Entertainment mit politischer Haltung

Interview mit den Kabarettisten Äla-Kepp

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Der Auftritt der Äla-Kepp (von links Achim Weißbäcker, Johannes Spieß, Annika Fiedler und Lothar Wolf) ist eines der Glanzlichter der diesjährigen KVD-Sitzung.

Diebug -  Sie sind ein Glanzlicht der diesjährigen Sitzungskampagne des Karnevalvereins Dieburg: Die Äla-Kepp rufen sich mit ihrer musikalisch-politischen Show vielen Sitzungsbesuchern nachhaltig in Erinnerung.

Deshalb – und auch wegen des 22-jährigen Bühnenjubiläums von Sänger und Gründungsmitglied Johannes Spieß – hat sie unser Mitarbeiter Jens Dörr um ein Interview gebeten.

Wie entsteht eine Show der „Äla-Kepp“? 

Wir setzen uns in der Regel erstmals im September zusammen und fangen locker an, Themen zu sammeln. Dann geht es in die Detailarbeit. Diese wird in der Hauptsache von Johannes und Achim bis Ende Oktober gemacht. Erste Texte werden mit Melodien verquickt – früher mit Christoph machten wir das zu dritt. Christoph musste dann oft ans Klavier, die Melodie wieder und wieder anspielen, bis alle Zeilen vertextet waren. Zwischendurch lässt sich Achim gelegentlich zu Hause von der Muße küssen und erstellt weitere Texte. Es geht oft zäh – in dieser Saison extrem zäh – los und dann bekommt man einen Lauf. 

Wie geht’s in den Schlussspurt, wenn Euer Vortrag auf der KVD-Tagung im Spessart grundsätzlich für gut befunden wurde? 

Zunächst werden die Tonarten aller Lieder mit Manfred Müller abgestimmt, sodass sich jeder Akteur damit auch wohlfühlt, bevor dann Katrin Brechtelsbauer an der Reihe ist, um die Inszenierung vorzunehmen und mit uns zu proben. Wenn noch etwas Aktuelles passiert, wie in diesem Jahr zum Beispiel die Benennung des „Unwortes des Jahres“, Alternative Fakten, kann man Textpassagen noch einbauen. Dass wir nicht auf die sich entwickelnde GroKo eingehen konnten, ist in diesem Jahr zwar bedauerlich, aber nicht zu ändern.

Wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben? 

Gute Frage. Unseres Erachtens ist das musikalisch verarbeitete politische Fastnacht mit sicherlich kabarettistischen Zügen. Wie das der Betrachter nennen möchte, ist eher zweitrangig. Wichtig ist, dass das Thema Politik, einen Platz auf der Fastnachtsbühne bekommt.

Bilder: Alle Fastnachtsumzüge 2018 im Überblick

Was wiegt für Euch schwerer: der unterhaltsame, witzige Auftritt – oder das Anregen der Zuschauer zum Nachdenken über bestimmte Dinge? 

Sicher wollen wir in erster Linie unterhalten. Allerdings ist es – gerade angesichts der aktuellen schwierigen Situation, in der sich die politischen und gesellschaftlichen Koordinaten zu verschieben scheinen – wichtig, auch eine bestimmte Haltung rüberzubringen. Bei alldem ist es uns auch wichtig, niemanden persönlich zu verletzen.

Welcher inhaltliche Mix passt aus Eurer Sicht am besten auf die KVD-Sitzung?

Ideal ist aus unserer Sicht, wenn neben der „großen“, auch internationalen, Politik auch Aspekte aus Dieburg und Umgebung vertreten sind. Letzteres fiel uns im letzten Jahr bei fünf Bürgermeister-Kandidaten relativ leicht. In diesem Jahr war es recht schwer, sodass wir froh waren, dass die Münsterer ihre Beschilderung am Ortseingang geändert hatten und wir – erstmals – die Gemeinde im Norden Dieburgs näher in den Blick nehmen konnten. Gleichwohl ist zu sagen, dass Anspielungen in Richtung Süden in der Regel stärkere Reaktionen im Publikum hervorrufen.

Wie blickt Ihr nach vorn?

Simone Buschmann-Schneider, Annika Fiedler und Manfred Müller spielen uns in die Karten und geben uns neue Möglichkeiten. Auch Lothar Wolf, der auf 25 Jahre Fastnachtserfahrung mit den Speeslochfinken zurückblicken kann, bereichert uns mit seiner markanten Bassstimme. Wir versuchen, einfach so weiter zu machen. Mit einem Pianisten, zwei Damen und drei Männern sind wir so breit aufgestellt wie nie zuvor.

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