Halbzeit

Sommerferien mit Herbstgeschmack

Dieburg - Das Schwimmbad ist leergefegt, die Spielplätze sind verlassen und auf den Stühlen vor den Eiscafés nehmen vor allem die Regentropfen Platz. So sehen nicht nur die typischen Tage im Herbst aus. So sehen bislang auch die meisten Tage der Sommerferien aus. Von Bettina Link

Die Saison von Bikini und Sonnenmilch lässt zu wünschen übrig. Statt der Badehose gehört der Regenschirm zum treuen und täglichen Begleiter, statt des Sommerkleids wird die Jacke wieder aus dem Schrank gekramt. Wer im Urlaub nicht in wärmer Gefilde flüchten kann, muss mit Regen und kühlen Temperaturen vorlieb nehmen.

Dieses Wetter drückt nicht nur Sonnenanbetern aufs Gemüt, sondern trübt auch die Stimmung im Freibad. „Es läuft noch schlechter als im vergangenen Jahr“, sagt Wolfgang Dörr, Fachbereichsleiter der Öffentlichen Einrichtungen. Die Schwimmbad-Gäste sind anspruchsvoll: „Ist es sonnig und kühl, kommt keiner, ist es heiß und bewölkt, kommt auch keiner“, fasst Dörr die Misere zusammen. Heiß und sonnig muss es sein. Dass es bisher nur sehr wenige dieser Tage gab, zeigt gnadenlos die Besucherstatistik, die Schwimmmeister Wolfgang Storck auf seinem Computer öffnet. Sein Blick auf die Zahlen spricht Bände: Nur 27. 000 Besucher sind in dieser Saison bislang gekommen. Schon 2011 besuchten insgesamt nur 55. 000 Schwimmer das Bad. „Jetzt sind wir froh, wenn wir an diese Zahl noch herankommen“, sagt Storck, der schon 38 Jahre im Dieburger Schwimmbad arbeitet. Das Wetter muss sich also noch ins Zeug legen, damit außer den Stammgästen, die bei Wind und Wetter ihre Runden im Becken drehen, noch andere Gäste kommen. Storck hofft, dass der August noch aufholt. Zum Vergleich zeigt der Schwimmmeister die Zahlen von 2003, die ihn nur aufstöhnen lassen: 150 .000 Besucher zeigt die Jahresbilanz. Im Juni 2003 kamen so viele Gäste, wie vergangenes Jahr insgesamt.

Decken auf der Liegewiese sind überschaubar

Der Mittwoch in der dritten Ferienwoche zählte noch zu einem der besseren Tage. Ein Blick über die Schwimmbecken und die Liegewiese zeigt, was das heißt: Acht Badegäste im Schwimmerbecken. Ein paar tobende Kinder im Planschbecken. Immerhin: An der Rutsche muss keiner anstehen. Die Decken auf der Liegewiese sind überschaubar. Dafür strahlt der Rasen in einem satten Grün. Der Rasenmäher wird hier bald öfter gesehen als die Badbesucher.

Denn was den Badegästen den Schwimmspaß verdirbt, freut die Natur: Wiesen und Pflanzen blühen bei dem vielen Regen erst richtig auf. So kann das Gartenamt zumindest beim Bewässern sparen. Das bedeute aber nicht weniger Arbeit für die Gärtner, wie Dirk George vom Gartenamt erklärt: „Unsere Aufgaben haben sich wetterbedingt verschoben. Zwar müssen wir nicht mehr viel gießen, aber mit Unkrautjäten und Rasenmähen kommen wir kaum noch hinter her, weil alles so schnell wächst.“ Immerhin seien die Temperaturen für das Arbeiten im Freien angenehm, auch wenn sich George persönlich einen sonnigeren und wärmeren Sommer wünscht.

Eins kann den Dieburgern das Wetter aber nicht vermiesen: Eisessen. Da ist sich Nino De Lucia vom Eiscafé Rialto sicher. „Auf der Terrasse sitzen zwar nicht viele, aber das Eis schmeckt den Gästen auch im Regen.“ Nicht anders ist es im Eiscafé Venezia. Auch zum Freibadbesuch haben viele eine Alternative gefunden: das Spießfeld. „Die Grillplätze sind immer ausgebucht“, so Dörr. Dass die Grill-Lust ungebrochen ist, bestätigt auch Tobias Reuling von der Metzgerei „Zur alten Schmiede“: „Egal, wie das Wetter ist, gegrillt wird immer.“ Reuling ist davon überzeugt, dass es keine Grillsaison mehr gibt, „viele grillen sogar im Winter.“ Vielleicht kommt mit der zweiten Hälfte der Ferien ja doch noch die echte Saison zurück - die Prognosen jedenfalls sehen nicht ganz so schlecht aus.

Rubriklistenbild: © bl

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