Hessische Mundart auf hohem Niveau

„Holzisch Latern“ für Michael Quast

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Da kann man die Becken mal gegeneinander schlagen: Michael Quast – hier mit Sabine Fischmann in „Carmen à trois“ bei den Burgfestspielen Dreieichenhain 2018 – erhält in diesem Jahr die Holzisch Latern des Karnevalvereins Dieburg.

Dieburg - Der Frankfurter Schauspieler und Regisseur pflegt die hessische Mundart auf hohem Niveau. Dafür gibt’s die höchste Auszeichnung des Karnevalvereins Dieburg. Von Ralf Enders

Die höchste externe Auszeichnung des Karnevalvereins Dieburg (KVD), die Holzisch Latern, erhält in diesem Jahr der Frankfurter Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Michael Quast. Dies teilte das Prinzenkomitee des KVD gestern Abend mit.

Michael Quast wurde am 2. März 1959 in Heidelberg geboren und feiert somit zwei Tage vor der Verleihung der Holzisch Latern (Hölzerne Laterne) seinen 60. Geburtstag. Er lebt mit seiner Partnerin, der Regisseurin Sarah Groß, und den drei gemeinsamen Kindern in Frankfurt-Oberrad.

Laternenträger Nummer 38: Michael Quast

Kurz vor dem Abitur begann Quast eine Ausbildung an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Über die Stationen Ulm und Düsseldorf kam er 1985 ans Schauspiel Frankfurt. Zu Beginn seiner Karriere machte er sich unter anderem mit kabarettistischen Soloprogrammen einen Namen. Seit geraumer Zeit liegt allerdings sein Hauptaugenmerk im schauspielerischen Bereich, wo er den südhessischen Dialekt pflegt.
Als Schauspieler war Quast auch schon in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen wie „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Soko Rhein-Main“ oder „Die Camper“ zu sehen.
2009 sollte er Mit-Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des Frankfurter Volkstheaters werden. Da es mit den Erben der Theatergründerin Liesel Ehrist jedoch zu keiner Einigung über die wirtschaftliche Führung des Theaters kam, sagte er ab.

Nun ist Michael Quast als Direktor und künstlerischer Leiter bei der Fliegenden Volksbühne in Frankfurt tätig, deren Mitbegründer er ist und die in diesem Jahr auch noch ihr 11-jähriges Bestehen feiert. „Die Zahl Elf stellt somit den direkten Bezug zu der närrischen Auszeichnung durch den Dieburger Karnevalverein her“, schreibt der KVD.

Quast scheut sich nicht, große klassische Werke humorvoll und in kleiner Besetzung zur Aufführung zu bringen. So hat er etwa die Bizet-Oper „Carmen“, unter dem Titel „Carmen à trois“, in einer Besetzung mit nur drei Personen im Repertoire, wie zuletzt bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain im vergangenen Jahr zu sehen war. Hierbei spielen er, die Schauspielerin Sabine Fischmann und in wechselnder Besetzung ein Musiker am Flügel. Ähnliches schafft Quast mit der „Fledermaus“, „Hoffmanns Erzählungen“ oder „Don Giovanni“.

Die FAZ etwa lobte die Aufführungen überschwänglich: „In den Inszenierungen vereinen sich Mundart und Moderne, Komisches und Klassisches, Lachnummern und Literatur aufs Trefflichste.“

Im Jahr 2004 war Quast einer der Mitbegründer und Hauptdarsteller des Theaterfestivals „Barock am Main“ im Frankfurter Bolongaropalast (wegen Renovierung derzeit im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur). In diesem Jahr ist hier „Der Tartüff oder De Deibel in Gestalt“ zu sehen, eine Komödie in hessischer Mundart von Wolfgang Deichsel (1939 - 2011) nach Molière.

Auch die Darmstädter Lokalposse „Datterich“ von Ernst Elias Niebergall hat Quast sowohl in Darmstadt als auch in Frankfurt inszeniert. Niebergall wirkte im Übrigen einige Jahre als Hauslehrer in Dieburg.

Zu den bisherigen Auszeichnungen für Michael Quast gehören der „Salzburger Stier“, der Deutsche Kleinkunstpreis, der Rheingau Musikpreis, der Binding-Kulturpreis und zuletzt 2014 der Hessische Verdienstorden. Zudem war er 1996/97 für den Grimme-Preis nominiert.

„Für seine Verdienste um die Mundart und die Verbundenheit zur hessischen Region erhält Michael Quast am Rosenmontag (4. März) im Rahmen des Närrischen Empfangs in der Dieburger Römerhalle die Holzisch Latern mit der Prägenummer 11/38“, teilt der Karnevalverein mit.

Archivbilder:

Auftaktsitzung des Karnevalvereins Dieburg: Bilder

Der KVD ist mit etwa 1800 Mitgliedern der größte – mitgliederstärkste – Karnevalverein in Deutschland. Die höchste externe, also nicht an eine Mitgliedschaft gebunde, Auszeichnung, die der KVD seit 1982 vergibt, ist die Holzisch Latern. Diese wird an Personen oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Fastnacht oder die Mundart beziehungsweise das Brauchtum verdient gemacht haben oder denen „sonst irgendwie ein Licht aufgegangen“ ist.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören bundesweit bekannte Persönlichkeiten und Institutionen wie Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, Spaßmacher Bodo Bach oder die Augsburger Puppenkiste. Aber auch lokale und regionale Personen und Gruppen erhielten die „Latern“: der Dieburger Schafsmaler Hans Peter Murmann, das Kikeriki-Theater Darmstadt oder die Zimmerner Kerb-Dixie-Stompers.

Preisträger der Holzisch Latern seit dem Jahr 2000:

2000: Robert Treutel alias „Bodo Bach“

2001: Hans Melvin Haus und Bernard Schmidl

2002: Heinz Schenk

2003: Hans-Joachim Greifenstein und Claus-Jochen Herrmann (Pfarrer-Kabarett)

2004: keine Verleihung

2005: Dr. Markus Merk

2006: Bernd Grimm

2007: Augsburger Puppenkiste

2008: Walter Renneisen

2009: Die Clown Doktoren e.V.

2010: Dagmar Metzger

2011: Gnadekapell

2012: Evren Gezer

2013: Hans-Joachim Heist

2014: Norbert Roth

2015: Stella Deetjen

2016: Kerb-Dixie-Stompers

2017: Felix Prinz zu Löwenstein

2018: Rodgau Monotones

2019: Michael Quast

Weitere Infos:

karnevalverein-dieburg.de

michaelquast.de

fliegendevolksbuehne.de

Quelle: op-online.de

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