Jahresrückblick: Feuer und Licht am Ende des Tunnels

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Halb Dieburg strömt in den Morgenstunden des 18. Februar auf den Marktplatz: Ein Geschäftshaus mit Textilmarkt, Zahnarztpraxis, Schülerhilfe und benachbarter Hebammenpraxis steht in Flammen.

Dieburg - Es geht voran: Mit diesem kernigen Statement lässt sich das Jahr 2009 in Dieburg wohl am besten beschreiben. Während im Jahresrückblick von 2008 viel von „in Planung“ die Rede war, wurde es 2009 konkreter. Und: Es wurde auch Zeit. Von Lisa Hager

Nicht nur beim Bahntunnel zeichnet sich Licht am Ende ab: Das zweite große Thema, Neubau einer Stadthalle - wohl für viele Jahre die größte Belastungsprobe für die Stadtkasse - hat sich aus dem Planungsstadium herausgeschält und sich in eine beeindruckende Baugrube verwandelt. Allerdings ist jetzt am Ende des Jahres schon deutlich: Der Rohbau wird teurer als erwartet. Wie hoch die Mehrkosten sind, erfahren die Bürger erst 2010. So lässt sich heute noch mal unbeschwert feiern.

Aber genug mit dem Gemeckere: Dass die Stadthalle gebaut werden muss, darüber herrscht Konsens zwischen den Fraktionen und auch bei der Mehrheit der Dieburger. Obwohl es angesichts der Finanzkrise, die dieses Jahr in vielen Facetten beeinflusst hat, immer wieder Stimmen gab, die vor einer derartigen Investition mit hohen Folgekosten gewarnt haben. Ein Vorstoß der SPD, doch noch einmal über ein anderes Konzept nachzudenken und die Stadthalle eventuell von einem Investor betreiben zu lassen, fand keine Mehrheit. Nun werden also zur Fastnacht 2011 - wenn alles glatt geht - schon die Heihupper über die neuen Bühnenbretter springen. Der Supermarkt, für den in diesem Jahr nach langem Ringen endlich ein Investor gefunden wurde, soll schon im Mai 2010 öffnen.

Ungeplante Baumaßnahmen musste der Dieburger Unternehmer Peter Kolb aufnehmen: Am 18. Februar legte ein Großbrand sein Geschäftshaus am Marktplatz in Schutt und Asche. Inzwischen hat er das Gebäude für rund 2,5 Millionen Euro wieder aufgebaut. Was den Brand im unten angesiedelten Textilmarkt ausgelöst hat, wird wohl nie mehr geklärt werden. Die Kripo hat die Ermittlungen eingestellt. Was zu diesem Schreckensfeuer in einer schönen Sommernacht im Juli geführt hat, war dagegen unmissverständlich: Hochzeitsgäste ließen am Schloss Himmelslaternen steigen. Zwei von ihnen gerieten in Brand und steckten zwei Häuser in der Steinstraße an. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden. Der Vorfall in Dieburg hatte weitreichende Folgen: In Hessen wurden die schwebenden Fackeln daraufhin verboten.

Aber zurück zu den Baumaßnahmen: Die Pläne für das Konviktsgelände hat das Bistum Mainz in diesem Jahr zu Grabe getragen. Dafür - und mit dieser plötzlichen Kehrtwendung hat niemand gerechnet - soll direkt am St. Rochus Krankenhaus ein Seniorenzentrum entstehen, in dem die Menschen in Hausgemeinschaften leben. Grund für die Neuorientierung: Der Umbau des denkmalgeschützten Bischof-Ketteler-Hauses hat sich als schwieriger erwiesen als angenommen. Der heftige Widerstand von Anwohnern gegen die Bebauungspläne mag auch eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Allerdings macht sich die St. Rochus Stiftung mit der neuen Idee bei den Anliegern der Steinstraße auch nicht gerade Freunde.

Ein neues Seniorenzentrum für Dieburg? Warum nur eins? Richtig, da war doch noch was: Auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs wollen Investoren ein weiteres Alten- und Pflegeheim mit rund 120 Plätzen bauen. Die Planung ist schon weit fortgeschritten, die Stadtverordneten haben dem Bebauungsplan für das Gebäude mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss einstimmig befürwortet.

Baupläne über Baupläne: Auch die Zukunft des Campus-Geländes scheint in trockenen Tüchern. Bei einem Architekturwettbewerb für die rund zehn Hektar große Fläche, die im Besitz der Telekom AG ist, hat das Frankfurter Architekturbüro „happarchitecture“ die Nase vorn. Der Entwurf sieht vor, dass auf einer Fläche von 58 000 Quadratmetern 67 Einfamilien-, 80 Doppel- und 18 Reihenhäuser entstehen sollen. Das großzügig wuchernde Grün soll weitgehend erhalten bleiben. Wenig Chancen hat das vom Wassersportverein betriebene Hallenbad: Die „Restlaufzeit“ bis Ende 2014 wird wahrscheinlich nicht verlängert. Das Gebäude aus den Sechzigerjahren hat einen für heutige Verhältnisse katastrophalen Wärmeschutz. „Es ist derzeit quasi eine private Schwimmhalle“, hatte der Planer im Parlament die Verhältnisse auf Nachfrage klar eingeordnet.

Bautätigkeit auch am Berufsschulzentrum auf der Leer: Hier entsteht ein neues Gebäude für „Grüne Berufe“. Der Zweig für Floristen, Landwirte und Gärtner zieht von Darmstadt nach Dieburg.

Während viele heimische Firmen mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen haben - das Traditionsunternehmen Mercedes Spieß meldet im Februar Konkurs an - beschwingt das Konjunkturprogramm die Bautätigkeit. Das marode Gebäude der Gutenbergschule soll abgerissen und im Wohngebiet Limbachsruhe neu errichtet werden. Dazu soll eine auch für die Vereine der Stadt dringend benötigte Zwei-Feldhalle gebaut werden. Soweit der erste Plan - dann kommt alles anders: Das Projekt „Im Stinnes“ wird aufgegeben, jetzt soll das neue Schulgebäude am alten Standort entstehen, daneben wird die lang ersehnte Sporthalle gesetzt. Ein entsprechender „Deal“ zwischen Landkreis und Stadt kommt schnell unter Dach und Fach - alles mithilfe des unverhofften Geldregens aus Berlin.

Die Bundesregierung gibt viel Geld aus, das sie nicht hat. Die Stadt aber muss sparen, weil sie keins hat: Das sind halt die Unterschiede zwischen „großer“ und „kleiner“ Politik. Die Erhöhung der Friedhofsgebühren, der Schwimmbadeintrittspreise und Kindergartengebühren haben die Dieburger in diesem Jahr natürlich nicht begeistert und sogar zu einer wohl einmaligen Demo vor dem Rathaus geführt: Aufstand der Kita-Zwerge.

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