Fliegenpilz kann Flügel verleihen

Dieburg - Pilze sammeln – in Dieburg ein beliebtes Hobby. Bei der jährlichen Exkursion von Dr. Michael Höllwarth lernen Pilzfreunde aus Dieburg und der Region stets Neues kennen. Von Fabian Sell

Mit Körben am Arm pilgerten am Sonntag rund 40 Interessierte zum Naturfreundehaus auf der Moret. „Unter den Bedingungen geht das ganz gut“, meint Dr. Michael Höllwarth mit Blick auf die überschaubare Teilnehmerzahl.

Der Pilzexperte, der auch schon Exkursionen mit 100 Teilnehmern leitete, stellt die Aufgabe des Vormittags: Ab ins Unterholz und Pilze sammeln. Die üblichen Verdächtigen sollen jedoch nicht gesammelt werden. Vielmehr gehe es nicht unbedingt darum, Pilze mit nach Hause zu nehmen, sondern neue Arten kennenzulernen.

Verteilt in kleine Gruppen geht es in den Dieburger Forst. Mit dabei auch Wolfgang Ele, der sich gemeinsam mit seiner Frau auf die Suche begibt. Bei der Pilzexkursion laufen die beiden Dieburger das erste Mal mit, doch sie sind bereits erfahrene Pilzsammler. „Ich sammle schon seit meiner frühsten Kindheit“, erzählt Ele, der in Thüringen aufgewachsen ist. Röhrlinge wie Rotkappen, Steinpilze oder Maronen zählen zu den Favoriten des 68-Jährigen. Erst gestern hätten sie eben diese Pilze im Naherholungsgebiet Spießfeld gefunden – und daraus ein leckeres Mittagsessen mit Kartoffeln und Eiern gekocht.

Im Unterholz sammelt Ele viele Pilze, die ihm gänzlich unbekannt sind. Einer Frau geht es ähnlich: „Ich habe nur Pilze, die ich noch nie gesehen habe“, erzählt sie, als man sich im Wald begegnet. Nach etwa einer Dreiviertelstunde treffen sich alle Sammler an einer Kreuzung im Wald wieder. Einer zieht die Aufmerksamkeit auf sich: Mehrere große Steinpilze ragen aus seinem Korb. „Ich habe Schwein gehabt, an einer Stelle standen sie plötzlich alle da“, erzählt der stolze Finder.

Dr. Michael Höllwarth beginnt damit, die gesammelten Pilze ausführlich zu erläutern. Los geht es mit dem Fliegenpilz. „Diesen Fliegenpilz kennt jeder. Schon im Kinderbuch wird er als giftig beschrieben.“ Der Giftpilz rufe Halluzinationen hervor – unter anderem Flughalluzinationen. Daher komme auch seine Name.

Vom rehbraunen Dachpilz über den violetten Rötelritterling bis hin zum goldgelben Lärchen-Röhrling geht Höllwarth daraufhin auf zahlreiche Pilze ein. Die Teilnehmer hören konzentriert zu, stellen immer wieder Rückfragen.

Besonders aufmerksam ist ein Zuhörer, der während des Vortrags eine Liste erstellt. Hinterher erklärt der aus Darmstadt stammende Pilzsammler: „Ich habe alle Pilzarten aufgeschrieben.“ So habe Höllwarth insgesamt 31 Arten erläutert – ein lehrreicher Vormittag für alle Anwesenden – und eine Art „Sicherheitstraining“ noch dazu.

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