Mit Stichwahl gerechnet

Frank Haus neuer Rathauschef - Kandidaten überrascht

Dieburg - Um kurz nach 19 Uhr war für Hein Gottfried Fischer Schicht im Schacht. Er nahm seine braune Tasche und verließ das Rathaus Richtung Bahnhof. Dass der Reisende in Sachen Bürgermeisterwahlkampf so schlecht abschneiden würde, hat er nicht gedacht. Von Konstanze Löw und Stefan Scharkopf 

Nein, sogar eine Stichwahl mit ihm als zweitbestem Bewerber hatte er allen Ernstes auf dem Schirm. „Das ist extrem wenig“, sagte Fischer über seine 29 Stimmen. Ob er sich woanders in der Republik bewirbt, ließ er am Sonntagabend offen. Er äußerte aber Interesse an Groß-Umstadt. „Ich werde mich von dem Ergebnis sicher schnell wieder erholen. “ Ernst zu nehmender sind da freilich die Kandidaten Renée Exner, Thomas Disser und Erik Marx.

Thomas Disser zeigte sich vom Wahlergebnis perplex: „Ich bin platt und überrascht. Aber das teile ich ja heute mit den meisten hier.“ Er habe es nicht für möglich gehalten, dass überhaupt einer der Kandidaten im ersten Durchgang gewinne. Trotzdem kann der 62-Jährige gestern Abend das Positive sehen: „Immerhin gibt es keine Stichwahl, denn das wäre sehr anstrengend und zeitintensiv geworden. Ich kann auch beim ersten Durchgang das Ergebnis respektieren.“

Enttäuschter wirkt dagegen Renée Exner, der von einem „schmerzhaften Wahlergebnis“ spricht. Der 44-Jährige benennt vor allem zwei Aspekte, die zum Wahlsieg von Frank Haus geführt haben: „Bei dem Ergebnis spielt seine Parteilosigkeit eine große Rolle, diesen Trend verzeichnen Kommunen und Städte schon seit einigen Jahren. Noch dazu war ein großer Vorteil von Frank Haus, dass er noch keine Entscheidung treffen musste, die wehgetan hat.“

Der Fraktionsvorsitzende der CDU reflektiert das Ergebnis aber auch auf seine bisherige Arbeit im Parlament und stellt nun sein bisheriges Schaffen in der Dieburger Kommunalpolitik in Frage. „Mit einem solchen Ergebnis umzugehen, ist nicht leicht. Trotzdem werde ich auch weiterhin eine gute Arbeit für meine Heimatstadt machen und die Fraktion weiter anführen. Für heute gilt es, den Wählerwillen zu akzeptieren.“ Exner ist aber stolz auf seinen „mutigen Wahlkampf“, den er betrieben hat und freut sich darauf, Dieburg voranzubringen – wenn auch nicht als Bürgermeister.

Podiumsdiskussion in Dieburg: Bilder

„Persönlich bin ich natürlich enttäuscht, andererseits erleichtert, dass es nun vorbei ist und ich mich wieder zu 100 Prozent um Familie und Beruf kümmern kann.“ Dass es für ihn für eine Stichwahl reicht, davon war Marx überzeugt; dass es jetzt so deutlich kam, war eine Überraschung. Ich gratuliere Frank Haus zu einem für mich etwas unerwartetem, aber überzeugendem Wahlsieg und wünsche ihm ein glückliches Händchen. Frank Haus hat im Wahlkampf ebenfalls alles gegeben und das Amt verdient. Zudem waren wir in etlichen Aussagen deckungsgleich.“ Die Frage, ob er jetzt in die Kommunalpolitik einsteigen werden, verneinte er. „Ich bin als unabhängiger Kandidat in den Wahlkampf gegangen und will auch unabhängig bleiben. Einer Partei anschließen will ich mich nicht.“

Rubriklistenbild: © dpa

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