Festival „Traffic Jam“

Vollgas ab Mitternacht

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Den rockigen Auftritt von „Kmpfsprt“ verfolgten viele Besucher lieber vom Schatten aus.

Dieburg - Festival, Bier sowie Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wie in den Tropen – eine gefährliche Mischung, müsste man meinen. Überraschend gut steckten die am Freitag und Samstag allerdings die Besucher des 14. „Traffic Jams“ weg. Von Jens Dörr

In der Gluthitze rockten mehrere tausend Fans der härteren Klänge tagsüber mit angezogener Handbremse, um dann spätestens zu den Headlinern gen Mitternacht vor der Bühne Vollgas zu geben. So wurde es nicht nur ein recht friedlicher, sondern sogar für die Rettungskräfte relativ entspannter „Verkehrsstau“, den der Dieburger Verein „Schallkultur“ dem Unwetterchaos des Vorjahres zum Trotz auf die Beine gestellt hatte. „Wir haben sogar weniger zu tun als in den Vorjahren“, freute sich Dominik Sachs, Sprecher der Johanniter Unfall-Hilfe am Samstagabend. Die Johanniter waren mit 19 ehrenamtlichen Kräften vor Ort, hatten sich von der Fahrradstaffel Nieder-Roden eigens drei Drahtesel besorgt, um auch den einige hundert Meter nördlich des Festivals gelegenen neuen Campingplatz II schnell und bequem zu erreichen.

Nur zweimal den Rettungswagen benötigt

2012 etwa habe man am Freitag und Samstag sechsmal den Rettungswagen losschicken müssen. Am Samstagabend war der Rettungswagen gerade zum zweiten Mal gen Krankenhaus entsandt worden. Und dies auch eher als Vorsichtsmaßnahme, wie der Johanniter erläuterte. Auf dem Gelände selbst seien meist nur kleinere Malheure wie Kreislauf-Probleme und Bienenstiche zu verarzten. Schnittwunden gehören ab und an auch dazu, wobei das Festivalgelände an sich ziemlich scherbenfreie Zone war: Mitgenommen werden durften dorthin, wo die Musik spielte, nur Tetra Paks mit Alkoholfreiem. Auf den beiden Campingplätzen galt eine Fünf-Liter-Beschränkung. Trotz der Möglichkeit, sich weitestgehend mit Mitgebrachtem zu versorgen, nähmen die Besucher den Getränkeverkauf des Veranstalters an, sagte „Schallkultur“-Sprecher Christian Götzinger.

Traffic Jam 2012: Video

Im abgetrennten Bereich hinter der Bühne, wo das Catering für Bands und Helfer auch mit Vegetarischem und Veganem lockte – acht Personen umfasste alleine das Küchenteam, mehr als 100 Helfer benötigt das „Traffic Jam“ insgesamt –, mochte Götzinger am früheren Samstagabend noch keine Besucherzahl nennen. Sie stehe erst später fest, weil gerade am Samstagabend noch viele Tagesbesucher kämen. Insgesamt seien es wohl etwas weniger Musikfans als im Vorjahr. An beiden Tagen zusammen blickte das Dieburger Festival da auf rund 5 000 Besucher. Positiv angenommen wurde aus Götzingers Sicht der neue Campingplatz II. „Für den haben sich einige sogar entschieden, als Platz I noch gar nicht voll war.“ Campingplatz I befindet sich unmittelbar neben dem Musikareal, war auch diesmal wieder bis auf den letzten Quadratmeter belegt.

BMX-Show und Flunkyball-Turnier

Von dort war es nur ein Katzensprung zu BMX-Show, Flunkyball-Turnier (das Umwerfen von Flaschen und Dosen mit Plastikbällen), Essens-, Getränken- und Nippesständen sowie vor allem zur Bühne, wo zwei Dutzend Bands von manierlich rockig-punkig bis hartmetallisch ihre Shows boten. So lange es hell war, suchten die Festivalgänger eher den Schatten statt den extrem sonnigen Platz vor der Bühne – da mochten sich etwa „The Wolves“ aus Darmstadt, „Braggpeak“ aus Frankfurt oder „Kmpfsprt“ aus NRW noch so mühen. Spätestens bei den Höhepunkten „Suicidal Tendencies“ (Kalifornien) oder „Caliban“ (NRW) blieb jedoch kein Shirt mehr unverschwitzt. Und auch die unfreiwillige Badesaison 2012 wiederholte sich nicht: Ein heftiger Schauer gegen halb drei in der Nacht auf Sonntag verzog sich nach kurzer Zeit wieder.

Abgerockt beim „Traffic Jam“

Abgerockt beim „Traffic Jam“

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