Gemischte Gefühle bei mehreren Gastronomen

Straßenfastnacht: Lokale bleiben geschlossen

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Die in Gold und Silber gehaltene „Sternenbar“, zu der an Straßenfastnacht das Restaurant der Dieburger Römerhalle wird, gibt es seit 2017. Sie steht gegen die Tendenz, dass sich einige Gastronomen aus der Bewirtung der Narren am Samstag und Montag zurückziehen. Wobei auch die „Sternenbar“ diesmal – nach schlechten Erfahrungen im Vorjahr – zumindest am Samstag die Schotten dicht lässt. Am Erstarken ist hingegen der Donnerstag (Altweiberfastnacht).

Dieburg - Von Kneipe zu Kneipe, von Lokal zu Lokal: Was für die Narrenschar einfach zur Straßenfastnacht dazu gehört, sieht mancher Gastronom mit gemischten Gefühlen. Oft lohnt es sich nicht, an allen tollen Tagen zu öffnen. Vor allem der Samstag erscheint problematisch. Doch was tun? Von Jens Dörr

Straßenfastnacht in Dieburg, das sind neben dem Trubel rund um Prinzenem-pfang und Umzüge sowie dem erstarkenden Donnerstag (Altweiberfastnacht) vor allem der Samstag- und der Montagabend. Dann ziehen Tausende durch die Innenstadt, um den Äla-Schlachtruf von Lokal zu Lokal zu verbreiten. Ein Selbstläufer für die Gastronomen, müsste man angesichts der Massen meinen. Was bei näherem Hinhören aber nicht mehr überall der Fall ist. Besonders einige der professionellen Gastronomen, die mit den reinen und nur an diesen Tagen geöffneten, privat betriebenen Fastnachtskneipen konkurrieren, machen sich Sorgen um die Zukunft der Dieburger Straßenfastnacht. Und lassen ihre Lokale in diesem Jahr teils geschlossen.

So etwa Angelina Sarra Fiore vom „Hanauer Hof“ in der Steinstraße. „Die Straßenfastnacht ist unwirtschaftlich geworden“, sagt die Gastronomin. „Wir haben immer gern alles mitgemacht und sind auch selbst Fastnachter. Die Personalkosten sind aber zu hoch.“ Einerseits müsse sie bis zu sechs Leute am Abend bezahlen, egal wie der verlaufe. „Ich kann sie ja nicht nach einer Stunde wieder heimschicken, falls zu wenig los ist.“ Anschließend benötige sie „eine Putzkolonne“ und müsse eine Woche lang schließen, um ihre italienische Gaststätte wieder für den regulären Betrieb herzurichten. Auch in die Vorbereitung stecke man viel Zeit und Energie. „Wie gesagt: Wir machen das eigentlich gern. Es macht allerdings keinen Sinn mehr, wenn wir am Ende noch drauflegen.“ Die Antwort des „Hanauer Hofs“: Ab diesen Mittwoch (7. Februar) bis Aschermittwoch bleibt er komplett geschlossen.

Ähnlich wie der „Hanauer Hof“ wollen es auch andere Lokale halten. Die „Stoawäjer Stubb“ etwa lässt diesmal samstags und montags zu. Die urige Gaststätte mit deutscher Küche hatte in den vergangenen Jahren nicht nur ihre regulären Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, sondern zur Fastnacht im Hof nebenan auch noch die „Hofstubb“ eingerichtet. An Altweiberfastnacht ist die „Stoawäjer Stubb“ hingegen dabei.

Das „Mephisto“ am Marktplatz lässt sein eigentliches Lokal am Samstagabend ebenfalls zu, lädt aber zur Party im darunter liegenden „Krone Keller“ ein. Ein weiteres Restaurant der Innenstadt, von dem allerdings keine Begründung zu erfahren war, pausiert ebenfalls.

Bilder: Kinderumzug in Dieburg

Noch am Schwanken ist derweil Jasmin Sauerwein, die am Marktplatz sowohl das „M22“ als auch den „Hopfensack“ betreibt, und der Dieburger Gastronomie auch Gehör im Gewerbeverein, wo sie dem Vorstand angehört, verschafft. Das „M22“, das viel Platz bietet und wo am Dienstagabend nach dem Umzug sogar das „Äla-Finale“ des Karnevalvereins stattfindet, hat an allen Tagen geöffnet. Beim „Hopfensack“ als klassischer Bar werde sich erst kurzfristig entscheiden, ob man an den Haupttagen Samstag und Montag öffne. „Der Montag war letztes Jahr eine Katastrophe“, blickt Sauerwein zurück. Ihr Wunsch: „Der KVD muss die Dieburger Straßenfastnacht auch ein bisschen zu seinem Thema machen.“ Als positiv bewertet sie ein erstes Treffen zwischen einigen Profigastronomen und Betreibern von reinen Fastnachtskneipen vor ein paar Tagen. Derlei solle nach dieser Kampagne auf Sauerweins Anregung mit Blick gen 2019 in größerer Runde und unter Beteiligung des KVD erneut stattfinden. Zwar könnten die privaten Betreiber der reinen Fastnachtskneipen (siehe auch Infokasten) anders kalkulieren als die Profis, so teils auch günstigere Preise anbieten. „Es geht aber um ein Miteinander, wofür ich auch die Bereitschaft spüre.“ Für die Dieburger Fastnacht sei der Erhalt aller Lokale, egal welcher Art, wünschenswert.

Dass es indes auch positive Veränderungen gibt, dafür ist die „Sternenbar“ ein Beleg. So nennt Tobias Niestatek, Betreiber der Gastronomie in der Römerhalle, dann sein zur Fastnacht kaum wieder zu erkennendes, mit Teppich ausgelegtes und in Gold und Silber gehaltenes Restaurant. 2017 veranstaltete er die „Sternenbar“ zur Straßenfastnacht erstmals, tut dies in dieser Kampagne erneut. Lediglich am Samstag lässt er diesmal zu, ist aber donnerstags, sonntags (im Rahmen der „Äla-Nacht“) und montags dabei. „Samstags hatte ich letztes Jahr 40 junge Leute im Foyer zu den Toiletten im Keller, die ihre eigenen Getränke dabei hatten.“

Derlei Ärger wolle er diesmal vermeiden. Besonders der Samstag, wenn sehr viele Besucher von außerhalb nach Dieburg kommen, gilt in Sachen Saufgelage und Sachbeschädigungen als nicht ganz sorgenfrei.

Bilder: Alle Fastnachtsumzüge 2018 im Überblick

Niestatek macht an den anderen Tagen unterdessen gern mit, gleichwohl auch er zugibt: „Wenn ich mit ganz spitzer Feder rechnen würde, dann rentiert sich die Bar nach Abzug aller Kosten, besonders fürs Personal, kaum. Ich sehe es eher als Werbeeffekt à la ,In der Römerhalle war’s mal wieder schön’.“

Nach Abgleich der Informationen mit den Meldungen reiner, privat und ausschließlich an den tollen Tagen betriebener Fastnachtskneipen, die dem Ordnungsamt vorliegen, ergibt sich folgendes Bild: Fast alle Lokale sind erneut dabei.

  • Nach einem Jahr Pause öffnet zudem der „Petermann“ (Rheingaustraße) wieder.
  • Ebenfalls in der Rheingaustraße angesiedelt sind der „Safter“ sowie eine weitere Fastnachtsscheune.
  • In der Weißturmstraße ist erneut die „Schumann-Scheune“ geöffnet.
  • Der „Kinderkiste“-Keller macht ebenso auf wie die „Don Camillo Bar“ der Kolpingsfamilie im Pater-Delp-Haus.
  • Kult ist außerdem der zur Minibar umfunktionierte Bauwagen vor der Stadtpfarrkirche.
  • Ein Magnet ist zudem das „Äla-Zelt“ auf dem Marktplatz, das der Dieburger DJ Robby (Robert Mathy) betreibt. „Der Donnerstag wird immer stärker“, schildert er seinen Eindruck und öffnet sein Zelt in diesem Jahr für jedermann schon an Altweiberfastnacht.
  • Im Innenhof des Getränkehandels Braunwarth in der Zuckerstraße kann am Donnerstag, Samstag, Montag und Dienstag unter aufwändiger Lichttechnik im überdachten Außenbereich gefeiert werden.
  • Einen herben Verlust verzeichnet die Straßenfastnacht allerdings doch: Das „Setzer-Zelt“ des Fastnachters Thorsten Setzer gibt es in diesem Jahr nicht. „Nach zehn Jahren haben wir mal eine Pause gebraucht“, sagt Setzer. Ob es ein Comeback des Zelts in der Zukunft geben werde, sei noch offen.

Quelle: op-online.de

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