Detlef Faust und viele seiner Kollegen kämpfen in der Krise für eine Senkung der Abgaben

Figaros fordern: „Steuern runter“

Schnipp, schnapp - Steuern ab: Detlef Faust und Sarah Heeder-Himmelreich wollen einen klaren Schnitt bei der Umsatzsteuer.

Dieburg -  Schon mehr als 1000 Unternehmen haben in der Bundesrepublik Deutschland im Zuge der Wirtschaftskrise staatliche Unterstützung beantragt, vielen von ihnen wird der Fiskus wohl zur Seite stehen. Heizungsbauer profitieren von der Förderung der Heizungsmodernisierung, das Bau- und Außengewerbe von der finanziellen Unterstützung energetischer Maßnahmen.

Die milliardenschwere Abwrackprämie macht Autohändler und zumindest bestimmte Autobauer glücklich. Fast schon bescheiden nimmt sich dagegen die Forderung des deutschen Frisörhandwerks an die Politik aus, den nun unter anderem der Dieburger Figaro Detlef Faust offensiv formuliert. „Die Umsatzsteuer für Frisör-Dienstleistungen sollte von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden“, sagt Faust, der in der Altstadt einen Salon mit mehreren Angestellten und Auszubildenden betreibt.

Die einseitige Bevorzugung einiger Branchen stört nicht nur Faust. Er spricht für einen ganzen Wirtschaftszweig mit sechsstelliger Beschäftigtenzahl. Auch für Sarah Heeder-Himmelreich, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands des Frisörhandwerks Hessen, ist die Sache klar: „Die Senkung der Umsatzsteuer wäre sehr wichtig. Sie hätte einen direkten positiven Effekt für die Mitarbeiter, für Arbeit suchende Frisöre und für die Kunden.“

„Bislang vermissen wir noch unser Konjunkturpaket“, moniert Faust und fühlt sich wie viele seiner Kollegen vernachlässigt. „Gerade das mittelständisch geprägte Handwerk ist es ja, das in Deutschland das Geld verdienen muss“, fügt er hinzu. Das habe man so auch dem Dieburger FDP-Politiker Wilhelm Reuscher, der erstmals in den hessischen Landtag gewählt wurde, mit auf den Weg nach Wiesbaden gegeben. „Reuscher hat versprochen, unsere Forderungen in seine Fraktion zu tragen“, so Faust über seine Arbeit über das lokale Dieburger Netzwerk. Allzu große Hoffnungen habe ihm Reuscher aber nicht machen können, dass die erhoffte Maßnahme an den entsprechenden politischen Stellen ergriffen werde.

Faust jedenfalls erachtet die Senkung als notwendig und sinnvoll, denn auch die Frisöre würden die Zurückhaltung der Kunden spüren, die sich die Haarpracht in zunehmend größeren zeitlichen Abständen verschönern ließen. Der Dieburger Frisör-Meister jedenfalls würde die Senkung der Umsatzsteuer direkt an seine Kunden weitergeben.

Vier klare Argumente sprechen laut Faust und Heeder-Himmelreich für die Senkung der Steuer: Erstens erhalte diese viele Arbeitsplätze im Frisörhandwerk, könne sogar weitere schaffen. Zweitens würden die Preise sinken – eine Studie aus den Niederlanden stellte fest, dass dort 70 Prozent der Frisöre die Senkung an ihre Kunden weitergegeben hätten. Drittens fördere man damit lokale Dienstleistungen, das Geld bleibe in Deutschland. Faust würde seinen Mitarbeiterinnen mehr bezahlen, die Kunden das gesparte Geld an anderer Stelle ausgeben. Und viertens würde eine arbeitsintensive Dienstleistung gefördert – mehr als 50 Prozent der Ausgaben eines Frisörbetriebs sind Personalkosten. Die zunächst auftretenden Steuerausfälle könnten teils oder sogar ganz an anderer Stelle durch andere Ausgaben kompensiert werden.

Gerade auf lokaler Ebene versucht man nun, möglichst viele Politiker und auch die Öffentlichkeit als Sympathisanten ins Boot zu holen. Denn, so Faust und Heeder-Himmelreich mit dem Humor, den sie sich trotz der schwierigen Zeit bewahrt haben: „Auch Politiker gehen zum Frisör.“

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