Rückgang eingelieferter Patienten im St. Rochus

Fährt Rettungsdienst vorbei?

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Chirurg Dr. Thomas Basting stellt Rückgang eingelieferter Patienten am St. Rochus Krankenhaus fest.

Dieburg - Ihm macht in Sachen Chirurgie am Dieburger Krankenhaus St. Rochus so schnell keiner etwas vor: „Ich bin hier der Dino“, sagt Dr. med. Thomas Basting. Von Jens Dörr

In seiner Gemeinschaftspraxis ist der Chirurg, Unfallchirurg und Sportmediziner schon seit 22 Jahren tätig, länger als die meisten anderen Mediziner im Haus. „Obwohl wir hier in Dieburg als Ärzte generell eine lange Verweildauer haben, was für das St. Rochus spricht. “. Doch seit dem vergangenen Jahr – und nochmals verschärft seit Mai dieses Jahres – wundert sich selbst der derart erfahrene Arzt, der auch für seine Kollegen der Chirurgie spricht: Der Rettungsdienst liefert kaum noch Patienten mit Knochenbrüchen an – zum Unverständnis der Dieburger Mediziner.

„Es ist merkwürdig, dass – besonders deutlich zu spüren in den letzten Monaten – die Rettungsdienste Dieburg deutlich weniger anfahren“, sagt Basting mit Blick auf den Bereich, der im Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt von den Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst und Arbeiter-Samariter-Bund und von den Notärzten des Darmstädter Klinikums sowie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg beackert wird. Basting stellt seinen Ausführungen voran: „Das Personal der Rettungswagen hier im Kreis ist fantastisch. Ihm kann man keine Schuld geben.“ Schuld woran? Konkret an wesentlich weniger vom Rettungsdienst nach Dieburg gebrachten Patienten. „Ich will es an einem Beispiel deutlich machen“, sagt Basting: So habe man bis zum vergangenen Jahr etwa einen Patienten pro Woche gebracht bekommen, der sich den Oberschenkelhals gebrochen hat.

Starker Rückgang der Rettungsdienst-Patienten

Das habe sich statistisch nachweisbar für Dieburg quantitativ bei diesem Wert eingependelt. Im gesamten Jahr 2013 aber sei bisher kein einziger Patient mit dieser Verletzung gebracht worden. Auch bei anderen in Dieburg einst üblichen Frakturen (Basting: „Den schwer verunglückten Motorradfahrer haben wir hier sowieso nicht“) seien starke Rückgänge zu spüren. „Das betrifft allerdings nur die Patienten, die die Rettungsdienste bringen. Jene, die selbst zu uns in die Praxis kommen, sind heute in gleicher Anzahl wie früher da.“ Basting sei vor diesem Hintergrund „verwundert“. Die medizinische Versorgung bei derlei vom Chirurgen zu behandelnden Leiden sei jedenfalls nach wie vor sichergestellt und in Dieburg sehr gut. Das Belegarztsystem garantiere, dass Patienten – ob privat oder gesetzlich versichert – in der Regel vom selben Facharzt begutachtet, operiert und auch bei der Nachsorge im Krankenhaus-zimmer nebenan behandelt würden. „Wir stehen als Ärzte hinter dem Haus. Ich verwahre mich gegen jede Aussage, die ärztliche Versorgung sei in Dieburg nicht gewährleistet. Dennoch fährt der Rettungsdienst operationspflichtige Patienten am Haus vorbei.“

Das und die verschärfte Situation seit Mai – so mutmaßt in Dieburg bei Weitem nicht nur Basting – hänge wohl auch mit der Überlastungsanzeige eines Rochus-Arztes im Mai dieses Jahres zusammen, die an die Öffentlichkeit gelangte. Nahezu alle anderen Rochus-Ärzte beteiligten sich daraufhin an einer Gegendarstellung (der DA berichtete). Dennoch waren danach akute Änderungen unübersehbar. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdiensts für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg, Dr. med. Jens Büttner, schließt unterdessen eine Steuerung der Vorgänge von oben aus: „Es gibt keine Anweisung, dass bestimmte Krankenhäuser nicht angefahren werden. So etwas werde ich den Rettungsdiensten auch nicht vorgeben - sie sollen selbstständig entscheiden.“ Er könne derweil „natürlich nicht in den Kopf jedes einzelnen Rettungsdienst-Mitarbeiters hineinschauen“, ergänzt Büttner.

Der Römerman 2013 in Dieburg

Zweiter Römerman in Dieburg

Entscheidend für die Anlieferung sei in seinen Augen vielmehr das Zuweisungssystem IVENA, nach dem Krankenhäuser mitteilen, welches Krankheitsbild sie in welchem Maße und zu welcher Uhrzeit aufnehmen können. Das ändere sich stetig und werde aktualisiert. Im Landkreis sei IVENA bereits seit einigen Monaten eingeführt, werde in Hessen ab Januar 2014 auch verpflichtend. Büttner ist es zudem wichtig zu sagen: „Der Patient entscheidet mit, wohin er gefahren wird.“ Daneben spielten aber Transportdringlichkeit und Transportweg – neben der Frage, ob ein Haus derzeit aufnehmen könnte – die entscheidende Rolle. In Dieburg werde zusätzlich zu IVENA vor jeder Neuankunft eines Patienten mit dem Rochus-Krankenhaus telefonisch Rücksprache gehalten, so Büttner. Für Thomas Basting ist der Wunsch klar: „Wir wollen nur, dass alles wieder wie früher sauber geregelt ist.“ Inwiefern die Rettungsdienste künftig wieder im einstigen Maß nach Dieburg fahren, wird die nahe Zukunft zeigen.

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