Figuren mit vielen Facetten

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Karoline und Schürzinger: Im Vorder- und im Hintergrund als doppeltes Spiel.

Dieburg (ves) ‐  „Seht, doch mal, da, der Zeppelin.“ „Ist der schön…“ Noch sind sie alle in bester Stimmung, die jugendlichen Besucher der Kirmes. Ausgelassen winken und rufen sie dem Luftschiff zu, das seine Kreise am Himmel zieht. Einer jedoch steht am Rande, in sich gekehrt und mit missmutiger Miene: Kasimir, der gerade seine Arbeitsstelle verloren hat.

Karoline kann die miese Stimmung nicht verstehen, sie ist doch hier, um Spaß zu haben. Sie brechen einen Streit vom Zaun und gehen zunächst getrennte Wege, die sich jedoch im Laufe des Abends immer wieder kreuzen werden. Mit dieser Ausgangssituation beginnt das Stück „Kasimir und Karoline“, das am Samstagabend seine Premiere feierte. Die Schüler des „Darstellendes Spiels“ der Landrat-Gruber-Schule brachten das Stück von Ödön von Horváth (1901-1938) auf die Bühne. Ein Stück, dessen Handlung im Original Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, das bis heute jedoch nichts an Aktualität verloren hat.

Es geht um die ewig junge Frage: „Ist Liebe wirklich alles“? Der Zuschauer erlebt die Problematik dieser und anderer Beziehungen, die sich im Laufe des Kirmesbesuches ergeben. „Es ist ein Stück, das in seiner Thematik die Jugendlichen von heute betrifft und aktuell ist wie damals“, sagt Lehrerin Simone Neuroth. „Es ist schnell und dynamisch und lebt von der Atmosphäre.“

Dynamik durch Doppelbesetzung

Weitere Aufführungen: 1., 3.; 5. und 6. November.

Bei der Inszenierung beschritt die LGS neue Wege: Die Zuschauer erleben drei der Pärchen doppelt. Kasimir (Caner Basisik, Simon Stein), Karoline (Saskia Höfer, Yvonne Weihert) und Schürzinger (Sebastian Isele, Malin Kammer) sind zweifach vertreten und jeweils an den gleichen Kostümen zu erkennen. Sie spielen die selbe Person, die sich manchmal in der Einstellung gleicht, manchmal jedoch innerlich andere Entwicklungen nimmt. Die Zuschauer werden mit Textüberschneidungen konfrontiert, manchmal wird synchron gesprochen. So wird das Publikum innerhalb kurzer Zeit mit verschiedenen Facetten ein und derselben Person bekannt. Hinzu kommen zwei Moderatoren (Katharina Georg und Yusuf Eray Kinay), die in das Geschehen eingreifen. Durch „Halt“, Cut“ oder „noch mal“ unterbrechen sie das Stück oder spulen es zurück. Auch sie übernehmen im Laufe des Abends einen Part und spielen Personen im Stück. „Es sollte keine traditionelle Inszenierung werden“, sagt Neuroth. „Durch das Splitting wird das Stück moderner und wir schaffen mehr Emotionen durch Gegensätze.“

In den ersten Minuten war das sehr gewöhnungsbedürftig“, meint Besucher Thomas Reitzel, „dann überwältigt einen die Dynamik, die durch die Doppelbesetzung entsteht.“ So sahen es viele der Zuschauer, die die Energie der Darsteller hautnah zu spüren bekamen. Denn die Aufführung findet inmitten der Zuschauer statt, die die „Arena“ umringen.

Das Ende bleibt offen

Die Schüler haben hohes Engagement gezeigt“, lobt Neuroth die Darsteller und Helfer. So wurde auch in den Ferien kontinuierlich am Stück geprobt, während die Helfer der Bühnen-AG die Kulissen gestalteten. Insgesamt sind an der Aufführung rund 70 Schüler beteiligt. Unterstützung erhielten die Darsteller durch Theaterpädagogin Nicole Amsbeck und Sozialpädagogin Marion Christ.

Und wie geht die Liebesgeschichte aus? „Der Dialog am Ende lässt alle Möglichkeiten offen“, sagt Neuroth, die sich gemeinsam mit allen Akteuren dem tosenden Applaus des Publikums stellte.

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