130 Familien in zwei Stunden

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Tafel-Vorsitzender Hartmut Luetz (rechts) erläutert Landrat Alfred Jakoubek (links) und Sparkassendirektor Manfred Neßler die Arbeitsweise der Dieburger Tafel.

Dieburg - Ein Auto mit Kühlaggregat kann Herzen wärmen. Wie, das wurde am Montag im Domizil der Dieburger Tafel im Industriegebiet sichtbar. Aber von vorne: „Mehr Kunden, weniger Lebensmittel – in Zeiten der Wirtschaftskrise kämpfen viele Tafeln mit den selben Problemen“, sagt Hartmut Luetz. Von Barbara Hoven

Doch das Kämpfen ist er gewöhnt: Zwischen 80 und 130 Familien versorgt der Vorsitzende und Gründer der Dieburger Tafel gemeinsam mit einem Team von knapp 100 ehrenamtlichen Helfern werktäglich mit Lebensmitteln. Eine logistische Herausforderung. Gespendete Waren müssen morgens früh bei 28 Supermärkten abgeholt werden, eingeräumt, ausgegeben. Gerade in der Hitze der letzten Wochen ist das manchmal ein Wettrennen. Da bedarf es nicht nur vieler unermüdlicher Helfer, sondern auch der richtigen Transportmittel. „Ein zweites Kühlfahrzeug brauchten wir dringend, und mit der Aktion der Sparkassen-Jubiläumsstiftung ist uns sehr geholfen“, freut sich der Tafel-Chef.

Symbolische Scheckübergabe für das neue Kühlfahrzeug, das bereits im Einsatz ist.

Mit 10 000 Euro finanzierte die Stiftung jetzt ein Drittel eines neuen Kühlfahrzeugs, das seit der Anschaffung bereits im Dauereinsatz ist. Nur für die Fahrzeugübergabe im großen Offiziellen-Kreis, wegen der am Montag auch Landrat Alfred Jakoubek als Vorsitzender der Jubiläumsstiftung und Sparkassendirektor Manfred Neßler zum Tafelladen gekommen waren, hatte das „feuerrote Spielmobil“, wie Luetz das neue Gefährt gerne nennt, eine halbe Stunde Boxenstopp. Scheckübergabe, Hände schütteln, ein schneller Blick in die Kameras und den Kühlraum – die Honoratioren schmücken sich gerne mit ihrem Engagement für die Tafel. Doch schnell scharrte ein Helfer mit den Hufen, um endlich zur nächsten Fuhre aufbrechen zu können. Über 2 700 Kunden haben sich seit der Eröffnung bei der Dieburger Tafel registriert, davon 1 240 Kinder. 38 000 Körbe mit Lebensmitteln wurden allein im letzten Jahr für den symbolischen Betrag von einem Euro ausgegeben. Zeit für mehr als die reine Ausgabe von Lebensmitteln bleibt den Helfern samt den drei Tafel-Zivis da nur selten. „Die Helfer rotieren ganz schön, wenn wir hier morgens innerhalb von zwei Stunden 130 Familien durchschleusen, da bleibt nicht mal eine Minute pro Klient und schon gar keine Zeit für Seelsorge“, sagt Luetz. Doch in der Geburtsstunde der Dieburger Tafel vor knapp drei Jahren hatte der Tafel-Chef noch ganz andere Probleme zu meistern: „Anfangs wollte uns ja – räumlich gesehen – niemand haben“, erinnert er sich. „Bei der Suche nach geeigneten Objekten begegnete uns immer wieder das St.-Florians-Prinzip: Bloß nicht hier.“ Im Industriegebiet wurde man schließlich fündig, auch wenn die Lage so weit draußen nicht optimal sei. „Ich habe damals gleich mehr Raum angemietet als anfangs nötig, weil ich dachte, dass die Tafel ein Renner wird“, erzählt Luetz. „Deshalb sind wir heute in der Lage, den großen Ansturm zu bewältigen.“

Dieburger Tafel, Industriestraße 15, 06071/617490. Der Tafelladen ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Einkaufsausweise können donnerstags von 14 bis 16 Uhr im Laden beantragt werden. Hier geht´s zur Homepage der Dieburger Tafel.

Mit 25 Ehrenamtlern ging Luetz dann im September 2006 in der Industriestraße an den Start. Die meisten dieser Helfer der ersten Stunde sind auch heute noch an Bord. „Das zeigt, dass sie sich mit der Arbeit hier bei uns identifizieren können“, sagt Luetz. Als einzige Tafel im Landkreis Darmstadt-Dieburg reicht das Einzugsgebiet von Ober-Roden bis Babenhausen und Münster bis nach Groß-Umstadt, Reinheim und in den vorderen Odenwald. Die Tafel-Türen stehen all jenen offen, denen es finanziell nicht gut geht – die nur eine kleine Rente oder ein geringes Einkommen, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen. Die Einkommensgrenze für Alleinstehende liegt für eine Anmeldung derzeit bei 900 Euro, für jede weitere Person im Haushalt zusätzlich 300 Euro.

Trotz des Stresses und der Armut, mit denen das Tafel-Team tagtäglich konfrontiert wird, kann Luetz auch erfreuliches berichten. Besonders schön sei es, ehemals Bedürftige zu treffen, die die Tafel nicht mehr brauchen, weil sie einen neuen Job gefunden haben. Was der agile 64-Jährige sich für die Zukunft wünscht? „Toll wäre, die Tafel zu schließen, weil keine Kunden mehr da sind. Doch das bleibt wohl Wunschdenken, denn die Kunden werden leider immer zahlreicher.“

Spenden erwünscht

Als gemeinnütziger Verein finanziert sich die Dieburger Tafel ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge, um die laufenden Kosten für Fahrzeuge, Miete, Versicherungen, Müllentsorgung und mehr zu decken. „Auch mit kleinen Beträgen von ein paar Euro ist uns schon sehr geholfen“, betont Tafel-Chef Hartmut Luetz. Wer die Tafel-Arbeit mit Geldspenden unterstützen will, kann dies auf folgendes Spendenkonto tun: Sparkasse Dieburg, Kontonummer 132000001, Bankleitzahl 50852651. Für Lebensmittelspenden bittet Luetz um Anruf unter 06071/617490. Dankbar ist das Tafel-Team zudem jederzeit für weitere ehrenamtliche Mitstreiter – selbst wenn die sich nur wenige Stunden pro Woche engagieren können.

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