Mitreißende Kindersitzung des Karnevalvereins in der Römerhalle

Die Zukunft der Fastnacht ist gesichert

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Kleine Fastnachter ganz groß – die Dieburger Nachwuchsnarren

Dieburg - „Mer Fassnoachter gäihn tolerant – mit alle Mensche Hand in Hand“ – getreu diesem Motto haben die Nachwuchsnarren des Karnevalvereins Dieburg (KVD) eine gelungene Kindersitzung auf die Bühne der Römerhalle gezaubert.

Der Rahmen hierfür war ideal – als der Elferrat begleitet von der Kinderprinzengarde in den Saal einzog, standen 500 Zuschauer Spalier. Und gleich zum Auftakt am Sonntag wurde das Publikum mit einem schmissig-süßen Tanz der jüngsten Gardisten auf Temperatur gebracht.

Stellvertretend für viele tolle Vorträge: Merle Keller

Mit Spannung wird jedes Jahr erwartet, wer von KVD-Präsident Friedel Enders zum neuen Kinderprinzenpaar inthronisiert wird. Für die laufende Kampagne übernehmen die Regentschaft über die Nachwuchs-Narren: Prinz Ben I. „Spezialist im Handball fangen – Chemie-Gigant vum See der Schlangen“ (Ben Hertkorn) und Prinzessin Lilli-Sophie I. „Flinker Fuß vum Schwimmbad-Acker – Mon Cherie der Haxnknacker“ (Lilli-Sophie Ries). Der Prinz, berichtet Friedel Enders, spielt Handball bei der SG Grüngelb, und „in seinem Lieblingsfach Chemie, ist er ein ganz besonderes Genie“. Auch Prinzessin Lilli-Sophie ist sehr sportlich, spielt bei der DJK Fußball und steht auf den Skiern im Winter, „ohne Witz, da nennt man sie den Pistenblitz.“

Ihre Regentschaft des letzten Jahres ließ das Ex-Kinderprinzenpaar Revue passieren: Julius Gärtner nahm hierfür sogar in Kauf „dass ich Strumpfhosen tragen muss“. Auch für Denise Weyrauch gab es nur eine Antwort auf die Frage, ob sie Prinzessin werden wolle für ein Jahr: „Ja, klar.“

Richtige „Zuggerschneggscher“

Perfekt führte Sitzungspräsident Joris Fries durch die Fastnachts-Show und bewies sogleich bei der Ankündigung des Büttenredners Jermaine Stemmler, dass es die Fastnachter ernst meinen mit der Toleranz: „Lilien, Eintracht, OFC – in Hesse iss de Fußball schee.“ Der „DJK-Fussballer“ konnte sich selbstredend eine paar Spitzen gegen die Lokalrivalen vom SC Hassia nicht verkneifen. Die Blauen, so feixte er, spielen keinen Fußball, sondern „Glücksspiel im Freien“.

Pointiert und mit viel mimischem Talent klärte Merle Keller über die Vorzüge des Thermomix auf, den ihr Papa aus Respekt vor Mamas Nudelholz freiwillig bezahlen musste. „Sogar Papa kann damit kochen“, und die blauen Briefe der Schule werden darin schlichtweg in Konfetti verwandelt.

Kindersitzung des Karnevalvereins Dieburg: Bilder

Toleranz fällt in der Pubertät oftmals schwer, war den Ausführungen von Katharina und Lukas Richter zu entnehmen. So könnten Streitigkeiten um die richtige Kleidung für die Pubertiere zu einer echten Belastungsprobe des familiären Klimas werden.

Ähnlich schwer hat es Nico Zimprich als Erstgeborener in seiner Familie: „Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen, meine Mutter hat eine Schwester nach der anderen geboren.“ Eine der drei, Lieblingsschwester Lia, gab unter den Lachsalven des Publikums im Zwiegespräch mit ihrem Bruder manch lustige Anekdote der sechsköpfigen Fastnachter-Familie zum Besten.

Ein großer Schwerpunkt der Sitzung sind die Kindertanzgruppen des KVD. Es ist stets ein imposantes Bild, wenn die Prinzengarde ihren Auftritt hat. Einmal mehr wirbelte die große Garde im Kreis, ließ die Beine fliegen und zeigte akrobatische Elemente eingebunden in eine lebendige Choreografie. Die Tänze der kleinen und der großen Garde werden unter der Leitung der Kommandantur der Kinder- und Jugendgarde einstudiert.

Die „Kindersingers“ in ihrer Playback-Show

Mit dem Soundtrack des Films „Rocky“ baten die „Boxer“ unter die Regie von Carina Winter, Nathalie Josten und Evelyn Pfeiffer in den Ring. Hier aber waren sie nicht so rustikal wie seinerzeit Filmfigur Rocky Balboa unterwegs, sonders tanzten ähnlich athletisch-filigran wie es der für seinen technisch eleganten Kampfstil bekannte reale Boxer Cassius Clay in seinen besten Zeiten tat.

Frische Bergluft brachten die Tanzmädchen von Silvia Klein und Tina Brand in Form eines flotten Heidi-Tanzes auf die Bühne. Das Ensemble der „Ur-Fassnachter“ (Leitung: Nicole Schmitt und Nadja Allmann) erweckte die Steinzeit zu modernen Musikklängen tänzerisch zum Leben.

Modern kommen stets die „Priga-Jungs & Friends“ (Leitung: Maverick Stemmler, Jessica Stemmler und Michele Enders) daher. Auch in diesem Jahr rissen sie das Publikum mit ihren Freestyle-Tanzschritten im Stakkato zu Beifallsstürmen hin.

Das große Finale auf der Bühne der Römerhalle – mehr Kinderfastnacht geht nicht. Mittendrin das neue Dieburger Kinderprinzenpaar Ben Hertkorn und Lilli-Sophie Ries.

Ein Traum in Türkis und Violett war der Tanz der „Zuggerschneggscher“. Präzision und Anmut geben sich die Hand – ein Beweis für viel Trainingsfleiß, den die jungen Mädchen mit ihren Trainerinnen Dagmar Ruißinger und Tanja Siebart seit dem Sommer an den Tag legten.

Was wäre die Dibboijer Fassnacht ohne ihre Lieder? Den neuen Fastnachtssong „Leg an die Ohren“ intonierte mit viel Rhythmus im Blut Nachwuchssänger Miro Rodrigues. Er wurde tänzerisch begleitet von Naja Josten und Wiebke Stöveken. Mit „Äla-Bumm“ und vielen weiteren bekannten Fastnachts-Ohrwürmern in ihrem Medley erfreuten Luzia Ruißinger und Katharina Richter die Narrenschar.

Einen musikalischen Streifzug aus den 90er-Jahren bis in die Gegenwart unternahmen die „Kindersingers“ (Leitung: Sabrina Brandt, Nina Grimm und Manuela Paul) in ihrer Playback-Show „Mehrgenerationenhaus“. Sie hatten für die Großeltern, Eltern und auch die Kinder die passenden Lieder parat und leiteten das große Finale der Kindersitzung ein. Alle Aktiven kamen auf die Bühne und füllten den Raum noch einmal mit Farben, Musik und Lebensfreude.

Die zweite – ebenfalls ausverkaufte – Kindersitzung ist am Sonntag, 12. Februar, um 14.33 Uhr. J sgd

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