Sanierung der Dieburger Schlossgartenhalle gilt als unwirtschaftlich

Faktor 0,4 sorgt für den Neubau

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Die Schlossgartenhalle ist Dieburgs einzige Sporthalle mit einer Zuschauertribüne.

Dieburg - Die Dieburger Schlossgartenhalle ist in die Jahre gekommen. Eine Sanierung lohnt sich nicht mehr, daher wird es einen Neubau geben, den der Landkreis bezahlt – ein millionenschweres Vorhaben. Von Jens Dörr 

Insgesamt 45 Sporthallen betreibt der Landkreis Darmstadt-Dieburg, der sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in seiner Rolle als Schulträger gebaut und unterhalten hat. Neben den Schulen nutzen auch viele Vereine diese Hallen – oft mehr als ein schöner Nebeneffekt, sondern essenziell für die lokale Sportinfrastruktur. In den Jahren 2015 und 2016 untersuchte der Kreis all diese Hallen und ermittelte systematisch, wo der Sanierungsbedarf am größten ist. Unter den sechs Objekten, in die am umfassendsten investiert werden müsste, ist auch die Dieburger Schlossgartenhalle. Für den Kreis steht bereits fest: „In vier, fünf Jahren“ muss ein Ersatzneubau für die größte Sporthalle der Stadt her.

Diesen zeitlichen Horizont nennt Kreisdezernent Christel Fleischmann (Grüne), in dessen Aufgabenbereich auch und besonders die Schulen im Landkreis fallen, beim Vor-Ort-Termin mit unserer Zeitung. Zusammen mit Michael Lohn, Sachbearbeiter beim DA-DI-Werk und ebenfalls tief in der Materie drin, erläutert der Schuldezernent, wie der Kreis zum Entschluss für das millionenschwere Vorhaben gelangt ist. Zunächst einmal: Die Entscheidung, die Dieburger Schlossgartenhalle nicht umfassend zu sanieren, sondern neu zu bauen, hänge nicht mit der geplanten Quartiersumgestaltung rund um Goetheschule, Tennisplätze und eben Schlossgartenhalle zusammen.

Die Prüfung der Hallen im Kreis sei zu einem Zeitpunkt abgeschlossen worden, als an die Schulrochade in Dieburg noch nicht zu denken gewesen sei. In der Tat: Die Untersuchungen wurden bis 2016 vorgenommen; der Umzug der Alfred-Delp-Schule in die derzeitige Goetheschule und alle damit verbundenen Folgen (zusätzlicher Parkplatz-Bedarf im Quartier, dadurch Verlegung der Tennisplätze, eventuell auch neue Straßenanbindung des Schwimmbadwegs vom „Schwimmbad-Kreisel“ aus) wurde erst im Frühjahr 2017 Thema und gilt seit vergangenem Herbst – forciert besonders von Fleischmann – als ausgemachte Sache.

Die 32 Jahre alte Halle soll „in vier, fünf Jahren“ durch einen Neubau einige Meter weiter nördlich ersetzt werden.

Gleichwohl sagt der Dezernent auch, dass die Schlossgartenhalle an ihrem jetzigen Standort „bei der Schulrochade im Weg“ sei. Ihr Neubau soll einige Meter weiter nördlich – wo jetzt noch Tennisplätze des SV Blau-Gelb Dieburg sind – realisiert werden. „Der Neubau ergibt wirtschaftlich Sinn, wenn die Sanierungskosten für die alte Halle mindestens 80 Prozent der Kosten eines Neubaus betragen“, sagt Fleischmann. Um derlei zu ermitteln, arbeitet der Kreis mit einem Bewertungssystem für Gebäude, das mit Daten zur Halle und deren Zustand gefüttert wird. „Am Ende kommt dann ein Faktor raus“, so DA-DI-Werk-Mann Lohn. „Ab dem Faktor 0,4 gilt die Halle als nicht mehr wirtschaftlich sanierbar.“ Sechs der 45 Hallen im Kreis, darunter neben der Dieburger Schlossgartenhalle auch die Mehrzweckhalle in Eppertshausen, lägen über diesem „Eingriffstiefen-Wert“.

In der Schlossgartenhalle führe konkret absehbarer Sanierungsbedarf in den Bereichen Dach, Heizung und Elektroinstallationen, aber auch an der grundlegenden Bausubstanz (Betonskelett) und irgendwann wohl auch am Brandschutz zur Entscheidungsgrundlage, in den nächsten Jahren nur noch das Nötigste zur Instandhaltung zu investieren und darüber hinaus lieber neu zu bauen. „Hier wurde in den vergangenen 32 Jahren baulich nichts verändert“, blickt Fleischmann zurück. Die Schlossgartenhalle – heute noch mit einem Restbuchwert von 388.000 Euro – ging 1986 in Betrieb. Meist „nach 30 bis 40 Jahren“ stelle sich die Frage größerer Sanierungsmaßnahmen, schildert auch Lohn.

Die Schlossgartenhalle als Dreifeldhalle mit zusätzlichem Trainingsraum („Spiegelsaal“) und zugleich einziger Dieburger Sporthalle mit Zuschauertribüne soll so lange stehen bleiben, bis der Neubau fertig ist. Wie teuer der in wenigen Jahren werden könnte, wagt derzeit noch keiner vorherzusagen. Klar sei laut Fleischmann: Die neue Halle solle in der Größenordnung der bisherigen liegen und wieder in Drittel unterteilbar sein. Bezahlen würde den Bau komplett der Landkreis – mit Blick auf die Zuschauertribüne allerdings nur bis zu einer maximalen Kapazität von 199 Sitzplätzen. Die derzeitige Tribüne bietet mehr Plätze. Wünsche man in Dieburg einen größeren Zuschauerbereich, müsse sich die Stadt daran finanziell beteiligen, so Christel Fleischmann.

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