Frau Holle zuvor gekommen

+
Gespannt verfolgen die Knirpse, wie der Schnee abgeladen wird...

Dieburg - Frau Holle scheint sich im letzten Jahr etwas verausgabt zu haben. Vielleicht schlummert sie deshalb noch immer in ihren Federn, statt sie eifrig auszuschütteln. Denn trotz wahrlich winterlicher Temperaturen ließ die weiße Pracht bislang auf sich warten. Von Jenny Bieniek

Für die Kinder der Kita Ruhbäumchen gab’s dieser Tage trotzdem Schnee. Dick eingemummelt in Schneeanzüge, Handschuhe und Schals stehen die Dreikäsehochs Spalier für die inzwischen dritte Ladung des kalten Weiß. Gespannt und voller Vorfreude beobachten sie, wie der künstliche Schnee von der Laderampe rutscht. „Gleich kommt’s runter!“, hüpft ein Mini-Eskimo aufgeregt hin und her. „Wir haben gestern schon eine Schneeballschlacht gemacht und kleine Rutschen gebaut“, erzählen die Freundinnen Emily und Emma. „Ich habe extra eine Matschhose angezogen, damit meine Klamotten nicht nass werden“, berichtet die vierjährige Emily stolz.

Erzieherin Annett Nolte hatte die Idee zur weißen Überraschung und fand in Ronald Gabele, Geschäftsführer einer Maschinen-Mietstation und Besitzer einer Schneekanone, einen Verbündeten. Drei Anhängerladungen Kunstschnee hat er den Kindern mitgebracht. „Es ist immer schön, wenn man Kindern eine Freude machen kann“, so das männliche Pendant zu Frau Holle.

Ob die Kinder wissen, wo der weiße Zauber herkommt?

Ob die Kinder wissen, wo der weiße Zauber herkommt? „Eigentlich kommt Schnee vom Himmel, aber dieser hier kommt aus der Schneekanone“, wissen die Knirpse. Wasser und kalte Luft – viel mehr brauche es im Prinzip nicht, um die Umgebung unter einer weißen Scheedecke verschwinden zu lassen, erzählt Ronald Gabele. „Kunstschnee ist dichter als echter und hält deshalb auch dreimal so lange“, weiß der Experte. „Bis Fastnacht bleibt der sicher liegen.“ Die Kosten seien dabei überschaubar: „Momentan ist genug Grundwasser da, im Brunnen steht das Wasser recht hoch“, berichtet Gabele. Der benötigte Strom komme aus der Photovoltaikanlage. „Ich bin einfach selbst ein echter Schneefreak“, verrät er, deshalb habe er auch sein Zuhause kurzerhand einschneien lassen. „Vor meinem Haus liegt alles unter einer dicken Schneedecke, und auch vor meiner Halle liegt ein ganzer Berg.“

...um sich kurz darauf ins kalte Vergnügen zu stürzen.

Normalerweise würden die Kleinen bei derart frostigen Temperaturen nicht gerne draußen spielen. „Da gehen sie sofort wieder rein“, erzählt Erzieherin Nolte. Gestern aber wollten viele gar nicht nach Hause gehen. Auch Kita-Leiterin Heike Konz freut die Schnee-Idee: „Die Kinder finden’s total klasse. Als wir ihnen erzählt haben, dass sie Schnee geliefert bekommen, haben viele erstmal ungläubig geschaut. Die dachten, wir wollen sie veräppeln.“ Wollten sie nicht. Nun spielen und toben die Kids vergnügt am Mini-Schneehang.

Darryl und Alexander planen derweil schon den zweiten Schnee-Ausflug nach dem Mittagessen: „Erst machen wir ganz viele Schneekugeln und werfen dann die anderen ab!“, lautet der verschmitzte Plan der beiden.

Im letzten Jahr sei der Nachwuch des Schnees irgendwann überdrüssig geworden, erinnert sich Heike Konz. „Da hieß es dann: ,Wir wollen keinen Schnee mehr’. Aber jetzt wird wieder fleißig ,Schneeflöckchen, Weißröckchen’ gesungen in der Hoffnung auf etwas Schnee“, lacht sie. Hat ja geklappt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare