„Fehler, aber ohne Vorsatz“

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Dieburg - Das Hochzeitspaar und seine Gäste sollten die Himmelslaternen erfreuen, die am späten Samstagabend ein Teil der Hochzeitsgesellschaft vom Park des Schloss Fechenbachs, in dem die Feier stattfand, in die Höhe steigen ließ. Doch leider sind die Laternen, in deren Innerem ein kerzenähnlicher Brennstoff für den Heißluftballoneffekt sorgt, brandgefährlich. Von Laura Hombach

Eine Risiko, das immer wieder unterschätzt wird, wie Unfälle mit den Laternen immer wieder zeigen - an Pfingsten starb etwa im nordrhein-westfälischen Siegen ein zehnjähriger Junge bei einem von einem Luft-Lampion ausgelösten Wohnungsbrand.

Auch in Dieburg endete das Spiel mit dem Feuer tragisch - mit einem nach ersten Schätzungen 250 000 Euro hohen Sachschaden, glücklicherweise aber ohne Verletzte. Zwei der Laternen, die auf eine Balkonüberdachung zwischen zwei Häusern in der Steinstraße 18 und 20 fielen, lösten dort vermutlich einen Brand aus (der DA berichtete). Die Ermittlungen der Polizei zur Brandursache dauern derzeit noch an.

Bilder von den Löscharbeiten

Großbrand durch Himmelslaternen

Ein im DA zitierter Augenzeuge - ein Anwohner, der aufgrund der baulichen Dichte befürchten musste, dass auch sein Haus Feuer fangen könnte - hatte in seiner Schilderung der Ereignisse von freudigem Gejohle der Hochzeitsgesellschaft angesichts der zwei abgestürzten Laternen und einer Flucht der Beteiligten vom Ort des Geschehens gesprochen.

Dieser Interpretation der Ereignisse widersprechen die Hochzeitsgäste deutlich. Vielmehr sei auch vom Schloss Fechenbach aus die Feuerwehr alarmiert worden. „Ich habe zusammen mit anderen Passanten eine Bewohnerin aus dem Haus geholt“, erwehrt sich ein Hochzeitsgast des Eindrucks, die Hochzeitsgesellschaft hätte entweder die Flucht ergriffen oder sich nicht weiter um den Brand gekümmert.

Vielmehr habe große Betroffenheit unter den Festteilnehmern geherrscht, so der Gast, es hätte sogar einige Nervenzusammenbrüche gegeben und viele der Gäste hätten zu helfen versucht.

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Tatsächlich hätten Festteilnehmer den Ort des Geschehens verlassen, bestätigt ein anderer Gast den Eindruck des Augenzeugen, allerdings seien das Familien mit Kindern gewesen, die ihre Kleinen davor schützen wollten, die Katastrophe live miterleben zu müssen. „Was da passiert ist, war ein entsetzlicher Fehler, aber sicher ohne Vorsatz“,kommentiert dieser Hochzeitsgast das Geschehen. In Hessen ist das Steigenlassen von Himmelslaternen im Gegensatz zu Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nicht verboten. Lediglich die Benachrichtigung der deutschen Flugsicherung in Langen ist erforderlich. Einer Genehmigung bedarf eine solche Aktion nicht, die Kommune kann bei Anfragen nur vor den Gefahren warnen.

Was in diesem Falle auch geschehen ist, wie der stellvertretende Ordnungsamtleiter Bernd Beilstein erklärt. Eine Verwandte des Brautpaares habe eine Anfrage per E-Mail gestellt und der Bräutigam selbst habe Beilstein darauf angesprochen. In beiden Fällen habe er vor den Gefahren gewarnt. Bis zur fahrlässigen Brandstiftung und einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren könnten die Folgen einer solchen Aktion reichen, hatte Beilstein mit auf den Weg gegeben.

Dass eine solche Warnung an einem Tag, an dem alle guter Dinge sind und gemeinsam ein glückliches Brautpaar feiern wollen, schnell in Vergessenheit geraten kann, hat der Brand am Samstag bewiesen.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas hofft deshalb auf ein Verbot der Himmelslaternen auf Landesebene. Ein Verbot auf kommunaler Ebene würde seiner Ansicht nach wenig bringen, da dann weiter Laternen aus den Nachbargemeinden nach Dieburg fliegen könnten.

Trotzdem will er fürs erste erreichen, dass der Dieburger Magistrat zumindest ein Verbot für den Start der Laternen von öffentlichem Gelände aus ausspricht.

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