Filet für Senioren reserviert

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Auf diesem Luftbild erkennt man gut, welche wichtige innerstädtische Bedeutung das Gelände der alten Ludwigshalle (in der rechten oberen Hälfte) mit dem provisorischen Parkplatz zwischen Zentturmstraße und Hinter der Schießmauer hat.

Dieburg ‐  Wird es jetzt doch noch barrierefreies und seniorengerechtes Wohnen auf dem alten Ludwigshallengelände geben? Zumindest stehen die Chancen seit der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag - übrigens die letzte dieser Wahlperiode - nicht schlecht. Von Lisa Hager

Überraschend hat eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) aus Darmstadt ein Kaufangebot für das gesamte Areal mit fast 3500 Quadratmetern gemacht. Laut Sitzungsvorlage wollen die Investoren hier „altengerechtes Wohnen in kleinteiliger Architektur, die sich in die Altstadt einfügt“, verwirklichen. Der Grünzug entlang des Herrengrabens soll - wie bei den Nachbarhäusern - weitergeführt werden. Je nach Entwicklung des Pachtverhältnisses mit der bestehenden Ludwigshall GbR will man das Bauvorhaben in zwei Abschnitten realisieren, so dass der Pachtvertrag erfüllt werden könnte, heißt es in der Vorlage weiter. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und den derzeitigen Betreibern der Hall läuft - wie mehrfach berichtet - noch bis zum Jahr 2023.

Der Kaufpreis, den die Investoren geboten haben, entspricht den Bodenrichtwerten. In Abhängigkeit von den Bebauungsmöglichkeiten und angesichts des bestehenden Pachtvertrags sei aber auch ein Mehrpreis vorstellbar, heißt es.

Markus Oberhuber (CDU) begrüßte das Angebot ausdrücklich. Das käme dem nahe, was man fraktionsübergreifend mit dem Gelände vorhabe, nämlich dort seniorengerechtes Wohnen möglich zu machen.

Für das Industriegebiet ist der Prinz als Investor willkommen

Dem neuen Kaufangebot standen die Stadtverordneten quer durch die Fraktionen wohlwollend gegenüber und überwiesen die Angelegenheit einstimmig zur Beratung in den zuständigen Ausschuss, der sich erst nach der Kommunalwahl bilden wird. Dort soll der Investor seine Pläne konkreter vorstellen.

Ebenso einstimmig wurde ein anderer Plan beerdigt, der in den vergangenen Wochen für viel öffentlichen Diskussionsstoff gesorgt hatte: Das Kaufangebot von Michael Prinz von Anhalt aus Groß-Zimmern, der mit seiner Firma „Killer Sports“ auf dem Gelände ein Fitnessstudio für sozial schwächere Bevölkerungsschichten errichten wollte. „Der Prinz ist mir als Investor mit seinem Fitnessstudio willkommen“, betonte Ferdinand Böhm (SPD). „Aber im Industriegebiet und nicht an dieser Stelle.“

Gegen diesen „Ausverkauf eines Filetstücks der Stadt“ hatte auch Seniorenbeiratsvorsitzende Ingeborg Steffens protestiert: Sie legte eine Unterschriftenliste von Bürgern vor, die das Gelände für seniorengerechtes Wohnen genutzt sehen wollen.

Brief der St. Rochus Stiftung sorgt für Verwirrung

Für Verwirrung hatte im Parlament ein Brief des Vorstandsbevollmächtigten der St. Rochus Stiftung, Markus Bazan, gesorgt, der Anfang März an den „Magistrat der Stadt Dieburg, Dr. Harald Schöning, Stadtverordnetenvorsteher“ mit der Bitte um Verteilung an alle Fraktionen gegangen war. Darin behauptet Bazan, dass die Stiftung „seit einigen Monaten im Gespräch mit einem Investor für eine Seniorenanlage auf dem Grundstück Zentturmstraße“ sei. Jetzt habe man von der Verkaufsabsicht an einen Fitnessstudio-Betreiber erfahren und bitte um Aufklärung, „damit wir mit unseren Partnern gegebenenfalls die Planungen abändern“, wie es in dem Schreiben heißt.

Der Behauptung Bazans, die Verwaltung sei involviert, widersprach Bürgermeister Dr. Werner Thomas vehement. Mit dem konkreten Interessenten aus Darmstadt hingegen führe er seit einigen Wochen Gespräche, die jetzt zum vorliegenden Kaufangebot geführt hätten.

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