wirbelsäule), Schmerztherapeut, Sport- und Notfallmediziner und besitzt zudem weitere fachliche Qualifikationen.

Auch Hartmann ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Schmerztherapeut sowie Sportmediziner, überdies Diplom-Sportlehrer. Mit einer derzeit zehnköpfigen Belegschaft praktiziert das Duo in Dieburg. Seine Operationen führte es bis vor einiger Zeit im Rochus-Krankenhaus durch. Inzwischen operieren Grohe und Hartmann im Darmstädter Marienhospital. Das Klinikum Darmstadt hatte dieses Spital im Paket mit dem St. Rochus vom Bistum Mainz fast vollständig übernommen.

Saliger praktiziert derweil noch bis Ende Juni mit Basting und Pelka im Ärztehaus in der Steinstraße, operiert ebenfalls seit geraumer Zeit im Marienhospital.

Ab dem 1. Juli ergänzt nicht nur er das Team um Grohe und Hartmann: „Wir werden auch zwei bis drei weitere medizinische Fachangestellte brauchen“, blickt Grohe voraus. Hier dürfte es zur Übernahme von Fachkräften kommen, die derzeit noch der Praxis von Basting & Co. angehören. Grohe dementiert zudem Gerüchte, dass sein Kollege Hartmann im gleichen Zug ausscheide: „Er macht in vollem Umfang weiter.“

Da die Entwicklung rund um das Rochus-Krankenhaus und seine angeschlossenen Gebäude wie das Ärztehaus an der Steinstraße „absehbar“ gewesen seien, habe man sich mit Saliger „schon länger im Gespräch“ befunden. Nun setzte man den Plan in die Tat um, den Facharzt trotz des Endes am alten Standort in Dieburg zu halten. Womit höchstwahrscheinlich noch nicht Ende der Erweiterung sein werde, wie Grohe ankündigt: „Zum 1.1.2019 wird aller Voraussicht nach ein vierter Mann mit ausgezeichneter und exzellenter konservativer und operativer Expertise in der Behandlung muskuloskelettaler Erkrankungen unser Team verstärken und komplettieren.“ Allerdings wolle er zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Namen nennen.

Zu den Veränderungen am St.-Rochus-Krankenhaus nimmt Grohe ebenfalls Stellung: „Natürlich trauern auch wir dem St. Rochus nach. Gerade ich verbinde mit ihm zahlreiche berufliche und auch private, teils sehr emotionale und tiefe persönliche Erfahrungen – nicht zuletzt meine Geburt. Das Ende des St. Rochus ist aber überwiegend keine Fehlleistung der Lokalpolitik. Kein Bürgermeister und kein Landrat hätte die Schließung wohl wirklich verhindern können.“ Vielmehr sei es „Ausdruck einer insuffizienten und fehlgesteuerten Politik auf Landes- und Bundesebene und einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung. Medizin ist kein Industriezweig und darf nicht nur kaufmännisch und wirtschaftlich gesehen werden. Der Gewinn einer guten Gesundheitsversorgung für die Menschen dieses Landes lässt sich nicht durch Shareholder Value oder gute Bilanzen allein messen.“ Dies sei schließlich auch bei Feuerwehr, Polizei oder einem Kindergarten nicht möglich, ruft Gerald Grohe in Erinnerung.

„Der Mehrwert liegt auf einer anderen Ebene. Das St. Rochus gewährte und sicherte unserer Stadt und dem Ostkreis über lange Jahre diesen Mehrwert. Dafür sind wir außerordentlich dankbar, sollten aber jetzt nach vorne blicken und müssen zukunftsfähige Lösungen entwickeln.“

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