Narrenhochburg jenseits des Rheins

Dibborsch feiert Fastnacht schon seit 510 Jahren 

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Narrenhochburg jenseits des Rheins: Dibborsch feiert Fastnacht schon seit 510 Jahren.

Dieburg - "Äla" ersetzt in Dieburg die Fastnachtsrufe "Helau" und "Alaaf". Der Karnevalsumzug ist - wie in Frankfurt-Heddernheim ("Klaa Paris") - erst am Fastnachtsdienstag, also nach den Höhepunkten am Rhein. Ungeachtet dieser Besonderheiten gehört Dieburg mit seinen rund 16.000 Einwohnern zu den traditionsreichen Karnevalshochburgen. Von Ira Schaible

"Entweder man mag es, oder man verlässt die Stadt", sagt Stadtsprecherin Ulrike Posselt, um die hohe Bedeutung der Fastnacht für die Dieburger zu beschreiben. "Die Fastnacht wird den Kindern hier schon in die Wiege gelegt", sagt der Vorsitzende des Karnevalvereins Dieburg von 1838 (KVD), Günter Hüttig. "Die Dieburger Fastnacht und der Dieburger Karnevalverein haben eine geschichtsträchtige Historie."

Die Stadt blickt in diesem Jahr auf 510 Jahre Fastnacht zurück. Erstmals erwähnt wurde das bunte Treiben im Jahre 1508. Die Stadt sei nach wie vor überwiegend katholisch, die Region eher evangelisch, nennt Posselt einen Grund für die nach wie vor höchst lebendige Tradition. Der KVD ist auch schon 180 Jahre alt. Anfang der 1960er Jahre habe er sich mit einem anderen Club vereint - seitdem habe niemand an der Einheit des Vereins gerüttelt, sagt Hüttig.

Der fastnachtliche Schlachtruf "Äla" gehe auf einen Lockruf der Mägde zurück: So haben sie früher die Gänse über die Wiesen rund um Dieburg getrieben, wie Hüttig sagt. Auch der Dienstag als Tag für den Umzug hat Geschichte. Die Stadt habe damit wohl vor vielen Jahren einen Gegenpol zum Bistum Mainz setzen wollen, sagt Hüttig. "Und das wurde beibehalten."

Genau 1811 Mitglieder zähle der Verein in diesen Tagen. Und das obwohl Dieburg viel kleiner ist als die Karnevalshochburgen. Damit ist er zwar nicht der größte im Bund Deutscher Karneval (BDK), wie es oft heißt; aber auf jeden Fall einer der mitgliederstärksten, wie BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess versichert. In den 35 Landes- und Regionalverbänden des BDK sind 5312 Vereine, Zünfte und Gilden zusammengeschlossen.

Die Mitgliederzahl eines Vereins allein sei ohnehin nicht ausschlaggebend, sagt Fess. In Köln etwa gebe es mehr als 100 Karnevalsgesellschaften. Es komme letztlich aber nicht nur auf die Masse an. "Dort, wo Karneval, Fastnacht und Fasching gefeiert wird, aus der Gesellschaft, den Vereinen heraus, sind jeweils die Hochburgen."

"In Dieburg gibt es sehr viele, traditionsbewusste Fastnachter, die nicht zwingend aber üblicherweise auch Mitglied in unserem Verein sind", sagt Hüttig. Dazu kommen "viele auswärtige Mitglieder bis nach Amerika, Frankreich und Tschechien, die unserer besonderen Fastnachtstradition zugeneigt sind". Attraktiv sei auch der Mindestbeitrag von einem Euro pro Monat. "Allerdings wird oftmals freiwillig ein wesentlich höherer Beitragssatz gezahlt."

Bilder: Kinderumzug in Dieburg

Nachwuchssorgen kenne der Verein im Gegensatz zu vielen anderen nicht. "Wir haben eine sehr gut funktionierende Jugendarbeit, die wir in den nächsten Jahren noch deutlich stärken werden." Bei den Kindertanzgruppen müsse sogar immer mal wieder ein Aufnahmestopp verhängt werden, weil zu große Gruppen keinen Sinn machten, heißt es im Verein. Die beiden Kinderfastnachtssitzungen mit einem jeweils etwa dreistündigen Programm, das ausschließlich von Kindern, gestaltet werde, seien immer ausverkauft. Es gibt ein Kinderprinzenpaar und der Umzug gilt als besonders familienfreundlich und damit weniger stressig als etwa im nahen Mainz.

Höhepunkt ist am Rosenmontag zunächst der "Närrische Empfang". Dann wird die "Holzisch Latern" (hölzerne Laterne) verliehen: In diesem Jahr geht sie an die Rodgau Monotones. Mit ihrem Hit "Erbarme - die Hesse komme" habe die Rockband Kultstatus erlangt, heißt es in der Begründung des Vereins.

Bilder: Dieburger Narren starten Kampagne

Nicht die Wagen, sondern die Fußgruppen mit ihren sehr bunten, aufwendigen und originellen Kostümen machen den Umzug am Karnevalsdienstag aus. Unter dem Motto "2+0+1+8=11" sind in diesem Jahr etwa Lucky Luke, Monsterdrachen, Wikinger, Schlümpfe und Wasserwesen dabei. Insgesamt machen etwa 3000 Fastnachter bei den 111 Nummern mit. "Das ist auch die Obergrenze", sagt Hüttig mit Blick auf den Verlauf der Route durch die engen Straßen. Er rechnet mit rund 50.000 Zuschauern - bei schönem Wetter. Die Polizei habe aber auch schon deutlich mehr gezählt. (dpa)

Quelle: op-online.de

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