Dieburger Thomas Gelfort für seine Reportage ausgezeichnet

„Floss mir förmlich aus den Fingern“

2019 fing Thomas Gelfort in der Ostsee vor Laboe diesen 62 Zentimeter langen Dorsch. Seine Faszination fürs Angeln hat der Dieburger in einer preisgekrönten Reportage beschrieben.
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2019 fing Thomas Gelfort in der Ostsee vor Laboe diesen 62 Zentimeter langen Dorsch. Seine Faszination fürs Angeln hat der Dieburger in einer preisgekrönten Reportage beschrieben.

Dieburg – Der „Blinker“ ist für Angler, was der „kicker“ für Fußball-Fans ist. Die europaweit erscheinende Zeitschrift mit einer verkauften Printauflage von 43 000 Exemplaren und einer in die Hunderttausende gehenden Leserschaft setzt auf ihrem Fachgebiet journalistische Maßstäbe und wird wegen seiner Storys, Produkttests und Statistiken mitunter sehnsüchtig erwartet. Auch für Thomas Gelfort, leidenschaftlicher Angler seit 1978, ist das Magazin Stammlektüre. Die Bände hält der Dieburger in Ehren, hat ältere Ausgaben säuberlich in Kisten archiviert. Die Ausgabe Nummer 1/2021 erhält freilich einen Ehrenplatz: Dort füllen die Wörter und Fotos des 61-Jährigen gleich drei Seiten. Mit einem Mix aus texterischem und fotografischem Können sowie anglerischer Erfahrung hat sich Gelfort den zweiten Preis des im Frühjahr 2020 ausgeschriebenen Wettbewerbs „Blinker-Edelfeder“ gesichert.

Neben der prominenten Veröffentlichung seines Werks gewann Thomas Gelfort 500 Euro Preisgeld und schrammte nur knapp am ersten, mit 1 000 Euro dotierten Platz vorbei. Für das Mitglied der Angelsport-Vereine in Dieburg und Groß-Zimmern in mehrerer Hinsicht Grund zu Stolz und Freude. Schließlich erhielt er nicht nur das redaktionelle Attest, dass er auch als Autor Talent besitzt. „Vor allem kann ich vielen Menschen schildern, worin für mich auch nach Jahrzehnten noch die Faszination des Angelns besteht.“ Mit „Reisebericht aus einer anderen Zeit“ hat Gelfort seine Reportage überschrieben, die alle Anforderungen an diese journalistische Gattung erfüllt. Schon im Untertitel wird’s lebendig: „Harter Seegang, dicke Dorsche und unbezahlbare Erinnerungen.“ Seit 1982 reist der Dieburger jährlich nach Laboe, nicht nur für ihn die „Perle an der Kieler Fjörde“. Im eigenen Slogan wähnt sich der Urlaubsort gar auf der „Sonnenseite“. An der Ostsee hat Gelfort, der früher ein Fotostudio betrieb und heute hauptberuflich mit Behinderten arbeitet, dem Fotografieren nebenbei aber auf hohem Niveau treu geblieben ist, seine „zweite Heimat“ gefunden. „Laboe ist meine Akku-Ladestation.“

Und natürlich ein guter Startpunkt für diverse Angeltouren. 2019 fing Gelfort unweit der Küste einen 62 Zentimeter langen Riesendorsch, was ihn auf Platz drei der „Blinker-Hitparade“ führte. Der Dorsch ist an der Ostsee der „Zielfisch“ der meisten Angler. 2020 maß Gelforts größter Fang sogar 68 Zentimeter, aus dem Wasser gezogen dank Gummifisch-Köder. Weil die dokumentierten Dorsche im vergangenen Jahr im Schnitt größer waren, reichte das im Ranking „nur“ zu Platz sieben. Freilich eine Randnotiz, denn der frisch gekürten „Edelfeder“ geht es nicht um Rekorde, sondern um die anglerische Gesamteuphorie. Genau diese zu schildern, lautete sein Ansatz für den letztlich preisgekrönten Zeitschriften-Beitrag. Der durfte maximal 2 500 Wörter umfassen und sollte passend bebildert werden. Neun Motive des Foto-Profis von der Gersprenz, dessen Dieburger Lieblingsgewässer der Glaubersgraben und der Forsteck-Weiher sind, schafften es schließlich ins Blatt. „Der Text dazu floss mir förmlich aus den Fingern“, erzählt Gelfort. „Ich habe einfach so geschrieben, wie ich über meine Leidenschaft denke.“ Es sollte „eine Geschichte werden, die verständlich macht, warum ich dort meinen Akku auflade und welche Gefühle mich beim Angeln überkommen“. Also nimmt er die Leser mit auf See.

Dort wird es in den Zeilen des Dieburgers fast schon poetisch: Der Kutter mit seinen Anglerfreunden und ihm gleitet „geräuschlos wie ein Wal“ dahin; dann „fliegen die ersten schönen Schollen und Dorsche an Deck“; die „leichte Drift, wunderbare Temperaturen und die salzige Luft“ bringen das Ostsee-Paradies auch Daheimgebliebenen näher. „Mein Text zeigt, wie tiefgründig das ist“, lächelt Gelfort beseelt. Was er in eindrucksvollen Worten zu skizzieren vermag und wofür es eines weiteren Talents bedarf: „Das genaue Beobachten ist mir gegeben.“ Als Autor (und Interpret) ist Thomas Gelfort in der Vergangenheit auch auf der Fastnacht in Erscheinung getreten, Äla-Schlager und Vorträge zeugen davon. Für den Text zum „Blinker“-Wettbewerb brauchte er, als die Emotionen und Worte zu fließen begannen, gerade mal eine Stunde. Das handwerklich wie künstlerisch formidabel umgesetzte Werk hat die Profi-Redakteure hellhörig werden lassen: „Sie haben mich mittlerweile aufgefordert, doch mal zwei, drei weitere Themen vorzuschlagen.“

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