Artenschutz bis Zusatzverkehrsbelastung

Frage-Runde mit Fiege-Planern

Dieburg - Heute Abend geht es weiter im Sitzungsmarathon Fiege: Ab 19.30 Uhr wird im Haupt- und Finanzaussschuss über den städtebaulichen Vertrag beraten, den Dieburg mit dem Unternehmen abschließen will und der den Bebauungsplan „Dieburger Dreieck“ – sollte er denn aufgestellt werden – begleiten soll. Von Lisa Hager 

Am Donnerstagabend waren auch etliche Anwohner aus Münster und Altheim in den Sitzungssaal gekommen, um dabei zu sein, als sich der Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr erstmals mit den Einwänden zum Entwurf des Bebauungsplans befasste. Zuvor sahen sich die Zuhörer einer ganzen Reihe von Planern und Gutachtern verschiedener Sachgebiete gegenüber, die mit dem Logistikgroßprojekt befasst sind. Die neun Fachleute stellten sich an dem Abend den Fragen der Ausschussmitglieder.

Die behandelten Themen reichten von den erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen über den Artenschutz bis zu Fragen der Entwässerung des Geländes und den Konsequenzen, die die umstrittene Ansiedlung auf den Verkehr haben wird. Das Niederschlagswasser der Verkehrsflächen vor dem 560 mal 160 Meter großen Gebäude beispielsweise, so erfuhren die Zuhörer, soll gefiltert werden, bevor es in den Banngraben an der Südgrenze des Grundstücks fließt.

Der Banngraben selbst wird nach der Verlegung sogar „natürlicher“ werden als er jetzt als schnurgerader Wasserlauf ist. Er bekommt seine ursprünglichen Mäander zurück. Für den Hochwasserschutz der nächsten Dieburger Wohngebiete im Norden (beispielsweise Altheimer Straße) werde die Verlegung keinerlei negativen Auswirkungen haben, war sich der Experte sicher.

Die Aussagen des Verkehrsgutachter entlockte manchem Zuschauer dann doch ein vernehmliches Schnaufen: Er gab sich zuversichtlich, dass man die Zunahme des Verkehrs nach Inbetriebnahme des Reifen-Großlagers „durchaus verkraften“ könne. Er machte optimistisch sogar noch „eine Menge Luft nach oben“ aus. Ingesamt rechnete er einen Zusatzverkehr von 1 500 Fahrzeugen am Tag vor. Dabei würden auf die Lastwagen 480 Bewegungen pro Tag entfallen. Der weitaus größere Teil des Zusatzverkehrs geht auf die An- und Abfahrten des Fiege-Personals zurück: Im Endbetrieb sollen 120 kaufmännische Angestellte und 400 gewerbliche Arbeitnehmer hier tätig sein, dazu kommen die Kunden. Zum Schichtwechsel könnte es dann durchaus zu „Spitzenbelastungen“ kommen, räumte er ein.

Gefordertes „Normalprogramm“

Zusätzlich zum vom Gesetzgeber geforderten „Normalprogramm“ seien überdies noch weitere Untersuchungen angestellt worden, sagte Fachplaner Carsten Land vom Büro Wolters Partner aus Coesfeld, das den Entwurf des Bebauungsplans maßgeblich erarbeitet hat. Diese Zusatzuntersuchungen seien hauptsächlich auf die Einwände aus der Bevölkerung zurückzuführen. „Somit wurden diese aufgegriffen“, sagte er. Da seien beispielsweise das Lufthygiene-Gutachten oder auch Prognosen über künftige Schallemissionen oder auch zusätzliche Stellungnahmen, was die Verteilung des Verkehrs angehe, zu nennen.

Überraschend war die Information, die während der fast zweistündigen Rede- und Antwort-Runde fiel, dass die riesige Lagerhalle an einigen Stellen sogar noch um drei Meter höher als die geplanten 17 Meter werden könnte.. Umplanungen bei der Haustechnik könnten das erforderlich machen, hieß es. Falls das nötig werden sollte, müsste die Erhöhung von den Baubehörden aber erst genehmigt werden.

Am kommenden Donnerstag (23.) werden in der zweiten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr (19.30 Uhr im Rathaus) die Einwände gegen den Bebauungsplan, die aus der Bürgerschaft kommen, behandelt. In der ersten Sitzung wurden die Stellungnahmen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange behandelt. In den meisten Fällen empfahl der Ausschuss, den vom Planungsbüro ausgearbeiteten Stellungnahmen zu folgen. Der Aktenordner mit allen eingegangenen Kommentaren zum Fiege-Projekt hat mehr als 900 Seiten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

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