Große Äla-Show

Kleinkunst wechselt mit Kokolores

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Dieburg - Beschwingt wohl auch dadurch, dass die Kampagne dieses Jahr wieder mal etwas länger ist, haben die Narren am Samstag in ihrer Premierensitzung in der ausverkauften Römerhalle eine tolle Äla-Show präsentiert. Von Stefan Scharkopf

Die „Giraffen“ des Hofballetts setzen ein glanzvolles Zeichen, das mit Aaaaahs und Ooooohs bedacht wurde.

Kein Zweifel: Ein langsames Rantasten an die närrische Zeit gibt es in Dieburg nicht, warum auch? Vollgas ab der ersten Minute. Unter dem Motto „Wir feiern Fassenacht im März – drum lass das Äla in dein Herz“ hat der Karnevalverein in der ausverkauften Römerhalle das Stimmungs-Barometer bereits stark nach oben ausschlagen lassen – was ein gutes Omen für die laufende Fastnachtssaison ist. Alles in allem ein klasse Auftakt. Klar, es war hier und da mal ein Kalauer zu hören, dessen Bart bis zum Boden reicht, und manche Pointe ist absehbar. Wie in jeder Saison gibt es stärkere und schwächere Beiträge. Und jeder hat seinen Favoriten. Sämtliche Akteure aber lassen ihr närrisches Herzblut einfließen. Das verdient Respekt.

Vorträge, Tänze und Gesang: ein närrischer „Triathlon“ in der ausverkauften Römerhalle sozusagen, bei dem die einzelnen Disziplinen oft ineinander übergehen.

Politisches und Alberei

  • „Der Stress vun heit´, ist irgendwann die gut alt Zeit“. Unter dieses Motto stellte Friedel Enders sein Protokoll. Große Politik ist sein Metier. Und natürlich das Geschehen vor der Haustür. Ob der Straßenbau in Dieburg, geplant im „Rat(losigkeits)haus“, mit dem Ergebnis, dass in der endlich fertig gestellten Goethestraße das Trottoir fast breiter als die Gasse ist, oder – natürlich – eines der ganz großen Themen des vergangenen Jahres: das Schlossgartenfest mit seinen ganzen Unzulänglichkeiten: „Großzeltmief“, „Schweinshaxe auf Böhm´-sche Art“, die einem das Fest „ganz schäi madisch mache“. Und was empfiehlt der Protokollant? Ein Jahr Pause! Ob´s so kommt?
  • Überhaupt war das Schlossgartenfest ein Thema. Die Äla-Kepp mit Johannes Spieß, Achim Weißbäcker, Annika Fiedler, Lothar Wolf, Manfred Müller am Klavier, unterstützt von acht weiteren Darstellern (Regie: Katrin Brechtelsbauer), widmeten Festwirtin Ilona Böhm gleich ein ganzes Lied. Die Äla-Kepp sind die Bürgen dafür, dass – neben dem Protokoll – die politische Fastnacht einen festen Platz hat; das ganze garniert mit kabarettistischen Zügen – top! Jeder kriegt was ab, grad wie es sein soll. Köstlich die Nummer mit Fußballer Özil und Erdogan („Ich war 30 und er 64“) nach einem alten Peter-Maffay-Hit. Viel Beifall war der Lohn. Auch prima persifliert: die Artikel-Serie im „Bläädsche“ vom Sommer über die Münsterer Wurzeln des französischen Kicker-Stars Antoine Griezman. Chapeau! Ohnehin sind die Äla-Kepp Stimmungsgaranten, wie eine kurze Zufallsbefragung im Publikum ergab: „Die werden immer besser.“
  • Genial auch der Auftritt des Kasp-Äla-Theaters mit Bernd Schneider, Christel Ludwig und Thomas Jung. Letzterer wechselt sich in den sieben Sitzungen mit Thorsten Setzer ab. Ein regelrechtes Feuerwerk aus Klamauk und Kokolores, dass die drei Akteure abbrannten. Sie verstanden es prima, auch die – wenigen – Hänger noch in super Kalauer zu verwandeln. Zweifellos einer der Höhepunkte.
  • „Metzgers bestes Stück“ hieß die Nummer von Sebastian Hering, bei der er mit einer Rindswurst um den Hals auf die Bühne kam. Er war erstmals seit längerer Zeit wieder dabei.
  • Felix Herz und Julian Spieß haben sich gut in ihre Rollen als „Arbeiter und Student“ gefunden. Ihr Thema steht den beiden jungen Männern erheblich besser als im Vorjahr.
  • Als Abee-Migg und Schnooke kamen Tom Bonifer und Manuel Enders daher. Ihr Beitrag geriet etwas zu lang.
  • Monika Schledts Vortrag lautete: „Das große Warten“. Ob auf die Bahn, den Arzttermin, besseres Wetter oder darauf, dass der Ehemann noch wächst – vieles gibt es zu ertragen, und Schledt kann es gut karikieren.
  • Verrer Gunkes (Thomas Buchert) unn soi Bawett (Juliane Kempf) sind Klassiker der Fastnacht. Herrlich ihre gegenseitigen Hakeleien. Prima auch dieser Gag: Dieburg muss rein rechnerisch pro zahlendem Museumsbesucher 450 Euro drauflegen. Vorschlag Gunkes: „Wenn unser Verwandtschaft aus Amerika kimmt und mer ins Museum gäihn, kost des die Stadt bei zäije Lait 4  500 Euro. Ich ruf ´de Boijemoaster ou und sag, dass mer nit kumme. Dodefür soll er uns 1 000 Euro gäwwe, do hot die Stadt 3 500 Euro gespoart.“
  • Jürgen Schaarvogel ist seit 30 Jahren für den Karnevalverein auf der Bühne; schlichtweg eines der Gesichter der Narretei. Am Samstag war er bei seinem Solo-Auftritt in dem Genre karnevalistische Kleinkunst beheimatet. Herrlich etwa die Nummer, als ein Ehepaar das Gebiss tauscht und die Frau kundtut, was der Gatte so alles zu sich genommen hat. Seine „Fastnachtstrilogie“ („wären´s nur zwei Sachen, wär´s Biologie) wurde bereichert durch ein gemeinsames Lied mit Leonie Freudl.
  • Viel Aufwand haben die Unterstützer der „Zwei Außerirdischen“, Matthias Sahm und Klaus Gottwald, sowie die Akteure selbst bewiesen. Mit einem ungewöhnlichen Bühnenbild, nachempfunden der Darmstädter ESA, was in Dibborsch ÄSA heißt, betraten sie die Narrenbühne. Flankiert wurden sie vom Zimmerner Bürgermeister Achim Grimm, dem stimmgewaltigen Kruno Zorko und einer ganzen Reihe von Starwars-Kriegern aus der Gänsflitsch-Galaxis. Vom Look her eine ausgefallene Nummer.

Die Hits

  • Helge Tisch legte mit seinem „Fastnachtsprinz“ ein klasse Lied vor. Und die Schuhe! Text, Musik und Arrangement stammen von dem Zimmerner Otto Sorrentino. Ja, aus Zimmern kommt auch Gutes!
  • Ohrwurmcharakter haben die Stücke „Lass die Fastnacht in dein Herz“ (Musik Ralph Siegel, textlich überarbeitet und neugefasst vom Altmeister Jürgen Schaarvogel und arrangiert von Manfred Müller) und „Du hast viel zu lang gewartet“ von Stefan Mann und seinem Ä-Team, dass ohnehin für Stimmung sorgte.

Die Tänze

  • Was wäre die Fastnacht ohne die Garden? Ein närrisches Jubiläum, 4x11 Jahre, konnte die einst von Elke Klenk gegründete und heute von Tanja Siebart und Dagmar Ruißinger geleitete Jugendgarde feiern. Die jungen Mädels sorgten auch gleich für den ersten Lacher: Statt der gewünschten Zugabe tanzten sie von der Bühne runter.
  • Eine Augenweide und mit viel Applaus bedacht: die „Cheerleader“ des Jugendballetts (Leitung Annika Fink, Julia Kern), die „Giraffen“ und „Esmeralda“ des Hofballetts (Leitung Katrin Kern, Svenja Fink). Irre, was da Tolles an Kostümen geschneidert wird.
  • Ein Hingucker der etwas anderen Art sind stets die Heihupper (Leitung Martin Pertz). Sie ließen ihre begnadeten Körper diesmal im Schwarzlicht erstrahlen.
  • Das Finale des närrischen Triathlons leiteten die „Äla-Fetzer“ (Leitung Thilo Falk) ein, die in gewohnter Manier ein Medley der beliebtesten Dieburger Fastnachtsschlager schmetterten und damit das zu Sitzungsbeginn etwas zurückhaltende Publikum endgültig in Sangeslaune brachten. Sie bereiteten auch den Auftritt der Prinzengarde vor. Tempo, Akrobatik, Präzision, ein Lächeln auf den Lippen: so das Erfolgsgeheimnis der starken blau-weißen Truppe.

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