Ferienjob „Unkrautvernichter“

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Premiere: In diesem Jahr helfen elf Schüler den Bauhof-Mitarbeitern bei der Unkraut-Bekämpfung in Dieburg.

Dieburg ‐  Sind das gemeinnützige Stunden, weil jemand zum Strafdienst verdonnert wurde? Oder wird sich in vorbildlicher Weise für die Gesellschaft engagiert?  Von Michael Just

Wenn Jugendliche mit Spitzhacke und Rechen - wie derzeit in Dieburg zu sehen ist - dem Unkraut zu Leibe rücken, geht in den Köpfen der Passanten so einiges vor. Dabei ist die Lösung einfach: Hier sind Ferienjobber am Werk.

Zum ersten Mal hat die Stadt dieses Jahr Schüler gesucht, die sich in den Sommerferien beim Bauhof etwas dazu verdienen wollen. Die Aufgabe: Die Mitarbeiter vom Gartenamt beim Kampf gegen den Wildwuchs in den Beeten und Kübeln der Park- und Gartenstadt zu unterstützen. Das Grün wächst nämlich schneller als die Bediensteten mit dem Entfernen hinterherkommen.

„Wir haben elf Jugendliche. Alle arbeiten drei Wochen, die einen die erste Hälfte der Sommerferien, die anderen die zweite“, so Daniel Accaino von der Personalabteilung im Rathaus. Wie er sagt, hätten fast 30 Anfragen vorgelegen. Angestrebtes Ziel sei neben der Unkrautbekämpfung an vielen Orten der Stadt, den Schlossgarten für das gleichnamige Fest auf Vordermann zu bringen.

„Besser als jeder Sport“

Am Donnerstagmorgen sind Carina (16), Ben (16) und Stefanie (17) mit Bauhof-Mitarbeiter Bernd Scheuermann in der Rheingaustraße kurz vor der Einfahrt zum Südwestring zugange. Die Ladefläche des Transporters ist kurz vor 11 Uhr randvoll mit Unkraut gefüllt.

Ob das Jäten anstrengend ist, will der Reporter von den Schülern wissen. Die Antworten sind nicht einhellig: Sie reichen von „geht so“ bis zur ironischen Feststellung, „besser als jeder Sport“. Neben dem Mitbringen von Ausdauer ist es für den Job ratsam, kein Langschläfer zu sein. „Wir fangen um sechs Uhr an“, so das Trio - also zur gleichen Zeit wie die Bauhof-Mitarbeiter. „Nach der Arbeit wird erst mal geschlafen“, wirft die 17-jährige Stefanie ein. Der Job für die Schüler ist auf sechs Stunden begrenzt, um 12.30 ist Feierabend. Dazwischen gibt es eine halbstündige Frühstückspause. „Die muss eingehalten werden“, erklärt Scheuermann die Vorschriften.

„In der Regel holen wir uns dann was vom Bäcker“, sagt Ben. „Meistens Croissants“, ergänzt Kollegin Stefanie. Der französische Blätterteig hebt sich deutlich von den Essgewohnheiten der Bauhof-Mitarbeiter ab. „Mit Blut- und Leberwurst habt ihr es nicht so?“, will der Mann mit dem Schnäuzer wissen. Die Jugendlichen schütteln sich bei der Frage.

Der nächste Ferienjob im Sitzen zu erledigen

Unterschiede gibt es auch beim Arbeits-Dress: Während der Bauhof-Vertreter mit seiner langen Hose keine Haut zeigt, ist das bei seinen Helfern nicht der Fall: Die beiden jungen Frauen sind mit kurzen Shorts und ihren Tops sommerlich gekleidet. Das feste Schuhwerk, das nach Wanderstiefel aussieht, hat Stefanie von ihrem Vater ausgeliehen. Die weißen Exemplare von Carina vermitteln auf den ersten Blick eher den Eindruck von Halbschuhen. Aber die Farbe täuscht: Es sind Sicherheitsschuhe, die sogar über Stahlkappen verfügen. Ein Freund hat sie ihr geliehen.

Die Jugendlichen sind über die Zeitung auf den Job aufmerksam geworden. Auch Stefanie, die aus Reinheim kommt. Nach fast drei Wochen Arbeit kennt sie sich mittlerweile in Dieburg ganz gut aus: Sie war schon in der Ketteler Straße, der Groß-Umstädter Straße und auf dem DJK-Sportplatz zugange. Wie die zukünftigen Abiturienten sagen, sehe es mit Ferienjobs derzeit nicht so rosig aus. Alternativen hätte es zu dem ausgewählten Angebot kaum gegeben.

Alle arbeiten nur die ersten drei Ferienwochen und die sind jetzt rum. Ben freut sich auf zwei Wochen Urlaub in Kreta. Für die beiden Mädchen hat die Arbeit beim Bauhof eine andere Option eröffnet: Sie wurden gefragt, ob sie sich auch vorstellen können, im Schwimmbad die Kasse zu machen. Die Antwort lautete ja, so dass bereits ab diesem Wochenende der Ferienjob bei der Stadt im Sitzen weitergeht.

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