Fort- und Rückschritte im St. Rochus /  Viel Wirbel um Mehrkosten der Römerhalle und auf dem „Campus“ entsteht neues Wohngebiet.

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Das Barockfeuerwerk zum Abschluss von „Dieburg in Blau“ hat in diesem Jahr etwas Wehmütiges: 2011 wird es die beliebte Veranstaltung nicht geben. Die Organisatoren wollen eine einjährige Pause einlegen. Dafür wurde über das Bild oben links umso mehr gejubelt: Mit der Eröffnung des Penny-Markts im August hat die Innenstadt endlich wieder einenn Lebensmittelmarkt.

Von Lisa Hager E igentlich hätte diese Erfolgsstory hier und heute weiter geschrieben werden müssen - aber es kam anders: Stetig aufwärts schien es in den letzten drei Jahren mit dem St.

Rochus Krankenhaus zu gehen: Nach dem erfolgreichen Aufbau einer Beatmungs-Entwöhnungsstation kommt 2010 noch ein Herzkatheterlabor und eine Kooperation mit der Kreisklinik Groß-Umstadt in dem Bereich hinzu. Dann zum Jahresende der Paukenschlag: Das gesamte Ärzteteam der Intensivstation um deren Leiter Dr. Patrick Schmenger reicht die Kündigung ein. Als Begründung geben die Intensivmediziner an, die Klinikleitung habe Anforderungen an sie gestellt, die mit ihrer Verantwortung den Patienten gegenüber nicht zu vereinbaren gewesen seien. Die Klinikleitung will sich das nicht erklären können, sie führt zu großes Autonomiestreben der Intensivstation-Belegschaft - und speziell von deren Chef Schmenger - ins Feld.

Solche Autonomiebestrebungen scheint Landrat Klaus Peter Schellhaas nicht zu fürchten. Am 15. Dezember verkündet der Landkreis, dass das komplette fünfköpfige Ärzteteam künftig in der Kreisklinik Groß-Umstadt angestellt sein wird. Dort sollen Schmenger und sein Team das tun, was sie bereits in Dieburg erfolgreich bewerkstelligt hatten: Eine Beatmungs-Entwöhnungsstation aufbauen.

Die Kündigung der Intensivärzte wird zum Jahresende wirksam, der Chef der Rochus-Klinik, Markus Bazan, hatte erklärt, es sei kein Problem, bis zu diesem Termin ein neues Ärzteteam einzustellen. Spätestens bis Ende Dezember sollen die neuen Mediziner der Öffentlichkeit vorgestellt werden - bis 30. Dezember ist das allerdings nicht geschehen.

Auch in Sachen Altenheimneubau gibt das Vorgehen der St. Rochus Stiftung - Bazan ist nicht nur Klinik-Chef, sondern auch Handlungsbevollmächtigter der Stiftung - Rätsel auf. Nachdem zum Ende des Jahres 2009 die Pläne der Stiftung für den Neubau am Krankenhaus für heftige Kritik vor allem bei den Anwohnern gesorgt hatten, war es still geworden um das Projekt. Dann, im November sind die Rochus-Baupläne wieder Thema im Parlament. Komplett umgeplant ist nicht nur die Optik des Altenheims, auch für die vorher angedachte Tiefgarage ist eine Alternative in Form eines Parkdecks und die Schaffung weiterer Stellplätze in Arbeit.

Wie es in Sachen St. Rochus auch weiter gehen mag: Auf ein Seniorenheim müssen die Dieburger jedenfalls nicht verzichten. Nachdem der Investor auf dem Schlachthofgelände erst einmal für reichlich Verwirrung gesorgt hatte, als er im Juli riesige Schuttberge von einer anderen Baustelle auf dem Gelände angehäuft hatte, wird im Oktober mit den Abrissarbeiten am alten Schlachthof begonnen. Auch ein Betreiber für das Heim ist gefunden. Die Mission Leben will hier unter dem Namen „Haus Priska“ 108 Senioren betreuen.

Überall wird emsig gebaut

Gebaut wird viel im Jahr 2010 viel und Vielfältiges. Am Tunnel in der Frankfurter Straße wird es ernst, die Arbeiten an der Unterführung laufen auf Hochtouren. Ab Mai 2011 soll der Vekehr endlich durch den Tunnel rollen können. Gleichzeitig wird auf der Frankfurter Straße in Höhe Gewerbestraße an einem neuen Kreisel gearbeitet, was für einige Verkehrsprobleme im I-Nord sorgt.

Für einen besseren Verkehrsfluss soll nach Fertigstellung ds Tunnels auch ein Kreisel am Marienplatz und die Neugestaltung der Frankfurter Straße zwischen Tunnel und Spieß-Kreuzung sorgen. Doch neben der heftigen Kritik der Anwohner, die ein noch größeres Verkehrsaufkommen in ihrer Straße fürchten, führt ein anderes Problem erst einmal zum Bau- und Planungsstopp: Im Juni erklärt die Stadt, dass bei den obligatorischen Bodenproben ein Altölfund vor dem Kapellchen im Minnefeld gemacht wurde. Nach weiteren Proben ist bis Jahresende noch nicht klar, ob das Öl noch weitere unterirdische Kreise gezogen hat. Das Bauprojekt muss einmal auf Eis gelegt werden. Wann es weitergeht, ist ungewiss, zumal die Zuschüsse des Landes erst einmal in andere Projekte fließen. Wann für Dieburg wieder Gelder bereit gestellt werden können, bleibt abzuwarten - wie der Fortgang der Ölsuche.

Heiß ersehnt von Autofahrern und den Anliegern der Umleitungsstrecken ist auch die Freigabe des Kreisels an der neuen Stadthalle. Zwar ist der Kreisel bereits im Frühjahr fertiggestellt, die Fläche wird aber für die Lagerung von Baugerät für die inzwischen Römerhalle benannte Stadthalle benötigt. Am 6. Dezember darf der Verkehr dann endlich ungehindert rollen - auch zum am 25. August eröffneten Penny-Markt auf dem Altstadtgelände. Damit können die Dieburger endlich wieder in der Innenstadt Lebensmittel einkaufen.

Bis zur Eröffnung der Römerhalle wird es noch bis Mitte 2011 dauern. Während die Bauarbeiten im Terminplan liegen, haben die Kosten schon längst den Rahmen gesprengt. Um 1,8 Millionen Euro (netto) soll die Halle teurer werden, stellt sich im März heraus. Der Architekt legt eine 40- Punkte-Liste mit Kostenfaktoren vor, zu retten ist allerdings nichts mehr. Noch vor dem Richtfest geht die Geschichte von Dieburgs Römerhalle in Druck: im Schwarzbuch 2010.

Währenddessen kann sich die Marienschule über ein saniertes Knabenschulhaus freuen. Weniger erfreulich die Sanierungsarbeiten an der Goetheschule. Das Gebäude ist total marode, die Sanierung wird aufwändiger und langwieriger als gedacht.

Für die Goethe- und die Landrat-Gruber-Schule heißt es 2010 Abschied nehmen von ihren Schulleitern: Annegret Schnitzke-Haas und Dieter Staudt gehen in den Ruhestand - Christof Maruschka und Thomas Reinholz übernehmen das Steuer.

Die Alfred-Delp-Schule muss mit der Sanierung zwar noch bis mindestens Ende 2011 warten, ruhig ist das Jahr für Schulleiterin Renate Stiebing indes auch nicht. Die Zugangszahlen für das Oberstufengymnasium sollen auf 225 pro Jahrgang begrenzt werden. Diese Deckelung setzt zu niedrig an, findet nicht nur Stiebing, sondern auch Lokal- und Kreispolitiker. So einigt man sich auf 750 Schülern - ein Kompromiss mit dem alle gut leben können.

Kompromiss

kurz vor zwölf

Ein Kompromiss wird auf den letzten Drücker auch in Sachen Neubaugebiet auf dem Campus-Areal gefunden. In den ersten Monaten dreht sich hier die Diskussion im Wesentlichen um die Verkehrsanbindung. Die Anwohner fordern den Bau einer Straße, die das Gebiet direkt an die K 128 anschließt. Dafür aber gibt es wenig Chancen auf Realisierung. Vielmehr tritt ein anderes Problem in den Vordergrund: Wie kann das Parlament verhindern, dass das Areal zu dicht bebaut wird? Der Kompromiss, der in der letzten Stadtverordnetensitzung des Jahres gefunden wird, sieht eine Begrenzung auf maximal 180 bis 186 Häuser vor.

Keine Einigung erzielt wird mit den Investoren, die eine Pro-Markt Filiale neben dem „toom-Baumarkt“ bauen wollen. Das Gelände soll weiter für den Bau eines Sportzentrums reserviert bleiben. Damit ist Dieburg um einen Elektro-Großmarkt und einige Gewerbesteuereinnahmen ärmer.

Dabei kämen Mehreinnahmen der Stadt gut zupass, denn auch der im November vorgestellte Hauhaltsentwurf für 2011 sieht mit 4,6 Millionen neuer Schulden alles andere als rosig aus.

Ansonsten verabschiedet sich das Jahr 2010 so, wie es begonnen hat: Mit reichlich Schnee und Kälte. Nicht nur die Römerhalle träumt jetzt vom Frühjahr…

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