Fastnachtsumzug in Dieburg

Feuer und Flamme

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Mitten im Frühling fand dieser Umzug statt: Diese beiden charmanten „Gadde-Gards“ („Brunnebuzzer“) beweisen es.

Dieburg - Wer strahlte da mehr? Die Frühlingssonne oder die Gruppe junger Männer am Straßenrand, die angesichts der Temperaturen auf ihre Wadlstrümpf zur Lederhose verzichtet hatten? Von Lisa Hager

So war es auch kein Wunder, dass viele Blumen auf zwei Beinen zur überwältigenden Farbenpracht des Gaudiwurms beitrugen. Beim Umzug blieben keine Wünsche offen – entsprechend gut gelaunt zogen die rund 3000 Aktiven durch die Straßen. Feuer und Flamme für die Fastnacht kam da zur Sonne noch hinzu, was sich auch in manchen Gruppen optisch bemerkbar machte. Zudem tummelte sich allerhand fantasievolles Getier auf der Straße, die Libellen der „Quärtreiwer“ bewegten ebenso anmutig ihre Flügel wie die Elfen der „Schnorrnbrescher“.

Und an knallgrünen Froschkönigen samt dazu gehörigen Prinzessinnen war auch kein Mangel. Mit Hexen, Zauberern, Schlossgeistern, Schamanen und weißen Masken über feinen Rokoko-Gewändern hielten geheimnisvolle Mystik und der morbide Charme des Karnevals in Venedig Einzug. Ein buntes Multi-Kulti--Gemisch aus Indianern, Lappen, Hunnen, Indern, Chinesen und internationalen Räubern hatte eine gemeinsame Sprache gefunden: Äla!!!

„Alte Technik im neuen Gewand“

Pinocchios mit langen Nasen zogen in mehreren Gruppen mit, dazwischen Wassermänner mit blaulippigen Nixen. Wer die Haare nicht schön hatte, konnte sich an die Friseure der „Boozemänner“ wenden. Mit viel Applaus wurden die Gruppen bedacht, die mit Live-Bands selbst für Stimmungsmusik sorgten. Die eleganten Damen und Herren der „Haxnknacker“ legten dank eigener Jazzcombo – ganz im Stil des „Großen Gatsby“ – sogar einen Charleston aufs Pflaster.

Das Äla im Bauchladen? Nein, die „Krebbelschnude“ brachten mobile Spültische mit. Sie sorgen stets für den besonderen Flair des Dieburger Umzugs: die gut gelaunten Fußgruppen, die mit Mann, Maus und Kegel auf der Gass’ sind. Am Dienstag strahlten die Narren mit der Sonne um die Wette.

„Alte Technik im neuen Gewand“ bot der Steam-Punk der „Ourumpel“. Dann ging sogar die Äla-Post („Huppedackel“) ab – und die Postboten versicherten: „Du musst dich um nichts kümmern, wir liefern, wenn’s soi muss, sogar nach Zimmern“. Erstmals dabei war Landrat „Pit“ und sein Bauarbeiter-Team aus der Albinistraße. Einen überdimensionalen Elefanten führten die „Bleschohrn“ beim „Großen Lauschangriff“ spazieren und die Säbelgarde versuchte als Bobfahrer-Team aus Jamaica nachträglich Olympische Medaillen zu erhaschen. Die „Ballermänner“ zauberten sich selbst als Häschen aus dem Hut und die Schlangenbeschwörer der „Schessmelle“ hatten ihre Kriechtiere um den Hals gewickelt. Als Absätze riesiger Stöckelschuhe zogen die feurigen „Krummtrährer“ mit.

Umzug durch Dieburg 2014

Umzug durch Dieburg

Zugmarschall Bernd Hackenberg, der mit 66 Jahren seinen 66. Zug dirigierte, konnte vollauf zufrieden sein. Das ein oder andere Küsschen von Närrinnen – auch eine Geisha war darunter – hat er sich redlich verdient.

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