Fahne überlebt auf Dachboden des Schlosses

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Die Sängerinnen und Sänger der freien Sängervereinigung mit Chorleiter Frank Manus bei der Probe.

Dieburg ‐   Voller Inbrunst erklingen die Stimmen, die Klänge des Klaviers erfüllen den Raum. Leicht beginnen die Damen mit der Melodie, etwas tiefer fallen die Männer in den Gesang ein, bis sich die Stimmen im gemeinsamen Refrain finden. Chorleiter Frank Manus zeigt sich zufrieden. „Das war schon sehr gut, wir versuchen es aber gleich noch einmal“, lobt er den gemischten Chor, der sich auf den Konzertabend anlässlich des 90-jährigen Vereinsjubiläums vorbereitet. Von Verena Scholze

Am 22. Mai 1920 gründeten 22 aktive Sänger den Verein, der bis Ende des Jahres bereits auf 92 Mitglieder angewachsen war. Bis zum Jahre 1933 hatte die Freie Sängervereinigung auch weiterhin ein stetiges Wachstum zu verzeichnen. „Da das damalige Regime sich neben dem Inventar auch das Liedergut des Vereins aneignen wollte, kam man dieser Maßnahme zuvor, und so wurde der Verein am 16. Mai 1933 aufgelöst“, berichtet die Vorsitzende Susanne Krimm aus der Vereinschronik.

Ein Relikt aus dieser Zeit ist die originale Vereinsfahne, die damals vor den Nazis versteckt werden konnte und bis heute im Besitz des Vereins ist. „Ein Mitglied hatte die Idee und versteckte die Fahne als Naziakte getarnt auf dem Dachboden des Schlosses Fechenbach, das der örtlichen Führung damals als Hauptquartier in Dieburg diente“, so Krimm.

Neugründung nach dem Krieg

1945 waren diese Zeiten vorbei: Am 12. Mai des Jahres gründete sich der Verein mit 36 Mitgliedern neu. „Damals betrug der monatliche Beitrag eine Mark für Männer und 50 Pfennig für Frauen und Kinder“, berichtet Krimm. Diese Vereinsbeiträge wurden seit damals nicht wesentlich angehoben. So zahlen die Erwachsenen heute einen monatlichen Beitrag von 2,50 Euro und Jugendliche die Hälfte.

Im Laufe der Jahre wurde der Verein zu einem festen Bestandteil der Dieburger Kultur und ist aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Neben dem Adventskonzert, das traditionell am zweiten Adventssonntag in der Gnadenkapelle stattfindet, pflegt die Freie Sängervereinigung ein geselliges Vereinsleben, das sich in Kappenabenden, Ausflügen und Familienabenden wiederspiegelt. „Nächstes Jahr ist bereits eine viertägige Tour an den Bodensee geplant“, freut sich Krimm.

Ansehnliche Erfolge dank treuer Dirigenten

Zu den musikalischen Erfolgen des Vereins trug auch die Dirigententreue der Sängervereinigung bei. Frank Manus, der jetzige Chorleiter, ist nach seinem Großvater Valentin und seinem Vater Christian der dritte Manus, der den Dieburger Chor auf seinem bisherigen Weg begleitet.

So konnte der Verein unter der Ära Manus ansehnliche Erfolge bei Liedertagen, Preis- und Wertungssingen, Chorkonzerten, Operetten- und Theaterabenden, Mitgestaltung von Aufführungen im Frankfurter Opernhaus, Rundfunksingen und Gottesdiensten erringen.

Verein sucht Unterstützung des Männerchors

1988 erreichten wir in Prag den dritten Platz bei einem internationalen Chorwettbewerb“, sagt Krimm und blickt voller Stolz auf diese schöne Erfahrung zurück.

Das musikalische Repertoire des Chores bietet ein breites Spektrum. Neben Gospel, spirituellem Gesang, Volks- und Weihnachtsliedern sowie geistlicher Chorliteratur stehen auch moderne Kompositionen auf dem Programm.

Heute zählt der Verein 175 Mitglieder, davon 56 aktive Sängerinnen und Sänger. „Bei uns werden neue Männer gesucht, die den Männerchor musikalisch unterstützen“, sagt Krimm lächelnd. Interessierte Sänger ab 14 Jahren können sich gerne dienstags einfach zum „Schnuppern“ zur Chorprobe im kleinen Raum der Ludwigshalle einfinden.

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