Feldküche als ein entscheidender Wachstumsfaktor

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Till Neumann (von links), Albrecht Dienst und Tom Kirschstein beim Betrachten alter „Priga“-Fotos.

Was gibt es Schöneres, als sich selbst zu feiern? Genau das tut die Prinzengarde Dieburg in diesem Jahr mit besonderer Vehemenz: Vom 18. bis 20. Juni wird ein Grundstück in der Albinistraße zum Festgelände anlässlich des Jubiläums „60 Jahre Dieburger Prinzengarde“. Drei Tage voller Musik, Unterhaltung, sportlichem Wettstreit und kulinarischer Angebote stellt die „Priga“ auf die Beine, um sechs Jahrzehnte im Dienst der Dieburger Fastnacht und ihrer Tollitäten gebührend zu begehen. Im Vorfeld des Ereignisses blickt der DA in drei Teilen in die Geschichte der Garde. Heute werden die 70er und 80er Jahre beleuchtet.

Dieburg (jd) ‐ „Wir sind die Elite-Abteilung des KVD“, sagt Dieter Tom Kirschstein mit dem Ernst, der eines Generalobersts a. D. würdig ist. Na gut, ein Lächeln fliegt ihm dabei doch über das Gesicht. Einen eigenen Vorstand habe man, eine eigene Website – „nur Geld haben wir keins“, fügt er hinzu und vorbei ist es endgültig mit der Seriosität.

Es wird reichlich geflachst, wenn sich Mitglieder der Dieburger Prinzengarde wie Major Albrecht Dienst, Pressewart Till Neumann und eben jener Kirschstein über sich selbst unterhalten. Spaß ist natürlich wichtig, die Eigenständigkeit der Garde im Verein betonen die drei dann aber doch mit Entschiedenheit.

Kirschstein erster Prinz aus der Garde

Wenn es um den Zeitraum von 1970 bis 1990 geht, sind insbesondere Dienst und Kirschstein ein Kompetenzteam, das erschöpfend Auskunft geben kann. Drei Jahre zuvor, 1967, war Kirschstein der erste Fastnachtsprinz, den die Garde hervorbrachte. Etliche Tollitäten folgten, zuletzt die amtierende Prinzessin Melanie Eisentraud. Mehr als zwei Dutzend Prinzen und Prinzessinnen aus den Reihen der Männer und Frauen in Blau-Weiß mögen es bis heute insgesamt gewesen sein.

Waren die 50er und 60er Jahre die Zeit des Wohlstandswachstums in der Bundesrepublik, darf man die 70er und 80er getrost als starke Wachstumsjahre der Dieburger „Priga“ bezeichnen. „Wir sind durch die Feldküche groß geworden, mit der wir etwa einen Schützenverein aus Ober-Roden, vor allem aber das Schlossgartenfest bewirtet haben“, sagt Kirschstein. So war man stets präsent, zahlreiche Eintrittserklärungen wurden auf Bierdeckel geschrieben. Die hat Kirschstein heute noch in seinem Archiv, ebenso etliche andere Dokumente aus der „Priga“-Historie.

Wenn im Juni das dreitägige Fest zum 60-jährigen Bestehen der Garde steigt, ist das derweil keine Premiere in dieser Größenordnung, wie Albrecht Dienst unterdessen erläutert. „Wir haben auch früher schon Jubiläen über drei Tage gefeiert“, sagt er. In bester Erinnerung geblieben ist ihm etwa das 22-jährige Bestehen, das die „Priga“ 1972 am Spießfeld feierte. „Da haben die Leute kilometerlang beim Essen angestanden“, erinnert sich auch Kirschstein noch gut daran.

„Schutz der Prinzengarde“ überzeugt

Vor allem aber: Damals wie heute stand die Garde fest zusammen. Während sich die Bundeswehrsoldaten in der Truppe zu Fastnacht stets freistellen ließen, hatten es die Lehrer da nicht so leicht. Aus seinen Unterlagen kramt Kirschstein ein Schreiben hervor, das die Garde im Jahr 1976 verfasste. „Bitte erschrecken Sie nicht, Sie sollen nicht bei uns rekrutiert werden“, beginnt der Brief an den Leiter einer Schule in Hofheim im Taunus. Den wollten die Dieburger schriftlich überzeugen, ihren Weggefährten Georg Kiefer doch für den Fastnachtszug vom Unterricht zu befreien – eine Mission, die die Garde erfolgreich abschloss. Der wichtige „Schutz der Prinzengarde“ als Argument überzeugte auch den – sicherlich ob der rührigen Narren schmunzelnden – Schulleiter.

Diese Geschichte entstammt einer Zeit, in der die Pfarrer Richard Neumann und Kurt Weinschenk als Feldgeistliche wirkten, wie Dienst, Neumann und Kirschstein weiter berichten. Daneben habe man auch Feldärzte gehabt, zudem auch immer wieder Ehrengäste wie Staatssekretäre, Landräte und Bürgermeister begrüßt. Dennoch schmückt sich die Dieburger Prinzengarde weniger mit prominenten Namen, als dass sie Brauchtum und sich selbst feiert. Über die Aktivitäten der jüngeren Vergangenheit sowie der Gegenwart informiert in einer der folgenden Ausgaben der dritte Teil unserer Serie.

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