Fraktionen bieten Zusammenarbeit an

Frank Haus als Dieburger Bürgermeister vereidigt

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Grußlieder statt Grußworte: Der Chor PocoLoco umrahmte die Amtseinführung von Frank Haus musikalisch.

Dieburg -  Bei seinen vier Frauen zuhause komme er nicht oft zu Wort, meint Frank Haus augenzwinkernd. Als Dieburgs künftiger Bürgermeister wird er gewiss mehr Gelegenheit zum Reden bekommen. Von Ralf Enders 

Sie haben halt doch mehr gemein, als sie wahrhaben wollen, die Dieburger und die Groß-Zimmerner. Bei der Amtseinführung von Zimmerns Rathauschef Achim Grimm (CDU) vor gut zwei Wochen stand der Chor Chorus Line auf der Bühne, in dem Grimm einst aktiv war. Frank Haus’ Chor-Vergangenheit heißt PocoLoco, und die „ein bisschen verrückten“ Sänger umrahmten nun freilich die Amtseinführung von Haus musikalisch.

Mit „I’ll Be There For You“ – Ich werde für dich da sein – eröffnete PocoLoco am Montagabend vielsagend eine ungewöhnlich lockere Stadtverordnetensitzung in der Römerhalle, deren einziger Tagesordnungspunkt die Vereidigung von Frank Haus war. Mehr als 500 Gäste waren in Dieburgs „Guud Stubb“ gekommen, um bei der Verpflichtung des 42-jährigen Juristen dabei zu sein, darunter die Stadtverordneten und zahlreiche Prominente aus Politik, Kirchen, Wirtschaft und Vereinen, aber auch viele interessierte Bürger.

Dieburgs neuer Bürgermeister Frank Haus am Wahlabend des 12. März im Kreise seiner Familie

Haus hatte die Bürgermeister-Direktwahl am 12. März dieses Jahres völlig überraschend im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber mit 50,2 Prozent der Stimmen gewonnen. Er tritt seine sechsjährige Amtszeit am 10. August an und löst dann Dr. Werner Thomas (früher parteilos, seit 2015 CDU) ab, der seit 2005 Bürgermeister ist. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning erinnerte als Gastgeber noch einmal an den unerwarteten Wahlausgang und beschrieb den Spagat, der Haus bevorsteht: „Der Bürgermeister soll kreativ sein, aber auch dem Parlament solide Vorlagen liefern.“
Dr. Thomas empfahl seinem Nachfolger „Mut und Gelassenheit“, aber auch die Einsicht, „es nicht jedem recht machen zu können“. Und: „Was ich Dir noch wünsche, sage ich Dir nachher.“ Der Inhalt dieses Nachher-Gesprächs ist allerdings nicht bekannt.

Bilder: Dieburg in Blau

„Zur Vereidigung müssen wir aufstehen“, stellte ein Besucher treffend fest und begann sich zu erheben. Noch bevor der Mann richtig stand, hatte sein Sitznachbar, der katholische Pfarrer Alexander Vogl, ebenso treffend ergänzt: „Und zum Vaterunser.“

Das würde Dieburgs künftiger Bürgermeister gewiss unterschreiben. Er dankte Vogl und seinem evangelischen Kollegen Dieter Schmidt ausdrücklich für den ökumenischen Gottesdienst vor der Amtseinführung.

„Ich habe vier Frauen zuhause, da komme ich nicht so oft zu Wort“, meinte der Vater dreier Töchter, „deshalb ist das heute eine günstige Gelegenheit.“ Frank Haus nutzte diese Gelegenheit gut und hielt seine Antrittsrede in einem souveränen Stil. Leicht präsidial, um Ausgleich und Einigkeit bemüht, aber auch mit der deutlichen Aufforderung, neue Wege zu gehen, stellte er sich dem Parlament und den Dieburgern vor. Als „Sohn dieser Stadt“ sei das Amt eine Ehre für ihn. Zwar habe ein Bürgermeister vieles nur umzusetzen, aber es gebe den Wunsch „nach einem, der vorangeht und im Idealfall Vorbild ist“. Ob er dieses große Paar Schuhe ausfülle, wisse er noch nicht, aber er versprach Standfestigkeit. Dem Parlament bot er Zusammenarbeit an.

„Jeder Einzelne zählt alles“, betonte Haus, als er von der Verunsicherung vieler in einer sich rasant verändernden Welt sprach – und erntete viel Applaus. Dieburg wolle er „zum Vorbild für andere Kommunen“ machen, ein „Zündfunke“ solle von der Stadt ausgehen. Feuerwehrhaus, Betriebshof, Freibad, Hallenbad, neue Baugebiete oder Rochus – Haus kennt freilich die anstehenden Aufgaben und meinte, es gehe nur, „wenn alle an einem Strang ziehen“. Den etwa 120 städtischen Mitarbeitern rief der künftige Dienstherr zu: „Nehmen Sie sich die Freiheit, quer zu denken und ausgetretene Pfade zu verlassen.“

Seinen Vorgänger Dr. Thomas dankte Haus für „Beharrlichkeit und Menschlichkeit“ und zählte auf, wofür die Amtszeit Thomas’ unter anderem stehe: Römerhalle, Stadtleitbild, Schuldenabbau und Campus-Bebauung.

Für die CDU-Fraktion bot deren Vorsitzender Renée Exner – er war bei der Bürgermeisterwahl mit 21,6 Prozent der Stimmen unterlegen – eine Zusammenarbeit an: „Wir von der CDU werden Dich gerne unterstützen.“ Es gehe darum, „das Beste für Dieburg“ zu erreichen, unabhängig von Parteien. Ähnlich äußerten sich Irmgard Haberer-Six (Grüne), Wilhelm Reuscher (FDP) und Ferdinand Böhm (SPD), wobei Letzterer als Vater zweier – erwachsener – Töchter Haus gewohnt pointiert warnte: „Ihnen steht noch einiges bevor, dagegen ist das Bürgermeisteramt ein Kinderspiel ...“

Die Messe „Gartenwelten“ in Dieburg: Bilder

Die lange Liste der Grußworte eröffnete der Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Zimmermann aus Groß-Umstadt. „Der Wahlkreis schaut genau hin, was in Dieburg passiert“, meinte er. Für die „lieben Freunde aus dem kleinen Ort nebenan“, sagte Groß-Zimmerns Parlamentschef und Generalsekretär der Hessen-CDU, Manfred Pentz, es sei natürlich richtig, dass die Union in Dieburg habe gewinnen wollen. Aber erst komme der Staat, dann die Partei. Für den erkrankten Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) richtete die Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD) beste Grüße aus. Groß-Umstadts Bürgermeister Joachim Ruppert (SPD) kennt die närrischen Vorlieben der Dieburger und gratulierte im Namen „der anderen 2 mal 11 Bürgermeister“ im Kreis. Der neue Amtsgerichtsdirektor Ernst Porschitz wünschte dem Juristen Haus „strikte Parteilichkeit für die Bürger“ und berichtete nebenbei, auch er habe drei Töchter.

Weitere Grußworte kamen von Christine Fröhlich (Personalrat der Stadt), Heinz Albers (Arbeitskreis Asyl), Friedel Enders (Karnevalverein), Franz Zoth (Odenwaldklub), Thomas Bischoff (Deutscher Gewerkschaftsbund), Ahmed Musbashir (Ahmadiyya Gemeinde), Johanna Herrmann (Freie Sänger) und Achim Weißbäcker (Freundschaftskomitee Dieburg-Aubergenville, Club de Pétanque).

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