Partyleben

Kult-Disko Red Stone macht dicht: DJ erinnert sich an legendäre Nächte im Schubbe

Der „Schubbe“, wie man ihn kannte: volle Tanzfläche, gut gelauntes Publikum, Mobiliar aus den frühen Achtzigern.
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Der „Schubbe“, wie man ihn kannte: volle Tanzfläche, gut gelauntes Publikum, Mobiliar aus den frühen Achtzigern.

Die Disko Red Stone in Fränkisch-Crumbach bei Darmstadt ist Kult. Doch nun ist Schluss im Schubbe. Ein langjähriger DJ erinnert sich und erzählt, wie es weitergeht.

Fränkisch-Crumbach – Jahrzehntelang war die Location eine der Kult-Discos der Gegend und zog Generationen von Tanzwilligen an. Nur die Krone in Darmstadt, das Steinbruch-Theater in Nieder-Ramstadt und der 2016 geschlossene Club Biergarten am Dieburger Hochschulcampus konnten da mithalten. Die Rede ist vom Red Stone im Odenwald-Örtchen Fränkisch-Crumbach – oder vom Schubbe, wie seine vielen Stammgäste die urige Disco nennen.

Seit Mai ist dort Schluss. Nicht als Corona-Folge – nein, zu viel Geld hätte in einen Umbau des Gebäudes fließen müssen, um Brandschutzbedingungen zu erfüllen. Traditions-DJ Michael Orlik (55) aus Beerfurth erzählt von den 39 Jahren, in denen er im Red Stone aufgelegt hat – und macht Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Schubbe in Fränkisch-Crumbach: Party mit 500 Menschen im Red Stone

Herr Orlik, wie soll denn ein Wiedersehen aussehen?
Auch wenn das Red Stone schließt, bleibt sein DJ-Team bestehen. Auf unserem YouTube-Kanal streame ich schon seit dem ersten Corona-Lockdown jeden Freitagabend zur alten Red Stone-Zeit „Rockmusic by DJ Michael“. Das wird weiterlaufen. 790 Abonnenten haben wir inzwischen. Zu hören sind wir somit ungebrochen. Und live zu sehen auch bald wieder an verschiedenen Locations. Wir starten am Freitag (9.) um 20 Uhr mit einer Open-Air-Party auf dem Spielplatz der Kulturen in Michelstadt. Ohne Tests und ohne Masken beim Feiern. 300 Karten sind bisher verkauft.
Es gibt – außer dem Online-Auftritt – also nur noch sporadisch Termine?
Nein, durchaus regelmäßig. Tatsächlich wollen wir auch dabei wieder die Freitags-Tradition vom Schubbe einführen. Im Hüttenwerk in Michelstadt ist geplant, jeden ersten Freitag im Monat Red-Stone-Musik zu spielen, und im La Bastille, ebenfalls Michelstadt, jeden dritten Freitag im Monat. Das und mehr findet man auf unserer Webseite red-stone.de, die wir neben dem Facebook-Auftritt beibehalten. Der Start im Hüttenwerk ist übrigens ausnahmsweise am Samstag, 2. Oktober, ab 21 Uhr, und am Freitag, 3. September, 21 Uhr, machen wir im Weinkeller La Bastille Party. Danach geht es ab nach Österreich …
Wieso jetzt nach Österreich?
(lacht) Naja, Party-Reisen haben wir vom Red Stone ja immer wieder organisiert. 2009 zum 40. Jubiläum ging‘s mit 100 Leuten nach Flachau zum Skifahren und Feiern. Mallorca hatten wir natürlich ebenfalls. Und ein anderes Mal buchten wir eine Fähre nach Oslo: also Party auf der Fähre hin, nach Ankunft Sightseeing in Oslo und abends Party auf der Fähre zurück. Verrückt und anstrengend, aber ein tolles Erlebnis. Und nun ist eben erneut Österreich dran, genauer gesagt die Beach Bar in Bregenz am Bodensee. Direkt um 2 Uhr nach der Party im La Bastille brechen wir mit ein paar Bussen auf.
Und dann wird durchgefeiert?
Nicht ganz. So um 8.30 Uhr haben wir erst mal ein Frühstück in Bregenz, danach stehen jedem vier Stunden zur freien Verfügung, und ab 13 Uhr ist dann wieder Disco-Party. Anschließend um 18 Uhr treffen wir uns zum Abendessen, und um 20 Uhr brechen wir auf Richtung Heimat. Für die Reise besteht Testpflicht. Keine große Sache, Hauptsache ist, dass das Event überhaupt stattfindet. Eines unserer letzten Events war 2018 die Überraschungsfahrt nach Aspach bei Stuttgart in den Hotelkomplex von Andrea Berg.
Michael Orlik hat 39 Jahre im Red Stone aufgelegt. Das Bild zeigt ihn auf Party-Tour mit der Kult-Disco.
Warum denn Überraschungsfahrt?
(lacht) Weil vorher keiner wissen sollte, wo‘s hingeht. Wenn die Leute Schlager gehört hätten, wären sie sonst womöglich abgesprungen. Ich durfte in einer von sechs Discotheken von Andrea Berg auflegen – unsere Musik wohlgemerkt. Aber ich habe gesehen, wie immer mehr Neugierige Menschen in die Schlager-Discos gewechselt sind. Irgendwann habe ich von Rock auf Neue Deutsche Welle umgestellt und hatte volles Haus. Lustig war, dass sich irgendwann Andrea Berg, unerkannt in Hut und Mantel, zu uns hinter die Theke gesellt hat. Hinterher hat sie mir ein signiertes Fan-Album geschenkt, von dem es nur zehn Stück gibt. Ach ja, wir haben schon viel Schönes erlebt mit dem Red Stone. Auch in seiner Location selbst. Mit der Schließung ging eine Ära zu Ende.
Das klingt nach Wehmut. Was hat denn den Charme der Location ausgemacht?
Dass jeder so kommen konnte, wie er war. Egal, ob Hilfsarbeiter oder Rechtsanwalt. Egal, ob im Blaumann oder im Anzug – wobei letzteres zugegebenermaßen eher seltener der Fall war (lacht.) Die Einrichtung war zweckmäßig. Einfache Holzbänke, Lampen aus den frühen 80ern – und babbisch war‘s, aber das hat keinen gejuckt. Wir hatten nicht nur Gäste aus dem Odenwald, es kamen etliche mit 45 Minuten Anfahrt. Worms, Gernsheim oder Darmstadt-Dieburg – alles dabei. Es ist über die Jahre eine richtige Familie entstanden, die friedlich miteinander feiert. Selbst beim Live-Stream kenn ich 60 bis 70 Prozent der Leutchen. Einige Neue sind durch den Stream dazugekommen, aus Hamburg und Bayern zum Beispiel und sogar aus Holland und Brasilien. Was mich freut, ist, dass auch die junge Generation dabei ist und wir nicht aussterben. Deswegen hab ich immer versucht, musikalisch vielfältig zu bleiben.
Und wie bleibt man musikalisch vielfältig?
Indem man verschiedene Musikrichtungen an verschiedenen Orten auflegt. Mit 16 Jahren habe ich ja bereits im Red Stone als DJ angefangen – also noch ein Grund für Wehmut, der Laden trug schließlich meine Handschrift. Später hab ich parallel im Face und im Riverboat in Michelstadt Musik gemacht. Und im Hippo und in Lopo’s Werkstatt in Darmstadt, in der Frankfurter Music Hall und in Spanien. Alles in meiner Freizeit. Von Beruf bin ich Elektrotechniker und Fertigungsleiter.
Was war Ihr schönstes Red-Stone-Erlebnis?
Ich bekomme heute immer noch Gänsehaut, wenn ich ans 50. Jubiläum am 6. Juli 2019 denke. Da haben wir mit 5 000 Menschen Party gemacht. (Katrin Nahe)

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