Schnellverbindung zwischen Dieburg und Darmstadt?/ Anschub durch Verleih, E-Bikes

Fernziel: Mehr Studenten aufs Fahrrad locken

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Wollen mehr Studenten aufs Rad bringen: Studentin Beate Burkhardt, Verkehrsplaner Uwe-Christian Petry und Bürgermeister Dr. Werner Thomas (rechts). Ganz links ein TU-Austauschstudent aus dem russischen Uljanovsk, der mit fünf Kommilitonen mehrere Wochen lang die Radwege in der Region getestet und Burkhard ebenfalls Informationen für ihre Arbeit geliefert hat.

Dieburg (jd) ‐   Bürgermeister Dr. Werner Thomas war genau der richtige Gastgeber für das Vorhaben, das im Rathaus am Montagmittag den Medien präsentiert wurde: die Einrichtung einer Radschnellverbindung zwischen Dieburg und Darmstadt, vor allem zwischen den Standorten der Hochschule Darmstadt.

„Ich bin die Strecke früher oft durch den Wald gefahren und nur auf den Radweg ausgewichen, wenn ich den Zwirn anhatte“, sagte Thomas, der für seine Liebe zum Rad bekannt ist und als früherer Schulleiter in Darmstadt regelmäßig auf das beliebte Fortbewegungsmittel zurückgriff.

Genau das sollen auch die Studenten des Campus' Dieburg zukünftig verstärkt tun - mindestens aber die Option haben, zwischen Vorlesungen und Seminaren komfortabel in die Pedale zu treten. Denn mancher Studiengang der ehemaligen FH Darmstadt, die neben Hochschule Darmstadt heute den Zusatz „University of Applied Sciences“ (Hochschule der angewandten Wissenschaften) trägt, bringt es mit sich, dass Veranstaltungen am selben Tag sowohl in Dieburg als auch in Darmstadt stattfinden. Liegt dazwischen ein freier Block, ist mit zwei Stunden - 90 Minuten Veranstaltung plus 15 Minuten Pause davor und danach - ausreichend Zeit, die knapp 20 Kilometer mit dem Rad zurückzulegen.

Noch ist das allerdings keine studentische Massenerscheinung, obwohl vor allem der Radweg an der Nebenstrecke über Moret und vorbei am Oberwaldhaus beste Fahrbedingungen bietet.

An der Steigung zwischen Darmstadt und Dieburg komme zwar niemand vorbei, auch wenn er über Roßdorf fahre, sagte Uwe-Christian Petry, der sich seit 15 Jahren unter anderem um die Planung des Radwegenetzes in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg kümmert. Es sei denn, man denke über eine weitere Verbindung entlang der Bahntrasse, die meist durchgängig flach verlaufe, nach.

Diesen Gedanken gab der Diplom-Ingenieur auch der Studentin Beate Burkhardt mit, die an der Hochschule Darmstadt Bauingenieurwesen mit Fachrichtung Verkehrswesen studiert. Eben zum Thema Radschnellverbindung Dieburg-Darmstadt verfasst die Arheilgerin aktuell ihre Diplomarbeit, fand mit ihrer Bitte um Austausch im Dieburger Rathaus ein offenes Ohr. Unterstützt wird sie zudem stark von Professor Klaus Habermehl, der die Fächer Verkehrswesen, Straßenplanung und Geodäsie (Messen und Abbilden der Erdoberfläche) lehrt.

Die Grundgedanken, die Burkhardt, Petry und Thomas am Montag auch gegenüber Fernsehen (Rhein-Main TV) und Radio (HR) äußerten: Es könnte durchaus ein größerer Bedarf bei den Studenten bestehen, optimale oder landschaftlich reizvolle Routen mit Einkehrmöglichkeiten zwischen Dieburg und Darmstadt zu kreieren. Dazu gibt es aber noch keine valide Erhebung, bisher lediglich Stichprobenbefragungen Burkhardts.

Unter Umständen schneller als RMW

Der Radverkehr sei günstiger, wobei die Studenten ohnehin ein RMV-Ticket mit ihren Semestergebühren erwerben. Unter Umständen könne der Weg mit dem Rad auch schneller zurückgelegt werden, weil Warte- und Umsteigezeiten entfielen - je nach Tempo in 35 bis 60 Minuten. „Wir schätzen, dass es unter den Dieburger Studenten rund 800 potenzielle Radler gibt“, so Petry. Berücksichtigt sind dabei auch jene, die ausschließlich in Dieburg studieren, aber in Darmstadt und den Stadtteilen wohnen.

Einen weiteren Schub für das Vorhaben verspricht sich Petry davon, dass die Hochschule nun erste E-Bikes angeschafft hat. Nach und nach sollen Fahrräder und E-Bikes angeboten werden, die am einen Campus genommen und am anderen wieder zurückgelassen werden können - für Fahrten, auf die keine Rückfahrt folgt.

Die Melange aus diesem Plan, dem bestehenden Wegenetz und dem, was Burkhardt nun ersinnt, soll das Angebot optimieren und ganz nebenbei gesündere und fittere Studenten bringen.

Überhaupt sei ein gutes Radwegenetz ein wichtiger Standortfaktor, betonten Petry und Thomas. Jeder hier investierte Euro amortisiere sich und bringe auf lange Sicht sogar Gewinne.

Was die Beschilderung betreffe, seien Kreis und Stadt Darmstadt ohnehin vorne dran. Petry: „Bei der Schilderdichte und Wegweisung sind wir in Deutschland das Non-plus-ultra.“

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