Fastnachtssitzung des KVD

Mit 175 Jahren noch fit für den „Äla-Triathlon“

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Als fesche Bäuerinnen begeisterten die Heihupper das närrische Publikum.   J Fotos (2): Patrick Liste

Dieburg - Mit neuen Impulsen und etwas kürzerem Programm als gewohnt treten die Narren vom Karnevalverein Dieburg (KVD) bei ihrer Fastnachtssitzung in der Römerhalle vor ihr Publikum. Von Matthias Grimm

Am Samstag war Premiere der diesjährigen Kampagne in der ausverkauften „Guud Stubb“. Und nur kurz nach der Weihnachtszeit schlug das närrische Stimmungs-Barometer in der Halle bereits erstaunlich stark nach oben aus – ein gutes Omen für die laufende Fastnachtssaison, in der der KVD unter dem Motto „Mer sinn narrisch, nit ganz kloar – ach in unserm Jubeljoahr“ sein 175-jähriges Jubiläum feiert.

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Kaum hatte der Elferrat mit Sitzungspräsident Bernd Wolfenstädter an der Spitze Platz genommen, entführte das Jugendballett des KVD (Leitung: Jeanette Neumann/Andrea Bausch) das Publikum mit viel Temperament und orientalischem Flair auf eine Reise nach Dubai. Der Tanz „Äla in the City“ zeugt von der großen Klasse der KVD-Nachwuchsarbeit – die Freude am Tanzen war den Mädels während des Auftritts ins Gesicht geschrieben.

Protokoller Friedel Enders setzte in seinem Vortrag auf lokale Themen. Wenig „große“ Politik aus dem In- und Ausland, sondern viele Ereignisse aus der Äla-Stadt ließ er Revue passieren. Er machte sich Gedanken über das Ende des Kapuziner-Klosters, den Abriss der „Inschak-Wohntürme“ und regte sich über die Verkehrszählung an der neu entstandenen Durchfahrtsstraße über den Leer-Parkplatz auf. Für den Triathlon Römerman hatte Enders eine Alternative parat: Ein Römerwoman solle es werden mit den Disziplinen Brustschwimmen „Scheese drigge“ und Shopping. „Einkaufsbummel mit ner Dutt – dess macht aach nit so kaputt.“

„Äla-Triathlon“

Der „Äla-Triathlon“ in der Römerhalle jedenfalls ist der gelungene Mix aus Tänzen, Vorträgen und Gesang. Die Grenzen sind dabei fließend, manche Auftritte enthalten von allem etwas. Die traditionelle „Bütt“ hat in Dieburg nahezu ausgedient – lediglich für den Protokoller wurde sie auf die Bühne gebracht.

Reimakrobatik zauberte Thorsten „Bembi“ Stemmler als Automechaniker auf die närrischen Bretter. „Ich bin de Lothar aus Gotha mim Skoda“. Und dass er als „Dellendoktor“ für den Job „präfektioniert“ ist, bewies er mit originellen Kundentipps: „Wann des Auto en Gaul wär, müsst merrs erschieße.“

Der Geschlechterkampf ist ein Klassiker der „Stand up-Comedy“. Und Monika Schledt kam mit ihren maskulinen und femininen Wortspielen gut rüber. „De Mann iss dumm, die Frau iss schlau, so hat‘s dem liebe Gott gefalle. Seht ihr das auch so in der Halle?“ Hierzu fiel ihr ein, „wie gut es doch ist, eine Frau zu sein“.

Skurrile Erlebnisse

Das Nachwuchs-Duo Sabrina Brandt und Nina Grimm gaben im Dialog skurrile Erlebnisse aus dem Dienst zweier Polizistinnen zum Besten – erzählten von Verhaftungen, Verhören und der „Geschwindigkeitskontrolle Erna“. Während der Sitzung mussten sie mit ihren rosa Plüsch-Handschellen jedoch niemanden in der Römerhalle abführen.

Völlig neu interpretierten Juliane Kempf und Thomas Buchert die Rollen der Dieburger Traditionsfiguren „Gunkes und Bawett“. Die Bawett im Dirndl gekleidet hat Dieburg noch nicht gesehen, womit sie auf die vielen bayerischen Feste in der Fastnachtshochburg anspielte. Gunkes meinte dazu nur, dies sei eine „Fehlfunktion der Weißbierdrüse“. Schwerpunkt ihres Vortrages war aber die Kür des „Königs von Dieburg“. Die Absichten der „Kandidaten“ kommentierten sie stets singend mit dem abgewandelten Song von Rio Reiser: „Das alles und noch viel mehr, deht ich mache, wann ich Könisch vunn Dibborsch wär“. Bawett ließ sich auch nicht aus dem Konzept bringen, als sich während des Auftritts das Oberteil ihres Dirndls auflöste und überspielte das Malheur gemeinsam mit ihrem Gunkes mit großartiger Situationskomik. Der Mut der beiden hat sich gelohnt, sie haben „ihr Ding gemacht“ und damit Gunkes un Bawett neue Frische eingehaucht.

Aufwändiges Bühnenbild

Einem karnevalistischen Variete´ kam der Auftritt der „Hochzeitsplaner“ Matthias Sahm und Bernd Stenner gleich. Tänzerinnen als Brautjungfern (verantwortlich: Melanie Eisentraut), ein aufwändiges Bühnenbild und die perfekte Interpretation der Rollen ergaben einen tollen Mix. Die Hauptakteure Sahm und Stenner brillierten wie gewohnt, doch zeigte auch die „Braut“ Sabine Enders grandiose Bühnenpräsenz. Enders war in dieser Rolle die Inkarnation des herrischen Weibs, das den bemitleidenswerten Gatten (Reiner Eicke) energisch vor den Traualtar zerrt. Für diesen Auftritt gab es stehende Ovationen vom Publikum.

Klaus Gottwald und Jürgen Schaarvogel konnten sich nicht einigen, ob sie als Chinesen oder Schotten auf die Fastnacht gehen. Also trugen sie ihre trocken-witzigen Kalauer kurzerhand als „Chinotten“ vor. Gottwald: „Du bist seit 43 Jahren verheiratet – ist das nicht schön?“ Schaarvogel: „Ja, nicht schön.“ Wie auch immer kostümiert – die beiden bringen ihr Publikum stets zum Lachen.

Bilder der KVD-Sitzung

Fastnachtssitzung des KVD

Was wäre der „Äla-Triathlon“ ohne erstklassigen Tänze und Gesangsdarbietungen? Die Speeslochfinken unter der Leitung von Werner Utmelleki zeigten einmal mehr, warum sie die Hofsänger des KVD sind. Hohe Qualität im Gesang, originell verpackt und variationsreich in den Stilrichtungen. Wo außer in Dieburg ist es möglich, dass der leibhaftige Bürgermeister als Superman verkleidet auf Inlinern rollend den Song „Highway to Hell“ der Hardrock-Band AC/DC interpretiert?

Nicht minder gut waren die Äla-Kepp (Johannes Spieß/Achim Weißbäcker/Christoph Wunderlich) auf ihrer musikalisch-kabarettistischen Reise unterwegs, während der sie gekonnt die Protagonisten der großen Politik und die „Schlackehäuser“ aus Groß-Zimmern auf die Schippe nahmen. Die Äla-Kepp begaben sich mit schmissigen Melodien auf die Suche nach einem neuen Kerbmädchen: „Zimmner Mädchen machen mich verrückt, Zimmner Mädchen hat der Himmel geschickt“ und ihre Nachhilfe in Sachen Zimmner Kerb kam in Dibborsch bestens an.

Selbst komponiert, selbst den Text geschrieben und den Fastnachtsschlager „Alte Lieder“ persönlich interpretiert hat Stefan Mann, Andreas Zimmer stellte den Schlager „So lange uns koaner die Fastnacht nimmt!“ vor. Jürgen Schaarvogel sang mit zahlreichen Mitstreitern der Dieburger Fastnacht das Geburtstagslied „Äla Äla“. Die schwungvollen Schlager stehen in der Fastnachtssitzung im Einklang mit den phantasievollen Tanzdarbietungen. Das Hofballett (Leitung Annika Fink und Lena Göbel) brillierte mit seinem Matrosentanz und seiner Tagesschau-Show. Diesen Tanz brachten das Hofballett, das Jugendballett und die Männer von den Heihuppern gemeinsam auf die Bühne – ein imposantes Bild für die Zuschauer. Herrlich ist anzusehen, wie sich die Heihupper (Leitung: Reiner Eicke) in Gummistiefeln und Dirndl bei ihrem Bauernhoftanz im Reigen drehten.

Das Finale des närrischen Dreiklangs von Rede, Gesang und Tanz leiteten die „Äla-Fetzer“ ein, die in gewohnter Manier ein Medley der beliebtesten Dieburger Fastnachtsschlager in den Saal schmetterten und damit die Stimmung für den Auftritt der Prinzengarde bereiteten. Der Gardetanz bestach durch Tempo, Akrobatik gepaart mit hoher Präzision. Niemanden im Publikum hielt es in den finalen Minuten der Sitzung auf den Sitzen, bevor Präsident Bernd Wolfenstädter nach gut sechs Stunden den Vorhang mit den Worten schloss: „Es iss jetzt Schluss, weil irgendwann mal Schluss sein muss“.

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