Sechs von zehn Fastnachtslocations – neben den regulären Gaststätten und Kneipen – öffnen schon am Donnerstag

Altweiberfastnacht lebt wieder auf

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Die „Schumann“-Scheune wurde mit den alten Ziegeln der Ludwigshall’ neu eingedeckt. An Altweiberfastnacht (Donnerstag) sowie Samstag und Rosenmontag versorgt dort Steffen Acker (Foto) mit einem mehrköpfigen Team die Narren mit „Hütchen“, „Piffchen“ und Co.

Dieburg - Von ganz klein bis zu einer Größe, die Platz für mehrere hundert Narren bietet: Über die tollen Tage gibt es viele Stationen, in denen sich – zusätzlich zu den ohnehin geöffneten Gaststätten – prima feiern lässt. Von Jens Dörr 

Welcher der absolute Höhepunkt der Dieburger Fastnacht ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Es ist wohl schlicht Geschmackssache, ob es die KVD-Sitzung in der Römerhalle ist, die Kinderfastnacht, der Prinzenempfang, die „Äla-Nacht“, der große Umzug am Dienstag – oder vielleicht sogar die von manchen besonders ausgelassen zelebrierte Straßenfastnacht. Die erlebt alljährlich samstags einen Ansturm tausender Feierwütiger aus Nah und Fern, während Dieburgs Innenstadt am Rosenmontag nicht ganz so vollgestopft daherkommt und der Anteil einheimischer Narren dann tendenziell größer ist. Doch halt: Auch die Altweiberfastnacht, die traditionell am Donnerstag vor den tollen Tagen gefeiert wird, lebt in Dieburg wieder auf. Das zeigt ein Blick gerade auf jene Locations, die neben den ständig geöffneten Dieburger Gaststätten und Kneipen ausschließlich zur Fastnacht aufmachen.

Zwei Hände voll solcher Orte lassen sich für dieses Jahr vorab ausmachen – von ganz klein bis zu einer Größe, die Platz für mehrere hundert Narren bietet. Die quadratmetermäßig fraglos kleinste Äla-Stätte wird auch in diesem Jahr wieder der kultige Bauwagen am Kirchplatz sein: Dort beweist der Münsterer Stammtisch „Nachtschwärmer“, zu dem mit Manfred Witzel auch der Leiter des Dieburger Bauhofs gehört, dass man nicht viel Platz braucht, um „Hütchen“ (Asbach-Cola), „Piffchen“ (Wein) und Co. unters kostümierte Volk zu bringen. Obgleich es zumindest größeren Gruppen unmöglich ist, gemeinsam diesen Ort der Heiterkeit aufzusuchen. Geöffnet hat der Bauwagen auch in diesem Jahr am Samstag- und am Montagabend.

Etwas mehr Platz ist im benachbarten „El Rondel“ zu finden, das dennoch eher zu den kleineren Locations gehört. Dort ist in diesem Jahr am Samstag, Montag und Dienstag gute Laune angesagt. Ein bisschen weiter, am Marktplatz, will der Gewölbekeller (unter der ehemaligen „Kinderkiste“) in diesem Jahr am Samstag und Montag öffnen. Schräg gegenüber bleibt der beliebte „Petermann“ von Thomas Jung in diesem Jahr ausnahmsweise geschlossen.

Wer einige Meter weiter kurz von der Rheingaustraße abbiegt, steht hingegen vor einer fast schon legendären Partyhöhle, die in diesem Jahr ihre Öffnung für Samstag und Montag angekündigt hat: der immer gut gefüllte und manchmal überfüllte „Safter“. Dort wird von Dieburger Liedgut bis zur dekorativen „Zwiebel auf dem Kopf“ so ziemlich alles lauthals besungen, wobei praktisch auf zwei „Ebenen“ gefeiert wird: Eine Erhöhung rechts und links des Eingangs bietet einigen der Gäste Platz, auch wenn von dort die Theke unerreichbar scheint. Wo die Dieburger Fastnacht in ihrer Reinform lebt, handelte es sich früher auch ohne „Pfläumchen“-Genusss um eine fruchtige Angelegenheit: Der „Safter“ gehörte einst zu einer Kelterei – heute tanzen die Narren auf jenem zubetonierten Silo, in dem damals die Äpfel lagerten.

Wiederum direkt nebenan befindet sich die Scheune, die Dominic Hewitt und Louis Glober betreiben. Sie sind mit ihren Helfern nicht nur am Samstag und Montag für die Straßenfastnachter da, sondern schon an Altweiberfastnacht. Genau an diesen Tagen ist auch der „Schumann“ nur wenige Meter weiter in der Weißturmstraße, als traditionsreicher und beliebter Ort zum Feiern geöffnet. Steffen und Thomas Acker haben die Scheune für den Ansturm in diesem Jahr im Besonderen gerüstet. Nicht nur, dass die Außenmauern neu verfugt wurden; den „Schumann“ deckt nun auch ein neues Dach, das eine spezielle Geschichte hat: Seine frisch angebrachten Ziegeln deckten einst die altehrwürdige Ludwigshall’. „Der neue Eigentümer hat uns die Ziegel geschenkt“, freut sich Steffen Acker. An drei Tagen wird er den Fastnachtsbetrieb mit einem mehrköpfigen Team stemmen. Erstmals öffnet der Schumann bereits an Altweiberfastnacht: „Dieser Tag ist mittlerweile ein bisschen der Geheimtipp für die Dieburger geworden“, meint Acker. „Deshalb haben wir uns entschlossen, es in diesem Jahr auch an diesem Tag einfach mal zu versuchen.“

Wie die Scheune von Hewitt und Glober sowie der „Schumann“ stehen den Narren – neben den regulären Dieburger Gaststätten und Kneipen – an Altweiberfastnacht noch vier weitere Orte zum Feiern offen. Das „Äla-Zelt“ von DJ Robby auf dem Marktplatz feiert ebenfalls seine Donnerstagspremiere und öffnet darüber hinaus am Samstag, Montag und auch Dienstag. „Im vergangenen Jahr haben wir am Donnerstag lediglich aufgebaut, schon damals haben sich die Leute aber zu uns ins Zelt verirrt“, blickt der DJ lachend auf 2016 zurück und optimistisch auf die Donnerstagsöffnung in diesem Jahr voraus. Thorsten Setzer ist mit seinem Zelt in der Weißturmstraße in direkter Nachbarschaft zum „Schumann“ am Donnerstag, Samstag, Montag und Dienstag für die Narren da. An den selben Tagen – also ebenfalls an Altweiberfastnacht plus Samstag, Montag und Dienstag – wird unter der Federführung von Dennis Braunwarth im Hof des gleichnamigen Getränkehandels gefeiert.

Das Äla wird zudem aus hunderten Kehlen ertönen, wenn das neue Prinzenpaar auf seiner Rosenmontags-Tour wie üblich auch das Pater-Delp-Haus aufsucht: Dort öffnet seit 1986 die „Don Camillo Bar“ der Kolpingfamilie. Auch sie bereichert die innerstädtische Narretei an den letzten Tagen der Kampagne dieses Jahr erstmals mit einer Öffnung schon am Donnerstag. Die „Don Camillo Bar“ ist zudem als einziger der genannten Orte auch am Fastnachtssonntag im Rahmen des Prinzenempfangs geöffnet.

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