Wie feiert ihr Ostern?

Dieburg - (hov) Während am Aschermittwoch für die Erwachsenen erst einmal alles vorbei war, fing für die Kinder im katholischen Kindergarten St. Martin eine ganz andere, spannende Zeit an. „Wir feiern ausgiebig Fastnacht, danach beginnt am Aschermittwoch mit dem Verbrennen der Luftschlangen die Vorbereitung auf Ostern“, sagt Kita-Leiterin Christiane Bubach.

Vier Wochen lang haben die acht Erzieherinnen ihre 70 Schützlinge behutsam an Themen herangeführt, die selbst viele Menschen mit sehr viel mehr Lebenserfahrung eher scheuen: Verzicht, Teilen, Gebet und Tod. Und das nicht nur in der grauen Theorie. „Um den Kindern zu vermitteln, wie wichtig beispielsweise das Teilen ist, stehen wir in engem Kontakt mit der Dieburger Tafel“, erklärt Bubach. „Wir sammeln Lebensmittel und bringen sie gemeinsam hin.“ Sicherlich nicht alltäglich ist auch der Weg, auf dem die Kita ihre Schulanfänger zum Thema Tod unterrichtet: Ein Besuch beim Bestattungsunternehmen Braun. Berührungsängste bei den Kindern? Fehlanzeige. „Nur einige Eltern sehen die Aktion mit Skepsis, während andere sie ganz toll finden“, so die Kita-Leiterin. Auch die Karwoche begleitet die katholische Kita mit diversen Aktionen: eine kleine Palmprozession rund um die Kindergartenanlage an der Fröbelstraße mit selbst gebastelten Palmstecken und Buchsbaumzweigen für die Kleinsten, ein von Eltern inszenierter Einzug in die Stadt Jerusalem, eine Abendmahlfeier am Gründonnerstag - samt Händewaschung, selbst gebackenem Brot und Traubensaft. „Mit Jesu Leiden auf dem Kreuzweg werden wir uns allerdings erst nach den Feiertagen beschäftigen, denn wir wollen die Kinder nicht deprimiert in die Ferien schicken“, sagt Bubach.

Neben den ernsten Themen darf natürlich in St. Martin auch das obligatorische Osterbasteln nicht fehlen. „Das wird aber leider auch immer schwieriger“, bedauert Bubach. „Echte Eier färben wir beispielsweise kaum noch, denn strenge Hygienevorschriften besagen, dass Eier zunächst mit 60 Grad gereinigt werden müssen, damit die Kinder keine Salmonellen kriegen.“ Daher falle die Wahl beim Basteln immer öfter auf Styroporeier.

Auch in den anderen Dieburger Kindergärten beschränkt sich die Ostervorbereitung nicht aufs Frühlingsbilder malen, Eier färben oder aufs Basteln von Ostergeschenken für Mama, Papa und die Großeltern. Der katholische Kindergarten St. Josef und die evangelische Kita „Am Ruhbäumchen“ vermitteln das Wissen über Ostern durch direkte Anschauung: Geschichten über Jesu Leidensweg bis zur Auferstehung werden nicht nur erzählt, sondern ganzheitlich erarbeitet. „Beim Thema Kreuzweg dürfen die Kinder vorsichtig pieksige Zweige in die Hand nehmen“, so Juliane Brechtel, Leitung in St. Josef. „Für jedes Leid, was sie erlebt oder von dem sie gehört haben, dürfen sie einen Zweig ablegen. So stellen wir den wichtigen Bezug zum Alltag der Kinder her.“ Im Ruhbäumchen hat Erzieherin Karin Gläser die Ostergeschichte für die 75 Kinder ähnlich erfahrbar gemacht - etwa mit einem Kreuztanz, durch Geschichten und gemeinsames Singen. Das Highlight für die Kleinen ist aber stets die Ostereiersuche auf der Wiese und das große gemeinsame Agapemahl. Denn trotz aller gelungenen Ostervorbereitung - natürlich sind die Tage, die jetzt kommen, noch ein bisschen interessanter für die Kids. Berge von Schokoladeneiern gehören zwar nicht zu den christlichen Traditionen, aber für die reine Lehre bleibt wohl in späteren Jahren noch genug Zeit.

Das obligatorische Färben der Eier darf für die Kids vor Ostern nicht fehlen. Turkan (6, links) „findet´s richtig cool“, und auch die anderen Kinder der „Dinogruppe“ der evangelischen Kita „Am Ruhbäumchen“ haben Spaß.

Palmprozession und mehr: Nicht nur die 70 Kinder des katholischen Kindergartens St. Martin werden behutsam und intensiv auf das Osterfest vorbereitet. Fotos: Hoven

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