Fragezeichen ranken sich ums Konvikt

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Was wird aus dem 3,6 Hektar großen Konviktsgelände? Das denkmalgeschützte Bischof-Kettler-Haus soll in ein künftiges Seniorenzentrum integriert werden. Der Rest des Geländes soll für Wohnbebauung zur Verfügung stehen.

Dieburg - „Die Leute donnern schon jetzt durch die Schillerstraße ohne Hirn und Verstand“, beklagte ein Anwohner. Mit der Bebauung des Konviktsgeländes würde eine ganz neue Verkehrsdimension auf die Bewohner der Schillerstraße zukommen. Von Ursula Friedrich

In der Diskussionsrunde mit dem CDU-Stadtverband am Samstag im DJK-Heim gingen Bürger mit den Planungen für das Konviktsgelände zum Teil hart ins Gericht. Fehlende Parkplätze, zu stark versiegelte Fläche, ein löcheriges Gesamtkonzept und die künftige Verkehrssituation wurden von den Dieburgern angeprangert. Das Konviktsgelände, etwa 3,6 Hektar groß, sei ein Filetstückchen. „Leider fehlt ein soziales Konzept, denn man könnte hier viel mehr draus machen. Aber es geht nur um die Vermarktung“, kritisierte ein Anlieger. Sein Vorwurf an die CDU-Spitze sowie Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning: Bürger wurden bei den bisherigen Planungen weder einbezogen, noch innovative Vorschläge von Anliegern aufgegriffen, „dabei sind wir durchaus bereit mitzuhelfen“. Dieser Standpunkt erhielt im Publikum viel Applaus.

Die Einbindung anderer sozialer Einrichtungen in die Bebauung des Areals wurde von zahlreichen Bürgern eingefordert, „viele soziale Träger suchen händeringend nach Bauland“. Dr. Harald Schöning erläuterte, dass die Stadt keinen Einfluss darauf habe, an wen das Bistum Mainz Bauparzellen veräußere. Nach jahrzehntelangen Diskussionen um die Nutzung des Konviktsgeländes hätten die Fraktionen im Parlament „die Bebauung einstimmig begrüßt“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Oberhuber, der Bau eines Seniorenzentrums sei unstrittig.

Altenheim ist in die Jahre gekommen

Die Wohnbebauung soll erst nach dem Bau des Seniorenheims möglich sein“, erläuterte der Stadtverordnetenvorsteher. „Unser jetziges Altenheim ist in die Jahre gekommen“. Die geplante neue „Quartierstruktur“ für selbstständige Senioren aber auch pflegebedürftige ältere Menschen, die von einem ganzheitlich therapeutischen Pflegekonzept profitieren sollen, entspreche heutigen Bedürfnissen. Seine Befürchtung: „Wenn wir als Stadt ein komplett soziale Nutzung des Geländes vorschreiben, sieht es in 20 Jahren noch so aus wie jetzt.“

Harsche Kritik bezüglich der Planungen erhielt die künftige Verkehrsführung. Anlieger befürchten ein Verkehrschaos sowie eine erhebliche Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern, die Schwimmbad und Sportstätten am Schwimmbadweg erreichen wollten. „Wir haben schon jetzt viel Lärm und Verkehr, bei Hochbetrieb im Schwimmbad reichen die Parkplätze nicht und es gibt das komplette Chaos“, sagte ein Anwohner der Lessingstraße. „Ich befürchte, dass der Schwimmbadkreisel ausgespart wird und Autofahrer die Lessingstraße als Schleichweg nutzen.“

Die Situation am Schwimmbadweg ist schon jetzt eine Katastrophe, wir haben bei unseren Heimspielen Probleme, die Rettungsfahrzeuge auf das Grundstück zu bekommen“, erklärte Wolfgang Gondolf, Vorsitzender der DJK Victoria.

Der Schwimmbadweg wird verbreitert und auf Kosten des Bistums zweispurig ausgebaut“, erläuterte Markus Oberhuber. Zur Parkplatzsituation erläuterte der Stadtverordnetenvorsteher, dass bestehende Parkplätze erhalten bleiben sollen und weitere 50 öffentliche, kostenfreie Parkplätze hinzukommen werden.

Wie viele Parkplätze St. Rochus für sein Seniorenzentrum einplant? Und wie das künftige „Quartier“ für alte Menschen ausschauen soll? Hier tappen die städtischen Vertreter noch völlig im Dunkeln. Auf die Frage, wann die St. Rochus Stiftung ihre Detailplanung für das Seniorenzentrum vorlege, ernteten die Bürger nur Achselzucken. Beim Gesprächstermin hatten die Planer „nur einige Klötzchen auf dem Baugelände herumgeschoben“, so der Stadtverordnetenvorsteher.

Kritik, Vorschläge und Bedenken der Anwohner würden notiert und als „Denkanstöße“ in die Diskussion des zuständigen Bauausschusses einfließen, so Dr. Harald Schöning.

Hintergrund

Eigentümer des rund 3,6 Hektar großen Konviktsgeländes ist das Bistum Mainz. Unter Federführung der Dieburger St. Rochus Stiftung soll dort unter Einbeziehung des denkmalgeschützten Bischof-Kettler-Hauses ein Seniorenzentrum entstehen. Bis zu 90 Plätze für Senioren zwischen 60 und 80 Jahren sollen geboten werden und unterschiedlichsten Pflegebedürfnissen älterer Menschen Rechnung tragen. Rund 10 000 Quadratmeter sind für das Seniorenheim eingeplant, das im Detail jedoch noch nicht vorgestellt wurde. 13 616 Quadratmeter Fläche will das Bistum als Bauland veräußern. Auf jeweils 400 Quadratmeter großen Parzellen sind insgesamt 33 Doppelhäuser und Einfamilienhäuser vorgesehen. 4800 Quadratmeter des Gesamtareals sollen als Parkfläche dienen, weitere 3 000 Quadratmeter sind für Verkehr reserviert. Der gesamte Kfz-Verkehr soll über den Schwimmbadkreisel und den zweispurig ausgebauten Schwimmbadweg erschlossen und gen Zentrum durch die Schillerstraße geleitet werden. Ein 8500 Quadratmeter großes Areal ist als öffentliche Grünfläche mit Parkcharakter geplant. Die Bebauung wurde zuletzt in der Stadtverordnetenversammlung Anfang Juli diskutiert. Der Bauausschuss erarbeitet eine Stellungnahme, die Grundlage für den Vorentwurf für den Bebauungsplan sein soll. Das Thema steht in der Sitzung des Ausschusses am Montag, 31. August (Beginn 19.30 Uhr) im Rathaus wieder auf der Tagesordnung. Schon im Dezember könnte aus planerischer Sicht Baurecht geschaffen werden.

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