Alarmplan fürs Mega-Logistikcenter

Auf Feuer bei Fiege vorbereitet

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In der zentralen Leitstelle ginge auch die Feuermeldung von Fiege ein. Ab dann übernimmt Kreisbrandinspektor Ralph Stühling das Kommando.

Dieburg - Die Titanic hätte nur eine der neun riesigen Hallen des Mega Logistikcenters Fiege am Dieburger Dreieck ausgefüllt, dennoch ist der Vergleich, den Kreisbrandinspektor Ralph Stühling beim Pressetermin zog, gar nicht mal so weit hergeholt. Von Corinna Hiss 

Schließlich ist das Gebäude von Fiege das größte im gesamten Landkreis – so wie auch die Titanic das größte Schiff ihrer Zeit war.

Doch wenn es die Bauherren damals versäumt hatten, für den Ernstfall vorzusorgen, wird dieses Risiko beim Logistik-Riesen nicht eingegangen. „So wie die Titanic nicht unsinkbar war, kann es genauso sein, dass bei Fiege Feuer ausbricht“, brachte es Stühling auf den Punkt.

Rund 100 Sondereinsatzpläne gibt es im Landkreis, darunter auch für die Kreiskliniken oder die JVA in Dieburg – und bei einer derartigen Dimension, wie das Fiege-Gebäude sie hat, ist es nur logisch, vorab alles für einen eventuellen Großeinsatz zu planen. „Die Verantwortlichen im Logistikcenter haben sehr gute Vorarbeit geleistet“, lobte Stühling die funktionierende Zusammenarbeit. So wurden die Einwände des Brandinspektors angehört und die Verbesserungen umgehend in den Bauplan integriert. Falls also in einer der Lagerhallen Feuer ausbrechen sollte, ist Fiege mit seinem technischen Brandschutz gut gerüstet. Überall sind Dachsprinkler angebracht, die insgesamt bis zu 900 Liter pro Minute versprühen können. Etwa drei Minuten später geht der Wärmeabzug an, der den Rauch aus der Halle befördert. „Auch wenn es einen Stromausfall gibt, funktionieren beide Anlagen“, stellte Stühling klar.

Schwer, an Löschwasser zu gelangen

Wegen der Lage des Logistikcenters ist es für die Einsatzkräfte schwer, an Löschwasser zu gelangen. Daher ist der Tank, der die Sprinkleranlage und die Hydranten versorgt, mit 450 Kubikmetern doppelt so groß, als es die Norm vorschreibt. Sollte die Wassermenge dennoch nicht ausreichen, kann immer noch auf den nahe gelegenen Forsteckweiher zurückgegriffen werden. Zusätzlich besitzt Fiege ein großes Schaummittellager, mit dem im Ernstfall der Brand abgedeckt werden kann.

Im Einsatzplan ist auch festgehalten, wie im Fall unterschiedlich großen Feuerausbruchs vorgegangen wird. „Wir arbeiten mit drei Stufen“, erläuterte der Kreisbrandinspektor. Die erste Stufe ist dann erreicht, wenn in der Meldezentrale im Pförtnerhaus von Fiege Feueralarm geschlagen wird.

Auf diese automatische Benachrichtigung erfolgt dann, wenn der Brand nicht eigenhändig unter Kontrolle gebracht werden kann, die zweite Stufe, bei der die Feuerwehr Dieburg per Funk benachrichtigt wird.

Stufe drei: Alle Einsatzkräfte rücken aus

„Stufe zwei tritt dann ein, wenn die Einsatzkräfte vor Ort das Feuer relativ schnell in den Griff bekommen“, so Stühling. Bricht jedoch ein Großbrand aus, gilt Stufe drei. In dem Fall rücken auch die Feuerwehren aus Münster, Groß-Umstadt und Babenhausen mit entsprechenden Sonderfahrzeugen aus. Zeitgleich werden Dieburgs Bürgermeister und der Landrat informiert und gemeinsam mit Polizei und Rettungskräften ein Krisenstab eingerichtet.

„Beim größten Gebäude im Landkreis stellt ein Großbrand die Feuerwehr vor jede Menge Herausforderungen“, wusste der Experte. „Die Technik muss funktionieren und wir tun alles dafür, dass das Feuer gezielt gelöscht wird.“

Riesige Dimensionen

Eine Halle des Logistikcenters ist rund 10 000 Quadratmeter groß – zum Vergleich dazu umfasste ein normaler Supermarkt nicht mehr als 2 000 Quadratmeter. In solchen Dimensionen hat auch Stühling noch nicht gelöscht, wenn er auch zugibt, dass es von der Größe zwar herausfordernd ist, zum Glück aber nicht mehr als 300 Mitarbeiter evakuiert werden müssten. „Da ist ein Einsatz im voll besetzten Böllenfalltor-Stadion schon eine andere Nummer“, sagte er.

Schon bald rollen am Dieburger Dreieck die ersten Reifen an. Ralph Stühling ist zuversichtlich, dass er und sein Team auch für den Ernstfall bestens vorbereitet sind.

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